Trotz Miniaufschwung, das Spiel ist aus - Nichts geht mehr
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2. Die Grenzen des Marktes

1. Die Profitrate

Norbert Nelte - 05.06.07 - ökonomische Theorie

Rosa Luxemburg analysierte in ihrem Werk „Die Akkumulation des Kapitals“ das Ende des Kapitalismus viel dramatischer als Karl Marx, der es langsam einschlummern sah. In der Antikritik fasst sie ihre Erkenntnisse auf den Punkt gebracht zusammen:

»Der Imperialismus ist ebensosehr eine geschichtliche Methode der Existenzverlängerung des Kapitals, wie das sicherste Mittel, dessen Existenz auf kürzestem Wege objektiv ein Ziel zu setzen. Damit ist nicht gesagt, dass dieser Endpunkt pedantisch erreicht werden muss. Schon die Tendenz zu diesem Endziel der kapitalistischen Entwicklung äußert sich in Formen, die die Schlussphase des Kapitalismus zu einer Periode der Katastrophen gestalten.«.
(1 Rosa Luxemburg: „ Antikritik”, S. 361)

Marx war der Auffassung, dass das, was weltweit produziert wird, auch letztlich seine Käufer finden wird. Bei dieser Betrachtungsweise wird aber der ständige Abbau von Arbeitsplätzen und damit Konsumenten nicht betrachtet. Das Kapital produziert aber blind im Voraus für einen unbekannten Markt und produziert deshalb ständig einen Überschuss an Konsumgüter (Butterberge-Autohalden). Die Produktionsmittel, die Herstellungsmaschinen, deren Anteil zunimmt, werden dagegen von dem Kapital nur bei guten Konjunkturaussichten nachgefragt.

Luxemburg dagegen meinte anders als Marx, dass deshalb man in nichtkapitalisierte Räume ausweichen müsse, zuerst auf das Land und dann in das Ausland. Wenn alle nichtkapitalisierten Räume kapitalisiert sind, sind die Grenzen des Marktes erreich und lange vorher wird die Wirtschaft in „Todeszuckungen“ verfallen, wie sie sich oft ausdrückte.

Die Produktivität wächst in den Industriestaaten jährlich um 2-4%. Jeder Betrieb muss auch diesen Rationalisierungsgrad  erreichen, sonst wird er von der Weltkonkurrenz in den Orkus geschickt. Entsprechend muss er die 2-4% Beschäftigten auch auf die Straße setzen, wenn er die Profitabilität auch erreichen will. Die Wirtschaft muss in Deutschland jährlich um mindestens 2% wachsen, wenn die Arbeitslosenzahlen nicht wachsen sollen.

Die Wachstumsrate des Bruttoinlandsprodukts ist in Deutschland seit 1945 stetig von 12% auf die 2%-Marke in den 1990er Jahre gesunken. Dieser Kurvenverlauf verlief  in allen Ländern von den USA bis Japan ähnlich, in Japan begann er nur in den 1960ern. In China wird er nach der anfänglichen Hochphase genau so verlaufen. Die Hochphase verlief deshalb in China länger, weil am Anfang noch weniger an Anlagen standen, als in den anderen Ländern. Ob momentan ein kleines Hoch ändert nichts an dem grundsätzlichen Trend abwärts. Vor den Weltkriegen verliefen die Wachstumsraten des BIP auch nur nach unten und erst die Weltkriege selber konnten diesen Abwärtstrend stoppen. Heute bedeutet Weltkrieg atomare Vernichtung der Menschheit, das wäre also keine wirkliche Alternative

Im April 2007 beträgt das BI-Wachstum im Bund 2,4%, und man sieht wieder rosa Wolken aufziehen. Dieses Wachstum ist aber nur dem besonderen Schub in der Umwelttechnologie zu verdanken. Durch die Förderung der Rot-Grüne Regierung - 100.000-Dächerprogramm, Zwangsabnahme für die Energiekonzerne der privaten überschüssigen Öko-Energie - erzielten die deutschen Umwelttechnologie-Unternehmen einen Produktivitätsvorteil und beliefern jetzt fast konkurrenzlos die Welt mit Sonnenkollektoren und Windrädern, besonders deshalb, weil die anderen europäischen Länder die deutschen Umweltgesetze inzwischen übernommen haben. Die Umweltbranche in Deutschland hat somit die Maschinebau- und Autobranche mit den Arbeitsplätzen bald überflügelt.

Die Übernahme der deutschen Umweltgesetze durch die anderen europäischen Länder heißt aber auch, dass die anderen europäischen Länder den deutschen Vorsprung im Umwelttechnologiebau in 1-2 Jahren eingeholt haben werden und dann wird wieder der graue Alltag der fallenden Tendenz der BIP-Wachstumsraten einkehren.

Die gesamten Anlageinvestitionen nahmen im 3. + 4. 2006 nur um kümmerliche 0,3% zu, weniger als in den 90er Jahren. Die Dividendenausschüttungen dagegen nahmen von 73,6 Milliarden €uro in 2001 auf 116 in 2006 zu. Die Unternehmer scheinen ihren eigenen Jubelgesängen nicht zu trauen und haben selber keine allzu große Zuversicht in die Zukunft und erweitern die Produktionskapazitäten nicht.

Eine Senkung der Arbeitslosenzahlen wird uns immer einsuggeriert. Das passt doch hinten und vorne aber nicht mit der Meldung zusammen, dass 10% mehr von Hartz IV. abhängige Armutskinder in 2006 lebten, schon 1,9 Millionen
(3 http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,478778,00.html) Weniger Arbeitslose und 10% mehr Kinder, die Hartz IV empfangen? Dass müssten dann ½ Millionen  Beschäftigte sein, die in einem Jahr mit ihrem Lohn unter die Sozialhilfegrenze gefallen sind. Die Arbeitslosen betragen wahrscheinlich mit dem 1€–Jobbern, den Bedarfsgemeinschaften, den über 58jährigen und den Prekären schon 7 Millionen und werden ungeheuerlich geschönt.
(4 siehe z.B. http://www.gegen-hartz.de/nachrichtenueberhartziv/53659698130d33301.php)

Der Markt in China ist bald gesättigt und China selber drängt schon massiv auf den europäischen Markt. Das chinesische Land ist nicht zu entwickeln, genau wie auch die indischen Dörfer. Das verhindern schon die chinesischen Kapitalisten, damit ihnen von dort billige Tagelöhner zur Verfügung stehen. Nach China werden nur nberkapazitäten produziert, die Direktinvestitionen nach China sind ab Mitte 2006 rückläuoch kleine, unbedeutende Länder sich entwickeln. In China selber werden schon Üfig.

Der Dollar fällt, jetzt schon gibt es für 1 € = 1,36 $. Das Leistungbilanzde weitere Billion an. In dieser Zeit droht Iran damit, seine Öllieferungen an China auf €uro und Rialbasis zu veefizit beträgt schon 9 Billionen Dollar (nur Bund) und es steigt bald jährlich um einrrechnen. Alle seriösen Wirtschaftsanalytiker rechnen bald mit einem Platzen der Dollarblase, wenn nicht gar mit einer Hyperinflation, was die gesamte Weltwirtschaft in einen Strudel runterziehen wird.

3. Das Überproduktionsgesetz

Die Reallöhne sind in den letzten 5 Jahren um 2,9% gefallen.

Wir konnten in der Schrift „Rosa Luxemburg, die Grenzen des Marktes und die Todeszuckungen des Kapitalismus.“ (Norbert Nelte: Rosa Luxemburg, die Grenzen des Marktes und die Todeszuckungen des Kapitalismus!) nachweisen, dass es ab dann, wenn weltweit die Anlageinvestitionen noch schneller fallen werden als die Löhne, der „Point of no Return“ erreicht sein und die Weltwirtschaft nur noch schrumpfen wird.

Ab diesem Moment tritt der Überschuss  im Produktionsmittelsektor I auf und er kann dann nicht mehr in den Konsummittelsektor II übertragen werden, wie es heute noch bei dem Überschuss im Konsummittelsektor II selber geschieht, dass der Kapitalüberschuss in den Produktionsmittelsektor I übertragen wird, da der Anteil der Maschinen am Warenwert immer weiter wächst. Wenn der Maschinen- und Anlagenbau I schrumpft, schrumpft der Konsumsektor II auf Grund der ständigen höheren Technisierung bzw. der ständigen Steigerung der organischen Zusammensetzung des Kapitals noch schneller und zudem wird er eine viel größere Nahrungskette von Zulieferern in das Aus mitreißen.

In Deutschland und den USA ist dieser Punkt schon 2002 erreicht worden. Noch hat China diese Länder wieder hochgebracht. Wenn dies nicht mehr erreicht wird und weltweit der „Point of no Return“ erreicht sein wird, dann werden nur noch plündernde Horden durch unsere brennenden Städte ziehen. Das bleibt aber nur eine hypothetische Überlegung, weil lange vorher, jetzt schon, zeichnet sich die Alternative ab.

4. Die Alternative

Das Konkurrenzsystem führt nur in die Barbarei. Wir brauchen ein Wirtschaftssystem, in dem nach den Bedürfnissen der Massen vernunftsmäßig, solidarisch produziert wird, also nicht für einen blinden Markt. In der ganzen Welt bekommen alle für gleiche Arbeit den gleichen Lohn – anfangs vielleicht noch von 80 für den Putzmann bis 120% für die Oberingenieurin – und Erfindungen und Patente stehen der freien Welt frei zur Verfügung. Weltweit den gleichen Lohn und einen solidarischen Plan kann nur die Arbeiterbasis selber erreichen. Was hat der VW-Kollege davon, wenn seine südafrikanischer VW-Kollegin für nur 2 €uro arbeitet? Nichts, außer ein Billig-Dumping-VW. Das objektive Interesse des Arbeiters ist international.

Aus diesem Grunde funktioniert das ganze nur, wenn die Kollegen im Betrieb selber und gemeinsam über die Wirtschaft entscheiden.

Es wird regelmäßig – anfangs fasst täglich - Abteilungsversammlungen durchgeführt, wo die betrieblichen, kommunalen und staatlichen Probleme diskutiert werden. Auf der Betriebsversammlung werden auch der Arbeiterrat und die Delegierten für den städtischen Arbeiterrat usw. gewählt. Er ist

  1. Jederzeit abwählbar
  2. An die Beschlüsse der Kollegen gebunden und darf
  3. nicht mehr verdienen als ein Facharbeiterlohn.

In den überbetrieblichen Arbeiterräten sitzen neben den betrieblichen Delegierten auch die der Hausleute, der RentnerInnen, der Bauern, der kleinen Handwerker usw., wichtig ist nur, dass die Betriebe dort die Richtung vorgeben, aber das dürfte ja bei einer Arbeiterklasse von 85% in Europa keine Schwierigkeit darstellen. Anders war das 1917 in Russland bei einer Arbeiterklasse von 4% und 80% Bauern.

Der Mensch gibt seine Bestellungen ins Internet ein und das wird dann zentral gleichmäßig auf die Betriebe gerecht verteilt, das Internet haben wir ja auch schon dank CIA, das ist die historische Dialektik, so einfach ist das. Statt erst produzieren für einen blinden Markt und dann erst bestellen, bestellen wir erst und produzieren dann, planvoll und schon brauchen wir um Märkte keine Kriege mehr führen.

In emanzipierten Kämpfen lernen die ArbeiterInnen ihre objektiven Interessen kennen, meist stehen an der Spitze dieser Kämpfe die Fach- besonders die Kopfarbeiter. In dem mexikanischen Bundesstaat Oaxaca standen 70.000 LehrerInnen an der Spitze und alle, alle folgten ihnen. 360 Organisationen waren in dem Rat APPO  vertreten und sie führten für ein ½ Jahr die Doppelherrschaft aus. Zwar hat der kapitalistische Staat sich noch einmal mit Morden und Vergewaltigungen durchge­setzt, aber die Bewegung ist nicht mehr zu stoppen. Schon führen sie wieder Demonstrationen mit 100.000 Leuten durch und als jetzt in Argentinien ein Lehrer von der Polizei ermordet, traten 240.000 Lehrer mit dem Ruf in den Ausstand mit dem Ruf „Oaxaca ist überall“

Die Zukunft des Homo Ratio hat schon begonnen. Mach mit im Netzwerk Linke Opposition für einen gemein­samen Kampf für diese, unsere Zukunft.

Norbert Nelte
www.marktende.de

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