Wie wir die Nazis bekämpfen!


Norbert Nelte - 19.06.2006 - Rassismus

Angesichts der Antiislamkonferenz von Pro-Köln am 20.9.08, zu der die als Krawatten-Nazis getarnten Stiefel-Nazis europaweit einladen, eröffnen wir die Diskussion, wie wir die Nazis bekämpfen! Dazu veröffentlichen wir hier einen Auszug aus der Broschüre „Stoppt die Nazis“, wie am 17.6.78 in Frankfurt der Vormarsch der Naziz gestoppt werden konnte:

1975 fand der weltweite Wirtschaftsaufschwung sein Ende und es gab die erste Massenarbeitslosigkeit mit über 1 Millionen Arbeitslosen. Die Nazis sahen wieder ihre Chance kommen und tönten 1977, die linke Hochburg Frankfurt zu ersten braunen Stadt Deutschlands machen zu wollen.

Noch im gleichen Jahr konnten sie am Tag der deutschen Einheit, am 17. Juni, mit 6.000 Demonstranten, Fahnenmeeren, Trommeln und Fanfaren ihre Drohung in die Tat umsetzen. Nur die kleine SAG mit ein paar Händen voll Mitglieder mobilisierte bundesweit gegen die Nazis, so, daß insgesamt 300 Antifaschisten den Naziaufmarsch fassungslos passieren lassen mußten.

Die Nazis konnten in Frankfurt für einen Tag die Straßen erobern. Die linke Bewegung war schon soweit paralysiert, daß sie nicht mehr schnell bundesweit organisiert reagieren konnte.

Am 17. Juni 1978 wollte die NPD ihren Erfolg wiederholen. Nur diesmal schlief die Linke nicht. Über die Uni-ASTA's wurde rechtzeitig die Antifa zusammengetrommelt, so daß überraschend an die 10.000 Antifaschisten den Marsch verhindern wollten. Sie besetzten kurzerhand den Römer in Frankfurt, den Kundgebungsplatz der Nazis.



17. Juni 1978: Schlacht um den Frankfurter Römerberg


Nun prügelte die Polizei den Platz für die Nazis frei und die Antifaschisten vom Platz. Der maoistische "Kommunistische Bund Westdeutschland" schaute arbeiterliedersingend zu, wie wir Sozialisten und die Anarchisten die Absperrgitter abrissen und von den Einsatzkräften verprügelt wurden (De meisten Mao-Stalinisten spielten, obwohl sie 90% der organisierten Linksradikalen ausmachten, beim antifaschistischen Kampf eine untergeordnete Rolle).

Die Folge der gewalttätigen Platzräumung durch die Polizei war, daß die Antifaschisten ihre Wut in der ganzen City ausließen. "Straßenschlachten in der Innenstadt" und "Chaoten verwüsten die City" titelten die bürgerlichen Zeitungen. Die Polizei mußte selber die NPD-Rednertribüne auf dem Römer abreißen und die angereisten 4.000 Nazis wurden wieder zum Anreiseplatz zurückbeordert.

Sie konnten ihren Erfolg von 1977 dank der militanten Entschlossenheit der Antifa nicht wiederholen. In der Nähe demonstrierte die stalinistisch-reformistische DKP zusammen mit der Gewerkschaftsjugend mit 3.000 Leuten friedlich auf dem Paulsplatz. Sie schrieb den Erfolg sich selber gut:

»Daß er [der Oberbürgermeister] der NPD zwei Stunden später dennoch den Marsch in die Innenstadt und auf den Römerberg verbot, lag an der Wachsamkeit der 3.000 auf dem Paulsplatz, an ihrer Bereitschaft, sich den Nazis in den Weg zu stellen.«

Die Wahrheit war aber die, daß der Gewerkschaftsjugend und der DKP die eigenen Leute davonliefen. Reinhard Junge beschreibt das selber:

»Auf dem Paulsplatz jedenfalls entstand zunächst eine richtige Euphorie: Mensch, jetzt stehen ja doch 4.000 Mann auf dem Römerberg! Da kommen die Nazis nun doch nicht durch! Und viele von uns liefen hinüber um zu gucken, was es dort gab.« (Reinhard  Junge: "Menschenjagd in Frankfurt", in Pomorin/Junge: "Die Neonazis", Dortmund 1978, S.120/119)

Die Justiz wollte bis zum Schluß den Nazis den Weg frei machen. Erst als sie auf Grund der Entschlossenheit der Gegendemonstranten keinen ordentlichen Ablauf mehr möglich sah, wurden die Nazis zurückgeschickt. Da fragt sich nur, wer war die Avantgarde, die DKP oder die Linksradikalen?

In der Folge konnten die Nazis fast überall in Deutschland keine Veranstaltungen mehr ungehindert durchführen. 1980 sollte es für sie noch schlimmer kommen. Trotz der Vorfälle 1979 erlaubte der Frankfurter CDU-Oberbürgermeister Wallmann die NPD-Kundgebung. Diesmal mobilisierten aber sogar die Grünen und die Jungsozialisten schon weit im Vorfeld. Der Plan vom Bürgermeister und den Nazis war dann, daß sie südlich des Mains und wir Linken nördlich demonstrieren sollten. Nur, am 17. Juni war die Stadt voll mit Demonstranten. 50.000 bevölkerten alle Straßen. Eine große Minderheit drohte entschlossen, auch  über den Main zum Süden zu marschieren.

Voller Schreck ließ die Staatsanwaltschaft die Nazis schon 100 km vor Frankfurt stoppen und schickte sie zurück. Die 50.000 Antifaschisten feierten ihren Erfolg bei einem "Rock gegen Rechts"-Konzert, und sie beherrschten die Stadt.

Die NPD versuchte noch eine Woche später in Darmstadt ihre Kundgebung nachzuholen, doch es kam nur noch ein Häuflein von 10 Ewiggestrigen, die im Tomatenhagel von 200-300 Antifaschisten kläglich untergingen.
Nicht die "Totschweige"-Taktik oder die "Nur-Aufklärung", der parlamentarische Weg oder das liberale bzw. radikalliberale Recht auf "Redefreiheit" für die Nazis verbunden mit dem Aufzeigen eigener "Stärken" kann die Nazis stoppen. Die Lehren von "Rock gegen Rechts" (RgR) Ende der 70er war die, daß nur mit der Massenmobilisierung im Bündnis die Nazis wieder in die Isolierung geschickt wurden.


17. Juni 1979: 50.000 beim Rock gegen Rechts


Die militanten Nazis organisierten sich um Michael Kühnen in der ANS (Aktionseinheit nationaler Sozialisten) und um Friedhelm Busse in der VSBD (Volkssozialistische Bewegung Deutschlands). Sie vertraten mehr die Strasser-Linie der SA, die sich gegen das fremde Monopolkapital stellte. Die NPD und später die Republikaner bedienten sich dieser Gruppen und werden sich sicher, wenn sie an der Macht sind, wie Hitler die SA, ihrer mit Mord entledigen.

Diese Nazis versuchten in der Folge immer wieder, kleine Veranstaltungen durchzuführen. Die "RgR"-Kampagne hat aber die Linke so stark gemacht, daß sie jeden Versuch im Keim ersticken konnte und die Handvoll Nazis immer nur mit der Hilfe der bürgerlich-liberalen Polizei ihre braune Brühe unter die Leute bringen konnte, was ihre Schwäche zeigte und sie sich nicht ausweiten konnten.

Schließen wollen wir diesmal mit einem wahren Wort des Todfeindes der Arbeiterklasse Adolf Hitler, 1934
»Nur eines hätte unsere Bewegung stoppen können- wenn unsere Gegner ihr Prinzip verstanden hätten und vom ersten Tag an den Kern unserer neuen Bewegung mit aller Brutalität zerschlagen hätten«.

Norbert Nelte
Internationale Sozialisten

 

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