Kapitalismus ohne Wachstum, geht das?
Ob Schneeballsystem oder Multi-Level-Marketing, alles Betrug!

Norbert Nelte - 13.08.2012 - ökonomieche Theorie

In den Vereinigten Staaten, Japan und Europa kam das Wachstum zum Stillstand und ging meist schon in eine Rezession über. In vielen Diskussionsrunden und Medien wird diese Tatsache festgestellt und viele fragen sich Wachstum, brauchen wir das überhaupt? Ich brauch das nicht.

Diese Frage  wird in diesem Jahr wieder interessant, da die Wirtschaft wieder wie 2009 in den Keller sausen wird. Im Juni fiel die Industrieproduktion um 0,9 Prozent gegenüber dem Vormonat und alles deutet daraufhin, dass das so weiter gehen wird. In der Wirtschaftswoche ist am 4.8. zu lesen:

„Angesichts der sich abzeichnenden Eintrübung der Konjunktur erwarten die Unternehmensberatung Roland Berger und die auf Restrukturierungen spezialisierte Beratung AlixPartners eine Zunahme der Unternehmensinsolvenzen. "Fünf bis zehn Prozent der deutschen Unternehmen stehen auf der Kippe", sagte Max Falckenberg, Partner bei Roland Berger in München, der WirtschaftsWoche.“

Das wäre dann der 2. Crash nach der Subprimemarktkrise mit der Lehman-Pleite, der dieses Mal von der Euroschuldenkrise verursacht wurde. Beides Mal haben die Banken diesen Schlamassel veranstaltet, aber sie werden von  der Mehrheit der Berufspolitiker nicht zur Rechenschaft gezogen werden, da das Kapital diese Schlachtprämien zur Verzinsung des seit 200 Jahren angehäuften horrenden Vermögens benötigt, die Gewinne in der Produktion  bleiben angesichts der fast auf Null gefallenden Profitrate aus. 90% der Konzerngewinne werden daher inzwischen mit Aktienpaketen, genannten Portfolios, im Rohstoff- und Finanzmarkt erwirtschaftet. Die Linke ist die einzige Partei, die auf die Bankenzockerei hinweist, aber sie sehen nicht die Zusammenhänge zum gesamten Kapital und dessen Probleme der Marktgrenze, der Profitrate nahe Null und der maximalen Kapitalzusammen-setzung, sonst würden sie sehen, dass es eine Lösung gar nicht mehr gibt. Nun kommen wieder die Auftragsjour-nalisten wie die Sloterdijkes ins Rampenlicht und beruhigen die Bevölkerung, ach, wir brauchen ja gar kein Wachstum und da die Mehrheit keinerlei Erklärung für das Finanz-Drama haben, glauben sie solchen Mist, sie haben ja selber seit 1980 keinen Aufschwung, seit 2001 gar einen Abschwung und retten sich über die Runden.

Aber die kapitalistische Marktwirtschaft wird ohne Aufschwung im Chaos enden wie ein Schneeballsystem. Die Marktwirtschaft mit der Konkurrenz ist abhängig von einem Wachstum. Die Konkurrenten versuchen sich ständig gegenseitig abzudrängen, indem sie rationellere und teurere Maschinen anschaffen und damit den Anteil der Arbeiter zurückdrängen. Diese kann das Untenehmen nur behalten, wenn der Umsatz entsprechend wächst.

Der IWF sieht deshalb ein BIP-Wachstum von 3,3% auch als Stillstand, erst darüber hinaus wird als Aufschwung gesehen und darunter als Niedergang. So gesehen befindet sich Deutschland ab den 70er Jahren schon im Niedergang und in der Tat fing damals schon de Massenarbeitslosigkeit mit über 1 Millionen an. Die Statistik wird heute nur geschönt, indem man die Bedarfsgemeinschaften und die Teilnehmer an Maßnahmen usw. nicht mehr dazu zählt. Nach der alten Zählweise hätten wir heute schon mehr als 6 Millionen Arbeitslose beziehungsweise. 15%.
Über China z.B. sagt der Harvard-Professor Kenneth Rogoff, der Immobilienmark sei mit 60 Millionen leer stehenden Wohnungen vollkommen überhitzt wie ein Ponzi-Schema und vergleicht den ständig weiterbauenden Staat mit dem Film „Speed“ (8:18). Hier muss ein Auto mindestens 50/km fahren, andernfalls geht eine Bombe hoch. Also, in China drohen mit den leer stehenden Wohnungen die Wohnungspreise plötzlich zu fallen und damit sind die Schulden der Käufer nicht mehr gedeckt und es kommt zu einer Zwangsversteigerung. Andererseits muss der Staat immer weiter bauen, damit die Käufer weiter Wohnungen kaufen, um die Deckungssumme zu erhöhen.

Das erinnert uns an den Baulöwen Jürgen Schneider. 1981 „kaufte er einen heruntergekommenen Gründerzeit-Bau in Baden-Baden. Da er nicht über die nötigen finanziellen Mittel verfügte, lieh er sich das Geld von der Bank. Allerdings war ihm schnell bewusst, dass die vorgeschriebene Kredithöhe von 60 Prozent der Kaufsumme und Baukosten nicht für seine Zwecke ausreichen würde. Also versuchte er, durch einfaches Anhebung der angenommenen Miethöhe und der errechneten Mietfläche, mehr Geld von der Bank zu bekommen als das Objekt eigentlich wert war. So errechnete er für die Sanierung und den Kauf der Immobilie zunächst einen Bedarf von 25 Millionen Mark, veränderte die Daten dann so, dass das Projekt auf 42 Millionen Mark geschätzt wurde und bekam anhand seiner korrigierten Planungen schließlich von der Deutschen Bank einen Hypothekenkredit über 28 Millionen ausbezahlt. Zu keiner Zeit war dabei seine Bedarfsrechnung angezweifelt worden. Nachdem der Bau erfolgreich abgeschlossen war, hatte Schneider damit über 2 Millionen Mark übrig und aus den Erfahrungen mit den Finanzinstituten gelernt.“ Und so baute er weiter und schnorrte die Banken an, bis er im Gefängnis landete.

In China nur werden die Wohnungen legal überhöht geschätzt, weil das erst einmal der Wille des Staates und der Banken ist, obwohl sie doch in einer Gegend ohne Arbeitsplätze stehen und auch die Arbeiter sie sich die gar nicht leisten könnten (Geisterstadt). Inzwischen sind in 14 Städten die Wohnungspreise gesunken und damit auch die Deckungssumme.

Egal ob die Immobilien in China oder der Baulöwe Jürgen Schneider, beides spiegelt perfekt ein Schneeballsystem oder Herzkreis wider, und das ist normal  privat verboten.

„Neue Teilnehmer müssen eine Beitrittsgebühr an denjenigen zahlen, der sie für den Herzkreis geworben hat. Diesen Betrag behält der Werber zu einem je nach Modell unterschiedlichen Anteil. Oft erhält auch derjenige, der den Werber geworben hat ("Werber der 2. Stufe") einen zusätzlichen Anteil. Die neuen Teilnehmer beginnen jetzt ihrerseits neue Mitglieder zu werben. Wenn sie eine ausreichende Zahl neuer Teilnehmer geworben haben, amortisiert sich ihr eigener Mitgliedschaftsbeitrag, und sie machen Gewinn. Ein frühes Beispiel in Deutschland war die 1746 gegründete Dukatensozietät.

Der Kollaps erfolgt zwangsläufig, da die Gesamteinlage bzw. die Zahl der Teilnehmer exponentiell wachsen müsste, was in einer Welt begrenzter Ressourcen auf Dauer nicht möglich ist. Muss ein neuer Teilnehmer 2 Mitglieder werben, werden es in der 2. Stufe 4, in der 3. Stufe 8, in der 4. Stufe 16 usw.. In der 10. Stufe sind es bereits über 1000, in der 20. über eine Million.“ (Wikipedia) und weiter

„Schwierigkeiten bereitet oft die Abgrenzung von illegalen Schneeballsystemen zu legalem Strukturvertrieb oder Multi-Level-Marketing. Der Übergang ist fließend und teilweise nicht alleine von der Ausgestaltung der Regeln, sondern auch deren faktischer Umsetzung abhängig. Grundfrage für die Abgrenzung ist: Würde der Kunde das angebotene Produkt erwerben, selbst wenn er keine Provision für die Vermittlung von Neukunden erhielte?“

Der ganze Kapitalismus ist ein Schneeballsystem und abhängig von der ständigen Ausweitung, nur wenn das im Rahmen eines Business bzw. Marketing stattfindet, ist es legal, aber Der Übergang ist fließend. Egal ob windige Derivate an nichts ahnungslose Rentner, Schnaps an Indianer oder Kindern überflüssige Barbie-Puppen aufgeschwätzt werden, handelt es sich vom revolutionären Standpunkt um ein Verbrechen.

Damit auf alle Fälle der Absatz trotz der Rationalisierung ausgeweitet werden kann, wird der Arbeiterklasse alles Mögliche überflüssiges Zeug angedreht. Dazu werden auch in die Waren bewusst zerstörende Elemente eingebaut. Nur damit der Umsatz rollt.

In einer Feuerwache in New York brennt heute noch eine Glühbirne von 1897. Ab 1924 haben die Konzerne im Phoebuskartell http://de.wikipedia.org/wiki/Gl%C3%BChbirnenkartell (Generell Electric, Tungsram, Philips, Osram und Elin/AEG)  die Glühbirnen derart produziert, dass sie nach 1.000 Brennstunden kaputt gingen. Das wurde vom Kartell streng kontrolliert. 1942 wurde GE zwar verurteilt, die Verkürzung der Lebenszeit einzustellen, aber bevor das Verbot jetzt endgültig durchgesetzt wurde, haben die Konzerne den Bürokraten in Brüssel den Ersatz der Glühbirne mit der Energiesparlampe ins Gesetzbuch reindiktiert. Jetzt kommt zur Kurzlebigkeit noch das giftige Quecksilber. Was tut man nicht alles für das Bruttoinlandsprodukt. Es muss brummen.

Die Geplante Obsoleszenz gibt es bei allen Waren, bei den Waschmaschinen, Autos, Fernseher, Computer, Elektrosägen, Rasierer usw. Apple hat sogar seine Fans beglückt mit einem Handcomputer, der alle 1-2 Jahre eine Batterie benötigt, die man nicht austauschen kann. Ja Leute, Ex und Hopp ist die Devise der „sozialen Marktwirtschaft“.
Ja Leute kauft, kauft, sonst wirst Du arbeitslos. Den Kapitalismus, dieses vollkommen durchgeknallte System, wird  es nicht mehr lange geben, er liegt in den letzten Zügen.

Die Kollegen in der Griechenland, Spanien, Frankreich, Argentinien, Ägypten, Vietnam, Mexiko, usw. haben mit Betrieben ohne Boss und konsequenter Gewerkschaftsarbeit schon angefangen, sich auf eine neue Welt vorzubereiten mit einer nachhaltigen Produktion. Solidarität mit den Betrieben in Selbstverwaltung. Schließ Dich an. Lies die Linke Zeitung.

Norbert Nelte
nc-nelteno@netcologne.de
Internationale Sozialisten

Home

besucherzaehler-counter.de