Nach dem Wirtschaftscrash Markt oder Plan

Norber Nelte - 1.6.2011 - ökonomische Theorie

1. Der Wirtschaftszusammenbruch

Nun dämmert es jedem so langsam, dass dieses Wirtschaftssystem abgewirtschaftet hat und den Lohnabhängigen und dem unteren Mittelstand gar nichts mehr anzubieten hat, außer dummen Durchhalteparolen und Geduldssprüchen überhaupt nichts mehr.

Die USA haben am 2. August bereits 14,28 Bio. Dollar Schulden und müssen jeden Tag 4 Mrd. Dollar geliehen bekommen, in 2011 schätzt man 1,65 Bio. $. Da kaum ein Land ihre Staatsanleihen kauft, müssen sie die zu 100% über die Federal Bank selber kaufen und die Dollar dafür drucken. Man muss wissen, dass die USA nur 25% ihrer Staatsausgausgaben einnehmen und die wollen sie auch gar nicht einsparen. Obama will lediglich 333.000$ von 1,65 Bio. $ einsparen, mehr nicht. Das BIP beträgt 14 Bio., und davon drucken die vereinigten Staaten jährlich 11,8%, ohne das dem eine Wertschöpfung gegenübersteht.

So ist auch das römische Imperium untergegangen. Rom klaute sich so viel Gold zusammen, dass dem zum Schluss weniger Wertschöpfung gegenüberstand. 300 kam es dann zur Inflation, die man noch mit Höchstpreisen bekämpfen wollte, aber es half nichts und so konnten die Germanen sie einfach überrennen und ausplündern.

Inzwischen musste die Fed, also die USA selber, vom 18.2. bis 19.5.11 sogar 137% ihrer Staatsanleihen kaufen, weil hauptsächlich Russland, aber auch China und Japan sie schon zurück verkauften. Der Trab der Inflation über 10% wird nun in einen Galopp zu der Hyperinflation übergehen. In der letzten Woche ist der Dollar gegenüber dem Euro um 4 Cent gefallen, obwohl doch der Euro jetzt fallen müsste, da Europa jetzt das Griechenland-Problem an der Backe hat.

Hinzu kommt noch, dass die Schuldengrenze bis 2.8. ausgeweitet werden muss, sonst wird die USA einen großen Teil der Staatsbeamten, Feuerwehrleute, Sheriffs und Lehrer bald entlassen müssen. Die dafür notwendigen Republikaner verweigern sich aber einem Ausweitungsantrag um 2 Bio. Dollar und laut Finanzminister Geithner wird es bis zum 2.8. auch zu keiner Einigung kommen. Droht jetzt also neben der Inflation auch die Depression?
Auch jetzt bestehen die Schulklassen schon z.B. in Detroit wie in den Entwicklungsländern aus über 60 Kindern. Die leer stehenden Gebäude werden selten abgerissen und verwahrlosen, die leeren Industrieanlagen verrotten und bis zu 25% der Amerikaner sind wie in New York von den Suppenküchen abhängig. In New York suchen schon so manche in schwarzen Anzügen die Papierkörbe nach Verwertbarem durch.

 Die Leichen werden oft aus Geldmangel nicht beerdigt, sondern einfach auf die Straße gelegt. Sogar 18% der Amerikaner wohnen schon im Wohnwagen, im Zelt, schlafen unter den Brücken oder wie in Kalkutta in den Einkaufspassagen. Amerikanischer Erfindergeist führte dazu, dass der Obdachlose einen Einkaufswagen zu einem Schlafzelt ausklappen kann.'

Die USA sind pleite, aber wollen noch schnell neue Atombomben für Europa. Sie werden den Stafettenstab für die Weltherrschaft nicht freiwillig an China weiter geben. Das langsame Sterben des Landes der „unbegrenzten Möglichkeiten“ im Kapitalismus hat bereits begonnen.

In Europa sieht es nicht viel  anders aus. Vorneweg wäre da Großbritannien zu nennen. Einige Gebieten kommen dort dem Endzeitfilm Mad Max schon sehr nahe. Die Gesundheitsvorsorge ist dort schon immer miserabel, die Krankenhauspatienten liegen dort in Zehnbettzimmern oder auf dm Flur. Nach dem 100 Mrd. Kürzungsprogramm 2010 müssen die Studenten 9.000 Euro Studiengebühren bezahlen, also studieren ist nur noch dort etwas für die Upper Class. Wie sich die Sozialkürzungen sich in Mittelengland ausgewirkt hat, kann man aus dem Mail eines Zeugen im Internet sehen.

„Jede Menge leere Geschaeftslokale, Gebaeude, Infrastruktur am verfallen.. In einigen Gegenden ist man Afrika, Indien oder Pakistan naeher als England, da kaum Englaender… Wenn man doch einmal einen Ur-Englaender sieht, dann meist kahlrasiert mit Tattoos am ganzen Koerper und Kampfhund - Gangster / Hooligan - Style eben. Extreme Kriminalitaet, wie man sie sonst eher in Suedafrika vermuten wuerde, ein Kollege (Ex Special Forces), urspruenglich aus Kapstadt, hatte die staendigen Ueberfaelle satt, nachdem er zuletzt gewaltsam aus dem Auto gepruegelt wurde, dass ihm anschliessend gestohlen wurde, ist wieder nach Suedafrika zurueck. Mord und Totschlag wegen minimalen Geldbetraegen, 15jaehrige Auftragskiller die man bereits fuer 200 Pfund anheuern kann (Zeitung von gester n) bewaffnete Raubueberfaelle in Pizzalaeden … marode Haueser, Strassen, usw. wohin man sieht. Bettler auf den Strassen, in einem derart schlechten gesundheitlichen Zustand, dass man sich eher ins Mittelalter zurueckversetzt fuehlt usw… 20% Arbeitslosigkeit in einigen Staedten, usw“

In Griechenland erinnert das Zentrum von Athen an Beirut. 40.000 sind schon aufs Land gezogen, da hier das Überleben sicherer scheint. Papandrou hat mit CDS (Gegenversicherungen) zu den griechischren Staatsanleihen gegen Griechenland gewettet und damit der Bevölkerung  vielleicht 23 Mrd. geklaut hat. Das bringt schon 100.000 in Athen auf die Straße, so viel wie noch nie. Papandreou erwägte schon Militäreinsätze.

In Spanien gibt es eine Jugendarbeitslosigkeit von 50%. Die Protestcamper in Spanien und Griechenland haben sich schon gegenseitig besucht. Die Lage spitzt sich zu. In Spanien kämpften die sozialdemokratischen Gewerkschaften bisher auf Sparflamme gegen die Sozialkürzungen, da sie den sozialdemokratischen Regierungschef Zapatero nicht in Schwierigkeiten bringen wollten. Genau wie in Deutschland. Hier hat der DGB wegen seiner Kapitallogik sogar seinen Frieden mit Merkel geschlossen.

Die Facebook/Jugendbewegung in Tunesien, Ägypten, Spanien und Griechenland wird die starren kleinbürgerlichen Fronten der europäischen Großgewerkschaften aufweichen und auch die älteren Lohnabhängigen inspirieren.

Sogar das „Boom“land Deutschland hat am 1.5.11 2.125 Mrd. Euro Schulden, das sind 85% vom BIP. Viele haben auch hier schon drei Jobs, um überhaupt überleben zu können. In Italien, auch hier haben 30% der Jugendlichen keinen Volljob. Generation Praktikum.

64 Millionen Wohnungen stehen in China leer. Um dem Platzen der Immobilienblase zu entgehen, plant Peking eine neue Stadt mit 44 Millionen Einwohnern. Die Wirtschaft von Japan wird wegen der 3 Kernschmelzen nach unten durchgereicht. Aus Dankbarkeit hat der japanische Staat Tepco 43 Mrd. vermacht. Heute wieder eine Explosion.
Die Idiotie dieses Wirtschaftssystems hat alle Lebensbereiche durchdrungen. In der DDR wurden die Arbeiter ab 1970 immer wieder vertröstet, bald ginge es wieder aufwärts. Darüber hat sich das Kapital hier lustig gemacht, um die Staatskapitalisten zu diskreditieren. Nun beschwören die Privatkapitalisten ständig selber seit 2001 den Aufschwung für die Lohnabhängigen und mogeln gar ständig bei allen Statistiken, dabei ist Deutschland seit 2000 bis 2009 gar Lohnminus-Meister, die Löhne gingen in diesem Zeitraum um 4,5% zurück.

Warum entwickelt sich die Weltwirtschaft so katastrophal zurück? Es wurde doch immer betont, dass diese Marktwirtschaft das beste System sei und es ein besseres nicht mehr gebe. Stimmt das?

2. Der Markt

Seit Jahren beobachten wir, dass in der Produktion kein Profit mehr erwirtschaftet wird. Wenn dennoch die großen Konzerne 5% Gewinne ausweisen oder mehr, so ist das ihrem Aktienpaket geschuldet, 90% der Profite kommen aus dem Finanzmarkt. Das sind Rohstoffe von Öl bis Coltan, Teakhölzer, AKW-Geschäfte, fernöstliche Aktien, Hedgefonds, Derivate, CDS, Waffenproduktion und -handel Weißwäsche von Rauschgift und Frauenhandel usw.
Die Nullprofitproduktion ist das Ergebnis des tendenziellen Falles der Profitrate, wie ihn Karl Marx im 3. Band, ab dem 13. Kapitel beschrieben hatte: Die Konzerne rationalisieren ihren Maschinenpark durch und können Arbeiter „freisetzen“. Somit sparen sie mehr ein als die Abschreibung der neuen Maschinen kostet. Sie können nun die Preise senken und somit die Konkurrenz unterbieten.

Das führt erst einmal dazu, dass bei dem Konzern die Rate und der absolute Wert des Profits steigen.
Dies resultiert nicht aus den Maschinen, was die Betriebswirtschaft annimmt, da den Profit aus dieser Maschine ja schon der Vorkapitalist erzielt und einbehalten hat und ohne Maschinenbedienung, mindestens den Knopf zu drücken, funktioniert kein Automat.

Es sei denn, der Konzern kann seinem Lieferanten den Preis diktieren, dann macht er einen Sonderprofit und sein Lieferant einen Sonderverlust, was sich aber in der Addition der nationalen Werte ausgleicht. Das führt zur „Konzentration und Zentralisation“ des Kapitals, der Stärkste überlebt immer.
Die höhere Produktivität resultiert auch nicht aus allen anderen Fremdrechnungen wie Strom, Roh-, Hilfs- und Betriebstoffe, Halbfertigmaterialien, Miete, Verwaltungs- und Vertriebskosten, da hier das gleiche wie bei den Maschinen, ein Vorkapitalist ha schon den Gewinn erzielt.

Damit hat sich aber die Arbeit der Betriebswirtschaft schon erledigt. Verschlanken, Optimieren, Rationalisieren – Fertig!

Bei Marx fängt aber hier die Rechnung erst richtig an. Auch die Praktiker in der Wirtschaft machen gegensätzliche Erfahrungen. Ein Direktor von Bayer Leverkusen drückte seine Frage zur betriebswirtschaftlichen Optimierungsthese so aus: „Ich verstehe das nicht. Wir rationalisieren ständig und dennoch fällt unsere Profitrate laufend?“

Die Geschäftsführung müsste eigentlich wissen, dass bei den Fremdrechnungen die Konkurrenz den gleichen Preis bezahlen muss, also die Quelle des Profites nur die Arbeit sein kann, und die kürzt sie halt weg. Nur der Arbeiter kann für den Direktor einen höheren Gebrauchswert erarbeiten, als er für den Vorstand kostet, nicht die Maschine.
Das ganze Geheimnis der fallenden Profitrate liegt darin, dass nun mal der Konkurrent auch rationalisiert, danach oder sogar gleichzeitig. Und nun setzen sich die von beiden ausgerechneten niedrigeren Kosten als neuer Durchschnittswert durch.

Alle haben jetzt bei den Fremdrechungen oder wie wir Marxisten sagen, dem konstanten Kapital, höhere Kosten aber dafür mehr niedrigere bei den Lohnkosten.

Bliebe das Verhältnis von Mehrwert zu Lohn, die Mehrwert- oder Ausbeutungsrate gleich, dann würde mit dem Lohn auch die Mehrwertrate sinken. Sinn hatte es für beide nur gemacht, dass jeder dachte, sein Betrieb wäre der einzige mit geringeren Kosten und einem höheren Mehrwert. Er konnte somit mit einem etwas geringerem Preis kalkulieren und davon ausgehen, dass er von den Märkten seines Konkurrenten einen Teil erobern konnte.
Aber nachdem er festgestellt hatte, dass sein Konkurrent auch rationalisiert hat, müssen beide den Preis drücken bis knapp über die neuen Kosten. Der Mehrwert sinkt wie der Lohn, aber das vorgeschossene Kapital wird neben den sinkenden Lohn weniger sinken da jetzt auch die teurere Maschine vorgeschossen werden muss. Da nun der Mehrwert  m mehr gesunken ist als das vorgeschossene Kapital (c+v), der Zähler mehr als der Nenner bei m/(c+v), wird das Resultat, die Profitrate p’ auch sinken.

Sehr übersichtlich mit der Beschreibung jeden Schrittes und graphisch habe ich das auf S.14 bis 16 in der Schrift Marxistische Wirtschaftstheorie, leicht gemacht dargestellt.

Den Aktionären gegenüber muss jeder Konzernvorstand aber eine möglichst hohe Dividende ausschütten, sonst gehen diese mit ihrem Kapital zur Konkurrenz oder gar ins Ausland. Dies erreicht er trotz der Tendenz zum Fall der Profitrate, indem er immer produktiver und größer wird und den Lohn kürzt, bzw. weniger ansteigen lässt als die Produktivitätserhöhung.'

Die ständige Produktion von Mehrwert verlangt auch die ständige Ausweitung des Marktes. Dies geschieht mit dem inneren Markt durch Erhöhung der Produktivität, Ausweitung in das Dorf und Ausweitung durch den Export. Immer, wenn es hier zu Stockungen gekommen ist, ergab sich eine Überproduktion von Kapital und in dem Zusammenhang auch von Waren.

Der Kapitalist wollte ja nach Rationalisierungen „von den Märkten seines Konkurrenten einen Teil erobern“ und stellt dann fest, dass sein Konkurrent auch rationalisiert hat. Somit bleibt er bei Stockungen auf seiner Ware sitzen und es kommt dann zu Überproduktionen und z.B. 1986 zu Butterverschenkaktionen an Arbeitslose oder 2010 zu Abwrackprämien.

„Wodurch überwindet die Bourgeoisie die [Überproduktions]-Krisen? Einerseits durch die erzwungene Vernichtung einer Masse von Produktivkräften; anderseits durch die Eroberung neuer Märkte und die gründlichere Ausbeutung alter Märkte."fragen Karl Marx und Karl Marx und Friedrich Engels im „Manifest der Kommunistischen Partei“ (S. 9)

Nach der Eroberung Chinas durch den Privatkapitalismus gibt es keine weiteren kapitalistischen Räume, keine neuen Märkte mehr. Nun muss der Kapitalist von seinem Stanpunkt aus sogar die Reallöhne senken, will er den tendenziellen Fall der Profitrate kompensieren.

In Deutschland ist dies auch nach dem massiven Auftreten Chinas auf dem globalisierten Weltmarkt geschehen. Von 2000 bis 2009 sind die Reallöhne um 4,5% gefallen, soviel wie in keinem anderen Land. Darin war Deutschland Weltmeister. Musste es aber vom kapitalistischen Stanpunkt auch sein. Gerade, weil Deutschland eines der produktivsten Länder ist, der Anteil des Lohnes an der Ware mit am geringsten ist, musste entsprechend der Lohn als Augleich zum höheren konstanten Kapitals, mit am meisten vom geringeren Lohn v gekürzt werden, um eine möglichst hohe Profitrate zu erhalten.

Der Mensch muss ziemlich arm sein, damit die Marktwirtschaft gerade noch funktioniert. Er baut Schlösser und wohnt in Nissenhütten, sagt Marx und, hat sich daran nach 150 Jahren kapitalistischer Entwicklung etwas geändert? Nichts, gut, heute sagen wir, er baut Wolkenkratzer und wohnt wie in Amerika im Zelt oder der Kanalisation oder wie der Tagelöhner in China im Rohbau des Wolkenkraters.

Es gibt mehrere Milliarden Menschen, die keinen sicheren Arbeitsplatz haben und ebenso viele Menschen, die noch ausreichend Bedarf haben und viele, die an Hunger sterben. Aber der Kapitalismus kriegt die Arbeitlosen und Bedürftigen nicht zusammen. Will er auch gar nicht. Für ihn ist es wichtiger, dass die für ihn systemrelevanten Zockerbanken Hunderte von Milliarden in den Arsch geschoben bekommen. Dieses System ist nicht mehr auszuhalten.

Und jetzt kommt auch noch die Grenze des Marktes hinzu, die sich für die Lohnabhängigen erst als Staatsschulden, dann als Kürzungen und zum Schluss als Arbeitslosigkeit und Hyperinflation ausdrückt. Nein, der Kapitalismus entspricht nicht der Natur des Menschen. Erst hatte er gewaltig die Produktivkräfte entwickelt, gut, aber seit den 70er Jahren sind die Reallöhne in Amerika und Europa nicht mehr gestiegen, in Deutschland seit 2000 gar geschrumpft. Jetzt ist es an der Zeit, dass die nächsthöhere Stufe der Wirtschaftsgesellschaften erklommen wird.

Der Plan


Hier gibt es natürlich zu Recht Proteste: „Plangesellschaft? Haben wir alles schon gehabt. Die in der DDR ist doch auch an den Schulden zerbrochen. Danach haben 70.000 Menschen einen gemeinsamen Spaziergang durch Leipzig unternommen, und schon landete eine übermächtige Diktatur auf dem Müllhaufen der Geschichte.“

Genau richtig. Der Ostblock hatte zwar auch geplant, aber nicht den Bedarf der Arbeiter, sondernden Rüstungswettlauf mit dem Westen, einfach weil das Politbüro stellvertretend  für die Arbeiter gedacht hatte. Somit konnte die Parteiführung nicht die Arbeiter des Feindeslandes zur internationalen Solidarität aufrufen, die hätte den Diktaturen was gepfiffen. Nein, Angriffe der Imperialisten hätten die Diktaturen nur mit Panzern und Raketen abwehren können. Zum Schluss betrug der Militärhaushalt 50% vom Etat der UdSSR.

Internationale Solidarität geht nur zwischen den Kollegen, allein deshalb schon muss ein Plan demokratisch festgestellt werden. Wir haben ein Beispiel dafür mit der Roten Armee nach 1917 mit Trotzki in der Armeeleitung. Als nach der Oktoberrevolution 1917, die Räte waren noch frei gewählt, der Arbeiterstaat in Russland von 16 imperialistischen Staaten angegriffen wurde, verweigerten 60.000 französische Matrosen und 36.000 englische Soldaten ihren Dienst. Nur mit deren Verweigerungshaltung konnten die russischen Arbeiter im Bürgerkrieg gewinnen und die "Meuterei" konnte nur durchgeführt werden, weil diese Armeen von Arbeitern durchsetzt waren, die zum Kriegsdienst eingezogen worden sind.

(Das ist übrigens der Grund, weshalb in Deutschland jetzt die Wehrpflicht abgeschafft wurde, damit die Soldaten sich mit den Revolutionären im eigenen und im feindlichen Land nicht solidarisieren.)
Das Wichtigste für einen demokratischen Plan ist natürlich, dass der Bedarf der Kollegen nur von diesen selber, nicht von Stellvertretern festgestellt werden kann. Die Stellvertreter würden immer wieder auf den Rüstungswettlauf kommen und dabei immer unterliegen.

Damit hätten wir schon die wichtigste Bedingung für einen marxistischen Plan: Demokratie, und zwar eine wirkliche, nicht nur eine alle vier Jahre, sondern permanent, das geht in den Betrieben und damit haben wir auch schon die Lösung für die 2. Bedingung, nämlich der Plan muss international sein, er darf keine Ungleichgewichte haben, das heißt weltweit gleicher Lohn für gleiche Arbeit.
Was haben die VW-Kollegen davon, wenn der südafrikanische Kollege nur 5 Euro verdient? Nur Mist, denn dann nimmt ein Dumpingauto seinen Arbeitsplatz weg. Deshalb ist das objektive Interesse der Lohnabhängigen international und deshalb muss das Zentrum dieser Basis-Demokratie in den Betrieben liegen.''

Und wie kommen wir dahin? Ganz einfach. Wir haben heute schon Streikräte in Griechenland und in Ägypten, Helden der Revolution. Diese Streikräte sind heute schon

1. an die Beschlüsse ihrer Basis gebunden
2. jederzeit abwählbar und
3. verdienen sie natürlich nicht mehr als ihre Kollegen.

Sie haben sich national zusammengeschlossen und so, wie sie Preiskontrollen fordern, auch diese als erste staatliche Aufgaben übernehmen. Die spanische „Facebook“-Bewegung wird sich in ganz Europa ausbreiten und die Gewerkschaftsbewegungen, die noch an die sozialdemokratische „Standort-Deutschland“-Theorie gekettet sind, inspirieren. Immerhin liegt in 19 von 27 EU-Staaten die Jugendarbeitslosigkeit bei mehr als 20 Prozent.
In Spanie hat sich die „Yes we Camp“-Bewegung in schon über 50 Städte ausgeweitet. Dabei wird es nur wichtig sein, dass die Jugendlichen nicht vor Ungeduld vorpreschen, bevor die älteren Arbeiter bereit sind. In Ägypten läuft das schon sehr gut, aber da gab es auch keine kleinbürgerlichen ausgebufften Gewerkschaften.

In Paris gab es schon einen Versuch von 3.000 Jugendlichen auf dem „Place de la Bastille“, die „Yes we Camp“-Bewegung zu übertragen. Nur, das geht leider nicht so abstrakt voluntaristisch, es gab in diesem Moment leider gerade keine Oppositionsbewegung in Frankreich.

Die Streikräte werden sich festigen, international nicht nur in Europa und Nordafrika ausbreiten und über die Preiskontrollen hinaus immer mehr staatliche Aufgaben übernehmen, besonders in den Regionen natürlich, in denen  der kapitalistische Staat wie in Griechenland Strukturen verliert und auseinander bricht.

Das wird bis hin zu revolutionären Gerichten gehen. Sollte das jetzt einem empfindlichen Leser zu weit gehen, so muss er heute sich schon entscheiden zwischen den revolutionären Gewerkschaften oder der ägyptischen Militärdiktatur, zwischen dem griechischen Kollegen, der abgekämpft mit 3 Jobs versucht, seine Familie satt zubekommen oder dem deutschen Konzernen, die mit ihrer Dumpinglohnpolitik die griechische Wirtschaft kaputt konkurriert hat und dem Jugendlichen in Europa oder Amerika ohne Zukunft oder den Vorständen der großen Banken.

Alle kapitalistischen Länder sind überschuldet bis geht nicht mehr, so dass Amerika sich als „Weltpolizist“ abmeldet und lassen die Völker mit ihren Existenzängsten allein. Da ist es doch klar, sie müssen jetzt ihre Sache in die eigene Hand nehmen.

Die in diesem Jahrzehnt überall entstehenden Streikräte werden sich umbenennen in Arbeiterräte oder Arbeiter- und Soldatenräte und die Doppelherrschaft derart ausbauen, dass auch andere Arbeiterabteilungen und Schichten mit ihren Delegierten dort dann vertreten sind, z.B. die Hausfrauen und -Männer, die Rentner, Bauern, Ärzte, Rechtsanwälte, kleine Ladenbesitzer usw., wichtig ist nur, wie oben schon erwähnt, dass das Zentrum in den Betrieben bleibt, aber das ist gerade in Europa kein Problem, da hier 85% der Bevölkerung zur Arbeiterklasse und deren Familie zählt.

Das Rätesystem wird wirklich demokratisch sein, denn hier kann jeder jede Woche in Abeilungs-. Betriebsversammlungen oder Verbandstreffen mitdiskutieren und beschließen, die Räte des Betriebes und die Delegierten zum Arbeiterstadtrat sind an die Beschlüsse der Basis gebunden und wenn sie sich nicht daran halten, sind sie jederzeit wieder abwählbar. Sollten neue wichtige Argumente beim Rat zu einer anderen Haltung führen, kann man das ja noch einmal diskutieren und den Kollegen aus dem anderen Betrieb seine Bedenken vortragen lassen.

Der Wirtschaftsplan selber ist viel einfacher als ein Business-Plan in den Konzernen. Jede Hausfrau hat das im Kleinen schon tausendmal durchexerziert. Sie plant, wie viele Gäste kommen am Sonntag? 4 + wir sind 9. Also kauf ich für 9 Personen plus einen mehr ein (Zur Sicherheit), fertig.
Da können die Kollegen übers Internet ihren Bedarf anmelden und so lässt sich die Planproduktion ermitteln und auch auf die Benutzerwünsche eingehen.

Quatsch, denkst Du, dass ist doch nicht so banal. Die Wirtschaft muss alleine in jedem Jahr um 2 bis 3% wachsen, dass muss doch auch eingerechnet werden!

Nein, eben nicht. Das macht eben den größten Unterschied zwischen Markt- und Planwirtschaft.
Wenn eine Maschine, die 20% schneller ist, angeschafft wird aber der Bedarf bliebe z.B. gleich. Dann können wir alle in der Plangesellschaft 10 Minuten früher nach Hause gehen und Kaffee trinken oder länger an der Geige üben, fertig.

Der Kapitalist geht ganz anders vor. Die Maschine muss sich für ihn auch bezahlt machen. Deshalb entlässt er 20% von den Fertigungsarbeitern oder er exportiert 20% mehr. Also hier muss die Wirtschaft ständig wachsen oder es gibt mehr Arbeitslose oder unser Kapitalist muss zum Insolvenzrichter.'

„Nein“, meldet sich der Gewerkschaftsfürst, „es gibt noch eine vierte Möglichkeit, damit sich die Maschine amortisiert, wir verzichten alle auf 20% unserer Löhne.“ So läuft es ja in Deutschland und damit steigt der Export und der Gewinn der Bosse. In unserem Geldbeutel herrscht Ebbe, er wird immer früher leer. Das nennt man das Pferdeäppel-Theorem. Wir geben den Pferden ordentlich zu fressen, und die Spatzen kriegen dann auch ein Bonbon und dürfen dann an den Pferdeäppeln naschen.

Die Gewerkschaftsfürsten vertrösten uns ja immer nach einer Kürzung, dass es danach wieder aufwärts ginge. Die Sozialdemokraten verspielen unser Geld in wenigen Jahren, das wir uns in Jahrzehnten erkämpft haben. 50% der Jugendlichen haben schon einen prekären Arbeitsplatz und können damit keine Familie mehr gründen.
Auch nach den Kürzungen werden die Konzernbosse weiter rationalisieren, weil der globale Markt mit Dumpinglöhnen sie dazu zwingen wird. Die Sozialkürzungen werden also weitergehen, obwohl die Produktivität steigt oder besser gesagt: Gerade weil die Produktivität steigt, wird der Sozialabbau weiter gehen.

Hast Du verstanden? Das ist kapitalistisch. Da gibt’s auch nix zu verstehen. Hauptsache, die Börsenkurse steigen und der Gewinn, denkt der Vorstand. Den Gewinn kriegt er von unseren Steuergeldern über die Bankenfonds bezahlt.

Da wird also wochenlang der Haushalt und über unsere Renten diskutiert, und heimlich wird noch mal das gleiche Geld ohne parlamentarische Kontrolle den Banken hintergeschmissen. Das ist kapitalistische „Demokratie“
Die griechische Wirtschaft machen sie kaputt, indem sie unsere Löhne kürzen, und dann sagen sie, die Griechen hätten nicht ihre Hausaufgaben gemacht. Aber da sind sie an den Falschen geraten.
Die griechischen Kollegen führen heute den 15. Generalstreik seit der Finanzkrise durch, den 3. in diesem Jahr. Die Wut über ihre 3 Jobs, die sie schon machen müssen, um Überleben zu können, wenn sie die Jobs überhaupt noch kriegen, wird sie bald zu einem unbefristeten Streik führen. Das wird die anderen Länder inspirieren, Spanien, Frankreich, Italien, Belgien usw.

Der Vorteil an der globalen ist nämlich auch, dass auch weltweit die Abwehrkämpfe sich entwickeln. Große Unruhen in China, obwohl dort Streiks verboten sind. Kämpfe in Ägypten, freie Gewerkschaften gegründet. Die USA kann nicht mehr den Weltpolizist spielen, ihre Kasse ist einfach leer. Die Länder werden immer weniger kontrolliert, China würde noch einige Zeitbenötigen, um die Weltherrschaft zu errichten, und die geknechteten Massen lösen sich langsam von ihren Ketten.

Große Umbrüche bahnen sich noch in diesem Jahrzehnt an. Die dramatischen Entwicklungen lassen dann Doppelherrschaften von basiskontrollierten Räten der Arbeiterklasse zu den repräsentativen bürgerlichen Demokratien vermuten. Jedenfalls werden die Massen sich diese starken Entwürdigungen nicht mehr lange hinnehmen. Im nächsten Jahrzehnt werden die Räte dann die bürgerlichen Scheindemokraten dann zum Teufel jagen. Die kriegen doch außer Schulden, Verelendung und Wirtschaftszusammenbrüche nichts mehr auf die Reihe.
Wir erleben gerade den Anfang vom Ende der Klassengesellschaften. Die Helden der Arbeit erwachen.

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