Das ganz große Spiel
Der Finanzmarkt oder das Paralleluniversum.

heNorbert Nelte - 09.08.10 - ökonomische Theorie

Mit der Immobilienkrise 2007/8 hat sich den Lohnabhängigen ein unglaublich großer Finanzmarkt gezeigt, der um ein Vielfaches den realen Markt übersteigt und diesen auch total kontrolliert. In den 70er Jahren, in Deutschland seit 1982, konnte das Kapital immer seltener lukrative Anlagemöglichkeiten finden, um die von den lohnabhängigen abgepressten Gewinne wieder zu kapitalisieren. Es wurde verstärkt in die Produkte des Finanzmarktes investiert, denn diese versprachen lukrative Renditen im Gegensatz zu den immer dürftigeren Profitraten aus dem produktiven Sektor.

Außerdem hatten die Gewinne aus den Wettgeschäften einen Riesen Vorteil, es brauchten erstens keine Steuern gezahlt werden und zweitens wurden die horrenden Verluste von den Staaten übernommen, die dies Geld bei den Lohnabhängigen und noch ärmeren einsparten. Wir sprechen hier bicht von dem herkömmlichen Finanzmarkt mit Sparbuch, Girokonto, Kreditvertrag oder Bausparkasse, der macht in den vereinigten Staaten ca. 10% von deren BIP aus. Nein, wir sprechen hier von dem Finanzmarkt, der in der Regel nur von den Banken und Versicherungen bedient wird.

Bei den Finanzprodukten handelt es sich in erster Linie um die Gegenversicherungen, bei denen Banken und Versicherungen sich gegenseitig  „versichern“, den „Credit Default Swaps“ (CDS), um Derivate (Wetten als Termingeschäfte), Leerverkäufe und der Weiterverkauf von Krediten in ganzen Blöcken. Über diesen Markt existieren keine Statistiken, keine Steuerlisten, keine offiziellen Erhebungen, nichts. Die Finanzgeschäfte können sich seit der Globalisierung, bei uns in Deutschland mit dem Genscherputsch 1982 frei „von staatlichen Rahmenbedingungen, festen Wechselkursen und Handelsverträgen“ über den Globus bewegen. Hauptsächlich dadurch, aber auch durch die Container und das Internet wurde die „Globalisierung“ erst ausgelöst.

Von Zeit zu Zeit, wenn die Übermacht dieses Finanzbereichs wieder zutage tritt, murmeln die Politiker so was wie, das sind die Schuldigen an der Finanzkrise, die auch an deren Lösung sich beteiligen müssen, fordern dann aber nur 0,2% von deren Gewinnen. Im Gegensatz dazu wird aber das Einkommen aus der Realwirtschaft mit 49% besteuert. Wenn dann aber Gras über die Krise gewachsen ist, wird das Thema der Finanzgewinnbesteuerung schnellstens wieder begraben. Offizielle Zahlen dazu wollen die Regierungen, die Handelsbeauftragten des Finanzkapitalisten nicht preisgeben.

Deshalb sind die Zahlen über die Finanzwirtschaft nur grob geschätzt, das reicht von dem Zehn- (Allein nur Derivate, Welt) bis Siebzigfachem (Le Monde diplomatique, taz-Magazin, Atlas Globalisierung, S. 47). Die Realwirtschaft und der Finanzmarkt lassen sich auch nicht direkt vergleichen, da unterschiedliche Umlaufgeschwindigkeiten, -häufigkeiten zu Grunde liegen. Die Gegenversicherungen sind manchmal schon in einem Tag fällig und ein Auto braucht bis zu Kundenauslieferung 10 Tage. Außerdem wird nicht die Frage nach einem besonderen Geldvermögen gestellt. Es entgeht auch unserer Kenntnis, wie weit die Finanzgewinne in die reale Bilanz einfließen, wahrscheinlich weniger, eher werden es die Verluste sein. Ein normaler bargeldloser Kreditvertrag fließt in die Geldmenge M3 ein. Was aber ist mit einer Gegenversicherung nur zwischen den Banken ohne Versicherung? Erhöht das vielleicht die virtuelle Geldmenge im Paralleluniversum?

Aber der Vergleich wird schon klarer, wenn man sich den Geldabzug aus der realen Welt in den Finanzmarkt vergegenwärtigt.

Zuerst sind da die Opfer der Lehmann-Pleite zu nennen. Aber auch hier fehlen leider Zahlen, da nur die mit ca. 7,6 Milliarden entschädigt wurden, die bei deutschen Lehmann-Filiale Zertifikate kauften. Der größte Teil aber der Lehman Geschädigten sind die, die amerikanische „verbriefte und versiegelte“ Papiere gekauft haben. Die gingen leider leer aus und wurden verbrieft enteignet. Darüber existieren nun mal keine Zahlen.

Klarer wird das schon bei den Staatsunterstützungen der Banken. Alleine Deutschland hat ein Hilfsfond für die Zocker über 480.000.000.000 Euro aufgelegt. Vorher hatten schon viele Banken reichliche Milliarden erhalten. Die Bayern-LB, Nord und West-LB, die Sachsen-LB und LBBW, die IKB, HRE (200), Commerzbank und Postbank und noch viele andere, auch mit der Griechenland-Hilfe über 129 Milliarden konnten die Forderungen der Banken beglichen werden, besonders an die Deutsche Bank.

Allein die deutschen Banken haben um eine Billion zum Weiterzocken bekommen. Dabei fällt hier besonders auf, dass allein der Schätzbetrag vom Finanzbedarf das Dreifache des Bundeshaushaltes betrug. Bei ihm wird um jeden Cent im Bundestag gefeilscht, aber das Finanzbudget bleibt geheim und Abermilliarden werden im Dunklen den Banken hinterher geworfen, keine Aufstellungen gibt es dazu, sondern nur Buchungstricks.

. Eigentlich zeigt die Geheimhaltung schon, dass die Politiker uns Abzocken und alleine die Bankenrettung und die Geheimhaltung der Verteilung des Banken-Bailouts würde eine Revolution rechtfertigen. Von Brüssel gab es auch noch einmal 850 Milliarden Garantien und die Eurozentralbank kauft nun die toxischen Wettscheine auf. Es dürfte aber trotzdem noch weitergehen. In Amerika hat sich das schon gezeigt.

Dort hat der Haushalt 2010 über 3,5 Billionen Dollar ein Defizit über 1,75 Billionen Dollar, also glatt 50% vom Etat, 12,3% vom BIP, in Brüssel wären 3% erlaubt. Der Focus schreibt: “Der Haushalt enthält zusätzlich 250 Milliarden Dollar für die Finanzbranche, als Ergänzung zu dem bereits vom Kongress genehmigten Rettungspaket von 700 Milliarden Dollar. Aus Kreisen des Weißen Hauses hieß es, die Regierung halte es für klug, angesichts der Wirtschaftskrise weitere Ressourcen zu beantragen“

Die Neuverschuldung von 50% vom Haushalt übersteigt natürlich enorm die deutsche Planneuverschuldung von 25% vom Haushalt. Die ausgewiesene Gesamtsumme von 3,7 Billionen Dollar (106% vom Haushalt 2010) mutet sich dagegen im Gegensatz zu den deutschen geschätzten Bailouts mit 300% von 320 Milliarden Euro Ausgaben wie Peanuts an. Aber halt, hier gibt es sogar von dem Sonderbeauftragten Neil Barofsky (LeMondediplomatique, S 50) der US-Regierung für den Bankenrettungsplan TARP eine genauere Zahl, nämlich 23,7 Billionen. Nun unterhalten wir uns schon über Summen, die ohne eine Hyperinflation niemals zurückgezahlt werden. Es wurde ja nicht die gesamte Geschäftstätigkeit des gesamten Finanzbereichs bezahlt, sondern nur die Verluste der Banken und Versicherungen.

Jetzt ist es aber Schluss, sagst Du? Nein, nein, jetzt fängt es erst richtig an. Das Vermögen des Paralleluniversums wächst ja Dank der erpressten Hilfe des Steuerzahlers weiter an und entsprechend höher werden die Bailouts werden müssen, da musst Du schon Doppelschichten fahren. Die Krise ist vorbei, denken Sie?“ schreibt der Kolumnist der Financial Times Deutschland, „Weit gefehlt. Damit sie zu Ende geht, müssten sich die US-Häuserpreise stabilisieren. Das Gegenteil ist der Fall. Der Double Dip steht vor der Tür“.

Der Hypothekenfinanzierer Fannie Mae klopft wieder erst einmal zaghaft an und bittet um 1,5 Milliarden Dollar, na ja, das wird kein Double Dip, eher ein Dip without ein Ende, es sei denn, wir alle werden denen ein Ende setzen.
Wahrscheinlich wird dieses Ende sehr bald kommen. Die reale Arbeitslosenzahl in Amerika beträgt schon 22%, jeder 5. dort hungert und die USA wird wahrscheinlich noch in diesem Jahr Bankrott gehen. Die größte chinesische Ratingagentur stufte die US-Papiere auf nicht mehr rückzahlbar ein ”Guan Jianzhong, chairman of Dagong Global Credit Rating, told the Financial Times in an interview. “China is the biggest creditor nation in the world and with the rise and national rejuvenation of China we should have our say in how the credit risks of states are judged.” Arizona ist lt. Financial Times Deutschland jetzt schon pleite und der Gouverneur kündigt an, dass er ab September nicht mehr zahlen kann.

„Der Korrespondent des britischen Observers in Athen berichtet, die griechischen Sicherheitsverantwortlichen fürchten eine Terrorwelle, weil das Sparprogramm der Regierung, Streiks, Proteste, Gewalt und sogar Morde auslöst. Der Staat könnte von gewaltbereiten Gruppen bedroht sein und dadurch in eine “Kriegszone” sich verwandeln.“ All das läuft jetzt ab, überall auf der Welt, und Du wirst an den Fakten nichts mehr ändern können.
Du wirst noch lediglich entscheiden können, ob diese gewaltbereiten Gruppen revolutionäre konstruktive Arbeitermassen oder mordshungrige Plünderer sind, bist Du für Sozialismus oder Barbarei, eine dritte Lösung gibt’s jetzt erst recht nicht mehr, hat es noch nie gegeben.

Norbert Nelte
Internationale Sozialisten

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