Von der Vorgeschichte zur Geschichte der Menschheit.

Norbert Nelte - 14.06.09 - Philossophie

Nun wird es immer deutlicher, dass die Marktwirtschaft ihrem Ende zusteuert. Auch, wenn alle wesentlichen Staaten massiv zusammengebrochen sind, glauben die unermüdlichen Kapitalismus-Gläubigen noch immer, dass letztlich die Produktion auch wieder seine eigenen Käufer schafft. Hier liegt aber ein grundlegender Irrtum vor.

Der Arbeiter als Produzent der Ware erhält von seiner Wertschöpfung nur den Anteil abzüglich des Profits, das sind derzeit nur 2/3 der Wertschöpfung. Nur der Arbeiter würde aber auch seinen Lohn wieder konsumieren. Der Kapitalist aber, der das restliche rund 1/3 sich abpresst, wird außer dem eigenen Konsum, der revenue, das nur wieder in Investitionswaren kapitalisieren, wenn mit einem aussichtreichen profitablen Absatz zu rechnen ist. Damit ist heute aber weltweit nicht mehr zu rechnen. Auch nicht mit einem neuen Massenprodukt, dass der Arbeiter mit Schulden kaufen könnte. Außerdem ist die durchschnittliche Rendite nahe Null und die Grenze des Marktes erreicht, oder, um es mit Marx’ Worten auszudrücken, der Weltmarkt hat sich fasst endgültig zusammenzogen. (Vgl. Lohnarbeit und Kapital, Seite 107)

Für den einzelnen Lohnabhängigen werden die Tage der Umwälzungen großartige Feiertage bedeuten. Wir wollen beleuchten, was sie historisch für die gesamte Menschheitsentwicklung darstellen.

Der Mensch hat sich als homo erectus vor 2,5 Millionen Jahren aus dem Vormenschen entwickelt. Bei seiner Entwicklung waren die freiwerdenden Hände ausschlaggebend. Mit ihnen konnte er gestalten und versuchte, zu begreifen, was er mit ihnen gestaltete, er arbeitete. Für sein Buch, Anteil der Arbeit an der Menschwerdung des Affen von Friedrich Engels war das auch ausschlaggebend. Diese Feststellung ist für heute wichtig, denn sie besagt, dass niemand freiwillig auf der faulen Haut liegt, denn dann fühlt man sich nicht als Mensch. Wenn jemand nicht arbeiten kann, dann hat das System ihn krank gemacht oder andere vom System kranke Menschen.

In den ersten 2,5 Millionen Jahren der Menschheit konnte noch kein Mehrprodukt erarbeitet werden und es konnte sich auch keine Klasse bilden, die dieses sich angeeignet hätte. Man lebte in totaler Abhängigkeit von dem, was die Natur anbot. Der Familienverband, Clan oder Gens, wie Engels ihn nannte, führte regelmäßig Clanversammlungen durch, bei denen alle Stammesmitglieder gleiche Rechte hatten. Die Urgesellschaften konnten frei von Repressionen im Sinne von Klassenunterdrückung aufgebaut werden, wie Engels dies über die Irokesen in "Ursprung der Familie..." beschreibt:

»Und es ist eine wunderbare Verfassung in all ihrer Kindlichkeit und Einfachheit, diese Gentilverfassung! Ohne Soldaten, Gendarmen und Polizisten, ohne Adel, Könige, Statthalter, Präfekten oder Richter, ohne Gefängnisse, ohne Prozesse geht alles seinen geregelten Gang. Allen Zank und Streit entscheidet die Gesamtheit derer, die es angeht, die Gens oder der Stamm, oder die einzelnen Gentes unter sich - nur als äußerstes, selten angewandtes Mittel droht die Blutrache...«
(Friedrich Engels: "Der Ursprung der Familie, des Privatreigentums und des Staates", MEW, Berlin 1962, Band 21, S. 95)

Eurst der Homo Erectus verfügte vor 2,5 Millionen Jahren über Ansätze eines Sprachapparates, die dann den modernen Menschen vor 150.000 Jahren in Südafrika befähigten, komplizierte Sätze zu bilden. Nun erst war der Schritt zu demokratischen Strukturen in der Stammesgesellschaft geebnet.


Engels zitiert das Beispiel einer harmonischen demokratischen Gesellschaft des Frühmenschenforschers Lewis H. Morgan.

»Alle Mitglieder einer irokesischen Gens waren persönlich frei und verpflichtet, einer des anderen Freiheit zu schützen; sie waren einander gleich in Befugnissen und persönlichen Rechten, denn weder Sachems noch Häuptlinge beanspruchten iregendwelchen Vorrang, und sie waren eine durch Blutbande verknüpfte Bruderschaft. Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit, obwohl nie formuliert, waren die Grundprinzipien der Gens. Diese Tatsachen sind wesentlich, weil die Gens die Einheit eines ganzen gesellschaftlichen Systems war, die Grundlage, auf welcher die Indianergesellschaft organisiert war. Ein aus solchen Einheiten zusammengefügter Bau musste notwendig die Merkmale ihres Charakters zeigen, denn wie die Einheiten, so das aus ihnen zusammengesetzte Ganze. Dies erklärt hinlänglich den Unabhängigkeitssinn und die persönliche Würde des Auftretens, die allgemein als Attribute des Indianercharakters anerkannt sind.«

(Lewis H. Morgan: "Die Urgesellschaft. Untersuchungen über den Fortschritt der Menschheit aus der Wildnis durch die Barbarei zur Zivilisation-2, Stuttgart 1908, S. 73, nach Fiedrich Engels)

Nicht nur bei den Irokesen wurde diese urkommunistische demokratische Gesellschaft beobachtet. Rosa Luxemburg fasst die verschiedenen Beobachtungen zusammen:

»Nachdem man den Agrarkommunismus erst als eine germanische Volkseigentümlichkeit, dann als eine slawische, indische, arabisch-kabylische, altmexikanische, als den Wunderstaat der peruanischen Inkas und in noch vielen anderen "spezifischen" Völkertypen in allen Weltteilen entdeckt hatte, drängte sich von selbst der Schluss auf, dass dieser Dorfkommunismus überhaupt keine "Volkseigentümlichkeit" irgendeiner Rasse oder eines Weltteiles sei, sondern die allgemeine typische Form der menschlichen Gesellschaft auf einer bestimmten Höhe der Kulturentwicklung.«

( Rosa Luxemburg "Einführung in die Nationalökonomie", GW 5, Berlin 1990, S. 604)

und weiter:

»Auch die beiden späteren Rechtsbücher aus dem 5. Jahrhundert "Jadschnawalkja " und "Narada" erkennen den Geschlechtsverband als die soziale Organisation an, und die öffentliche Gewalt sowie die Gerichtsbarkeit ruht in den Händen der Versammlung der Markgenossen. Diese haften solidarisch für Vergehen und Verbechen der Markgenossen«
Rosa Luxemburg "Einführung in die Nationalökonomie", GW 5, Berlin 1990, S. 673

Krieg war noch keine regelmäßige Erscheinung, wie später in den Klassengesellschaften. Gefangene wurden aber nicht gemacht, da man noch über kein Mehrprodukt verfügte und sie noch gar nicht hätte ernähren können. Dies war also noch gar kein Verbrechen, sondern eine Notwendigkeit. Das konnte man erst ändern, wenn man mehr produzieren konnte, als der Clan selber zum Überleben benötigte. Diese Möglichkeit erhielt der Homo sapiens erst mit dem Gartenbau oder der Herdenhaltung.

Vor 15.000 Jahren tauchte nach Ethnologen, Linguisten, Genforschern und 12 weiteren Wissenschaftsarten im anatolischen Bereich von Südrussland bis Arabien zum ersten Mal der Begriff für eine Kulturpflanze auf. Mit der Anpflanzung von Getreide und Obst konnte der Mensch nun ein Mehrprodukt schaffen, das ihn die Vorratshaltung ermöglichte und sich um Dinge über die Lebenshaltung hinaus zu kümmern, wie Sternenkunde, Städtebau, Kanalbau oder Mathematik. Diese Zeit ist etwa mit der von Engels eingeteilten Oberstufe der Wildheit vergleichbar. Es gab schon ein Mehrprodukt, noch aber haben sich das die Clanhäuptlinge nicht angeeignet. Noch tauschten sie dieses im Namen des ganzen Stammes mit anderen Stämmen.

Die Oberstufe der Barbarei war eine Übergangsgesellschaft, in der die Häuptlinge nach und nach das Mehrprodukt sich aneigneten, in den Adel verwandelten und die Macht an ihre Söhne vererbten. In der reinen Kassengesellschaft der Griechen nach der Heroenzeit ab 594 v.u.Z., nach der ersten Klassenrevolution und Solons Verfassungsreform, bei der der Adel entmachtet wurden, entwickelte sich auch eine Klasse von Sklavenhaltern aus den Etablierten des Stammes. In den Naturgesellschaften beherrschte die Natur den Menschen. In der Klassengesellschaft beherrschte der Mensch der herrschenden Klasse den Menschen. Erst in der basisdemokratischen Arbeiterräterepublik, dem Marx.schen authentischen Sozialismus, wird der Mensch frei über sich selber entscheiden können.

Die Klassengesellschaften rechnete Marx aber ebenfalls zu der Vorgeschichte des Menschen, weil hier der Mensch ebenfalls keinen Einfluss hatte. James Watt wusste zwar, wie viel PS seine Dampfmaschine hatte, aber er wusste nicht, dass er damit die Voraussetzung für den Kapitalismus schuf. Hier war z.B. die Dynamik des Akkumulationsgesetzes entscheidend, nicht der Wille des Menschen. Bei Strafe des Untergangs musste jeder Kapitalist Kapital anhäufen, ohne Ende. Akkumulieren um der Akkumulation willen heißt fortan das Credo der herrschenden Klasse.

In Kurdistan noch fand man eine 11.000 Jahre alte Religionsstätte mit schönen Tierfigurenreliefen auf Steinstelen, Göbekli Tepe. In Çatal Hüyük in Anatolien lebten vor 8.000 Jahren dann schon 5-6.000 Menschen. Die Häuser wurden ohne Straßen aus Schutz vor Angreifern direkt aneinandergebaut und man lief über die Dächer nach Hause.

In dem Palast in Arslan Tepe aber wurde vor 5.000 Jahren die erste organisierte Waffenproduktion aus Kupfer und Arsen geboren, die für den Fernhandel notwendige Voraussetzung waren.

Dort fanden sich auch mehrere Tausend Rollsiegel, die Lieferscheine für die Kupferlieferungen. Die Rollsiegel mit Menschenfiguren und verschiedenen Tieren waren die Anfänge der Schrift. Die Schrift ist also wegen des Misstrauens entstanden. In Arslan Tepe verwandelten sich die Priesterkönige zu Kriegsgerren. Im benachbarten Jordanien fand man in Fenan eine fünftausend Jahre alte Schmiedewerkstatt, in der bereits 100 Menschen gearbeitet haben.

Bei dem gewaltsamen Übergang von der Stammesgesellschaft zur Klassengesellschaft wehrten sich die alten Mitglieder oft revolutionär. In den alten Stämmen waren ja alle Mitglieder gleichberechtigt. Da der Haushalt, der von den gebärenden und alten Frauen – die starken Frauen befanden sich mit auf der Jagd – im gemeinschaftlichen Haushalt noch „öffentlich“ für alle Stammesmitglieder durchgeführt wurde, genossen die Frauen auch die gleiche Anerkennung wie die Männer, die Stämme waren sogar nach dem Mutterrecht organisiert. Der Vater eines Kindes stand oft nicht fest, weshalb der Bruder der Mutter für das Kind die Rolle des Vaters übernommen hatte. Das Kind erbte den Namen der Mutter. Die Mutter vererbte ihre persönlichen Sachen an die Tochter. Diese Mutterrechtsform kennt man heute noch in manchen südostasiatischen Völkern oder bei den Tuaregs. Hier erben nur die Frauen die Häuser. Damit sie in der Wüste versorgt sind, die Männer gehen ihren Beruf als Karawanentreiber nach. Die Frauen waren die Göttinnen.

Als nun vor 11.500 Jahren im Nahen Osten der Ackerbau eingeführt wurde, der anfangs noch gemeinschaftlich bearbeitet wurde, ging man ca. vor 8.000 bis 7.000 Jahren dazu über, den Acker auf die Stammesmitglieder aufzuteilen und zu privatisieren. Die Männer holten sich gewaltsam das Vaterrecht, ordneten sich die Frauen unter und erhoben den Mann zum Gott. Um aber den Acker auch ihrem leiblichen Sohn vermachen zu können, wurde das Vaterrecht eingeführt. Mit der Privatisierung der Felder geschah der Wechsel vom Mutterrecht zum Patriarchat, der Herrschaft des Mannes über der Frau.

Dagegen rebellierten die Frauen, erfolglos. „In Alalakh, einer weiteren Stadt in Anatolien, zeigen die Ausgrabungen, dass sich mutterechtliche und patriarchale (Herrschaft des Mannes über die Frau) Verhältnisse abwechselten. Im 3. Jahrtausend v.u.Z. wurde Alalakh von Nomaden erobert, die Heiligtümer der Göttin in solche eines Gottes umwandelten. Im 19. Jahrhundert v.u.Z. kam es zu einem Aufstand der matriarchalen Ur-EinwohnerInnen, der Tempel der neuen Götter und der Palast des patriarchalen Königs wurde zerstört.“ Die Herrschaft des Mannes war schon zementiert. (Nur er konnte Entscheidungen treffen, Familienrichter)

Die Entstehung der Klassengesellschaften ging einher mit regelmäßigen Kriegen. Nach Engels entwickelt sich die Gentilgesellschaft in der Oberstufe der Barbarei - also der Übergangsgesellschaft - zur »militärischen Demokratie«, und zwar deshalb.

»...Militärisch - denn der Krieg und die Organisation zum Krieg sind jetzt regelmäßige Funktionen des Volkslebens geworden. Die Reichtümer der Nachbarn reizen die Habgier von Völkern, bei denen Reichtumserwerb schon als einer der ersten Lebenszwecke erscheint. Sie sind Barbaren: Rauben gilt ihnen für leichter und selbst ehrenvoller als Erarbeiten. Der Krieg, früher nur geführt zur Rache für Übergriffe oder zur Ausdehnung des unzureichend gewordenen Gebiets, wird jetzt des bloßen Raubs wegen geführt, wird stehender Erwerbszweig. In ihren Gräben gähnt das Grab der Gentilverfassung und ihre Türme ragen bereits hinein in die Zivilisation. Und ebenso geht es im Innern. Die Raubkriege erhöhen die Macht des obersten Heerführers wie die der Unterführer; die gewohnheitsmäßige Wahl der Nachfolger in denselben Familien geht, namentlich seit Einführung des Vaterrechts, allmählich aber in erst geduldete, dann beanpruchte, endlich usurpierte Erblichkeit; die Grundlage des Erbkönigtums und des Erbadels ist gelegt. So reißen sich die Organe der Gentilverfassung allmählich los von ihrer Wurzel im Volk, in Gens, Phratie, Stamm, und die ganze Gentilverfassung verkehrt sich in ihr Gegenteil: Aus einer Organisation von Stämmen zur freien Ordnung ihrer eignen Angelegenheiten wird sie eine Organisation zur Plünderung und Bedrückung der Nachbarn, und dementsprechend werden ihre Organe aus Werkzeugen des Volkswillens zu selbständigen Organen der Herrschaft und Bedrückung gegenüber dem eigenen Volk...«. (Ebda., 9. 159) Weiter unten

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In dem folgendendem Schema kennzeichnet die Unter- und Mittelstufe der Wildheit die Zeit des Homo Erectus. Hier wurde nur eine rudimentäre Sprache entwickelt. Ab der Mittelstufe der Wildheit betritt dann der moderne Mensch vor 150.000 Jahren die Weltbühne der Geschichte. Mit der Entwicklung der Produktivkräfte entwickele sich auch in der Naturgesellschaft die Familienverhältnisse und in der Zivilisation die Gesellschaftssysteme, die Produktionsverhältnisse.

Vorgeschichte der Menschheit (Frühgeschichte und Zivilisation)  nach  Engels: Der Ursprung der Familie, des Privateigentums und des Staats.

Engels vermutet einmal, dass das massive Wachstum des Gehirns in dieser Zeit auf den regelmäßigen Konsum von Fleisch zurückzuführen ist, zum anderen aber auch, dass auch die regelmäßige Jagd zu einem planvollen, kollektiven Handeln zwang. Um gemeinsam ein großes Tier zu erlegen, musste nach einem durchdachten Plan z.B. eine Grube gemeinsam ausgehoben und sich dabei genau abgesprochen werden. Das zwang zur Verfeinerung der Sprache und des in die Zukunft gerichteten abstrakten Denkens. Dies würde mehr mit seiner Theorie übereinstimmen, dass die Arbeit die Menschwerdung des Affen hervorbrachte. Vielleicht stimmt aber auch beides.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

1. Nutztierzähmung kann nur dort durchgeführt werden, wo zähmbare Tiere vorhanden sind.  Hier  trennt  sich  die  Entwicklung  der  Menschheit  in die  Völker, die Tiere zum Zähmen vorfinden (Europa, Asien) und die, die mit keinen zähmbaren Tieren leben (Amerika, Australien, Afrika). Nutztierzähmung führt zur ersten Arbeitsteilung zwischen den Stämmen.

2. Handwerk und Handel führt zur Arbeitsteilung  zwischen Individuen. Der Händler ist selber nicht am Produktionsprozess beteiligt, schöpft aber vom Mehrprodukt ab.

3. Ackerbau mit Pflug führt zur Privataneignung durch die Männer, da für seine Bedienung sehr viel körperliche Kraft benötigt wird. Haushalt ist nicht mehr öffentliche Produktion. Die Frau verliert an gesellschaftlichem Ansehen.  

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Weiter von oben

Die Arbeitsteilung führte zu unterschiedlichem Reichtum der Stämme. Sie führte zur Absonderung einer besonderen Schicht, die sich nicht um den täglichen Nahrungserwerb kümmern musste und sich somit zu einer herrschenden Klasse aufschwingen konnte. Zur Absicherung ihrer Macht benötigte sie aber einen Unterdrückungsapparat, der von den übrigen Volksmitgliedern getrennt wurde und von der privilegierten Klasse bezahlt werden musste. In den Urgesellschaften war es allein auf Grund fehlender natürlicher Ressourcen notwendig, den Mangel durch Ausweitung auf Territorien anderer Gruppen zu kompensieren. Wenn in der Zivilisation aber auch kein Mangel herrschte, reizte allein der Reichtum anderer Völker zu Mord und Totschlag. Durch Anhäufung fremder Reichtümer konnten die Herrschenden ihre Macht gegenüber dem eigenen Volk und fremden Völkern erhalten und ausweiten. Somit konnten sie mehr Soldaten bezahlen. Es entstand ein vom Volk getrennter Repressionsapparat, der aber auch bezahlt werden musste: aus Raub und Plünderung. Das Verbrechen erlebte seine Sanktionierung dadurch, dass der geraubte Reichtum notwendig schien zur Erhaltung des Unterdrückungsapparates gegen außen und Abtrünnige. Er wurde aber gleichzeitig eingesetzt zur Unterdrückung des eigenen Volkes. In Griechenland hieß dieser Repressionsapparat „policia”.

Die Polizei wurde also nicht aufgebaut, um das Verbrechen zu bekämpfen, sondern um das Verbrechen durchführen zu können. Die Polizei als Geburtshelfer der Unterdrückungsgesellschaften tritt auf als die erste kriminelle Verbrecherorganisation in der Menscheitsgeschichte. Ihre Mitglieder verabredeten sich zum gemeinsamen Raub für ihren Fürst. Heute ist die Umkehrung von Verbrecherorganisation in Schutzorganisation offizieller Stanpunkt, wie alles in sein Gegenteil verkehrt wurde: Krieg heißt Frieden - Arbeisplatzabbau ist Betriebssicherung - statt sich zu freuen, dass einem bei der Arbeit geholfen wird, sagt man, der nimmt mir den Arbeitsplatz weg, statt an sich zu glauben, glaubt man einen religiösen Ersatz und ein Kämpfer für die Freiheit ist ein Aufwiegler. Engels beschreibt, dass der freie Athener sich zu der Schmachtat des »entwürdigendenden Schergendienst« bei der Polizei nicht hergab.

»Wir sahn, daß ein wesentliches Kennzeichen des Staats in einer von der Masse des Volks unterschiednen öffentlichen Gewalt besteht. Athen hatte damals nur erst ein Volksheer und eine unmittelbar vom Volk gestellte Flotte; diese schützten nach außen und hielten die Sklaven im Zaum, die schon damals die große Mehrzahl der Bevölkerung bildeten. Gegenüber den Bürgern bestand die öffentliche Gewalt zunächst nur als die Polizei, die so alt ist wie der Staat, weshalb die naiven Franzosen des 18. Jahrhunderts auch nicht von zivilisierten Völkern sprachen, sondern von polizierten (nations policées). Die Athener richteten also gleichzeitig mit ihrem Staat auch eine Polizei ein, eine wahre Gendarmerie von Bogenschützen zu Fuß und zu Pferd - Landjäger, wie man in Süddeutschland und der Schweiz sagt. Diese Gendarmerie aber wurde gebildet - aus Sklaven. So entwürdigend kam dieser Schergendienst dem freien Athener vor, dass er sich lieber vom bewaffneten Sklaven verhaften ließ, als dass er selbst sich zu solcher Schmachtat hergab. Das war noch die alte Gentilgesinnung. Der Staat konnte ohne die Polizei nicht bestehn, aber er war noch jung und hatte noch nicht moralischen Respekt genug, um ein Handwerk achtungswert zu machen, das den alten Gentilgenossen notwendig infam erschien.« (Engels:"Der Ursprung der Familie, des Privateigentums und des Staats." ,  MEW Bd.21, S. 115)

»Wir sehn also in der griechischen Verfassung der Heldenzeit die alte Gentilorganisation noch in lebendiger Kraft, aber auch schon den Anfang ihrer Untergrabung: Vaterrecht mit Vererbung des Vermögens an die Kinder, wodurch die Reichtumsanhäufung in der Familie begünstigt und die Familie eine Macht wurde gegenüber der Gens; Rückwirkung der Reichtumsverschiedenheit auf die Verfassung vermittelst Bildung der ersten Ansätze zu einem erblichen Adel und Königtum; Sklaverei, zunächst noch bloß von Kriegsgefangnen, aber schon die Aussicht eröffnend auf Versklavung der eignen Stammes- und selbst Gentilgenossen; der alte Krieg von Stamm gegen Stamm bereits ausartend in systematische Räuberei zu Land und zur See, um Vieh, Sklaven, Schätze zu erobern, in regelrechte Erwerbsquelle; kurz, Reichtum gepriesen und geachtet als höchstes Gut und die alten Gentilordnungen gemißbraucht, um den gewaltsamen Raub von Reichtümern zu rechtfertigen. Es fehlte nur noch eins: eine Einrichtung, die die neuerworbnen Reichtümer der einzelnen nicht nur gegen die kommunistischen Traditionen der Gentilordnung sicherstellte, die nicht nur das früher so geringgeschätzte Privateigentum heiligte und diese Heiligung für den höchsten Zweck aller menschlichen Gemeinschaft erklärte, sondern die auch die nacheinander sich entwickelnden neuen Formen der Eigentumserwerbung, also der stets beschleunigten Vermehrung des Reichtums mit dem Stempel allgemein gesellschaftlicher Anerkennung versah; eine Einrichtung, die nicht nur die aufkommende Spaltung der Gesellschaft in Klassen verewigte, sondern auch das Recht der besitzenden Klasse auf Ausheutung der nichtbesitzenden und die Herrschaft jener über diese.«. (Friedrich Engels: "Der Ursprung der Familie,...", MEW 21, S. 105)

So, wie der Mensch die Produktionsverhältnisse ändert, so veränderte er sich selber Er drängte immer dann zu neuen Produktionsverhältnissen, wenn die alten Produktionsverhältnisse zu den neuen Produktivkräfte zu weit in Widerspruch gerieten. Marx trägt mit seinem historischen Materialismus sowohl dem Materialismus von Feuerbach, wie auch der Dialektik von Hegel Rechnung, wenn er sagt: »Es ist nicht das Bewusstsein der Menschen, das ihr Sein, sondern umgekehrt, ihr gesellschaftliches Sein, das ihr Bewusstsein bestimmt.«

Der Ackerbau und die Metallurgie hatte zur Sklavenhaltergesellschaft geführt. Die Vierfelder-Wirtschaft hat aber dann den Feudalismus notwendig gemacht. Diese komplizierte Wirtschaftsform konnte mit Sklaven nicht mehr durchgeführt werden. Es bedurfte des Leibeigenen, der sich mit seinem Anteil auch identifizierte und sich Gedanken machte zu seiner Vermehrung. Er war damit der Sklavenhalterwirtschaft überlegen. Besonders die aufkommende Mühlenproduktionsweise verdrängte um 1000 n.Ch. endgültig mit ihrer Überlegenheit über den Sklaven den Sklavenhalter. Die Mühle brauchte kein Essen, wurde nicht krank und rebellierte nicht. Mühlen waren schon früher bekannt, aber erst waren noch die Sklaven billiger als die Investition für eine Mühle. Aber sie führte letztlich wieder zur Blüte im Mittelalter. Die Pflüge wurden doppelt so schnell von Pferden wie die in der Antike üblichen Kühe gezogen, was diese Blüte noch verstärkte. In Europa konnte sich die ab dem 14. Jhdt. In Florenz und Venedig aufkommende Bourgeoisie sich schnell entwickeln, weil sie durch die zerklüftete Geographie entstandenen kleinen Länder und Konkurrenz unter den Königen ausnutzen konnte. (Vgl. Ferenc Jánossy)

Schließlich sprengte die Entwicklung der Dampfmaschine 1712 bzw. 1769 das mittelalterliche, feudalistische Zunftwesen. Arbeitseinsparende Maschinen waren in der städtischen Zunft im beiderseitigen Interesse des Königs und des Meisters verboten. Der König fürchtete die reicher als er werdende Bourgeoisie und der Gildemeister den Konkurrenten. Deshalb wurden in Deutschland viele Entwicklungen wie die von Siemens oder Bosch auch auf dem Lande durchgeführt. James Watt konnte bei seinen Dampfmaschinen genau ihre Pferdestärke berechnen, aber er konnte nicht voraussehen, dass er mit dieser Maschine den Siegeszug des Kapitalismus und damit die Arbeiterklasse als Totengräber aller Klassengesellschaft en eingeläutet hat.

In den einfachen Warengesellschaften bestand der Produktionskreislauf aus Ware – Geld – Ware. Der Schuster im Feudalismus stellte also keine Schuhe her, um damit Profit zu machen. Er fertigte nur Schuhe, um sie z.B. für einen Sack Mehl einzutauschen. Er hatte also noch nicht das Interesse, Kapital anzuhäufen, zu akkumulieren. Er musste daher seinen Konkurrenten in den Gilden die Kapitalakkumulation mittels arbeitssparender Maschinen untersagen, sonst hätte der ihn totrationalisiert. Die Mühlenproduktion war noch das Äußerste, was der Feudalismus vertrug. Aber auf lange Sicht konnte die Bourgeoisie damit nicht leben und sich entfalten.


In der kapitalistischen Warengesellschaft wird nach dem Prinzip Geld – Ware – Geld gehandelt. Dies führt zwar zu einer immensen explosionsartigen Zunahme der Produktivkräfte, aber gleichzeitig entwickelt damit das Kapital auch seinen eigenen Totengräber, die Arbeiterklasse. die im Widerspruch zum Kapital steht. Auch der Wohlstand der Arbeiter hat absolut bis 1980 zugenommen, aber relativ wurde er zum Wohlstand der Aktienhalter immer kleiner. Der Lohnabhängige baut Villen und haust in Sozialwohnungen.

Der Anteil in den Waren des Lohnes wird immer geringer. Er ist für den Kapitalist die einzige Quelle des Mehrwerts. Die Maschinen musste er schon an den Vorkapitalisten bezahlen und kann davon nichts mehr einbehalten. In Deutschland sank die Profitrate nach den Angaben des DGB 1982 schon auf den historischen Tiefststand von 5,4%. Die FDP hatte Kohl an die Macht geputscht und nun konnten die Konzerne sich die fehlenden Gewinne von den Lohnempfängern nehmen. Seit dieser Zeit sind auch auf dem europäischen Kontinent und in Japan die absoluten Löhne nicht mehr gestiegen, in Amerika und in England sogar dank Reagan und Thatcher schon seit 1970. Das hat zwar zu einer vorübergehenden Steigerung der Profitrate geführt, aber im neuen Jahrtausend fiel die Rate des Profits wieder unter ihren Tiefststand  von 1982.1993 betrug sie nach Robert Brenner in produzierenden Gewerbe nur noch 3,5% gefallen. In China gab es 2005 noch 30%. Du wirst Dein Geld auch nicht auf ein Sparbuch bringen, was nur 1% Zinsen in dem Schneeballsystem Kapitalismus ausgibt. Also verwetten die Bosse ihren Schatz lieber bei den Derivaten-Wetten, Produktion mit einem Konkurrenzsystem lohnt sich nicht mehr.

Vermehrt gingen die Produktionsbetriebe dazu über, die niedrigen Gewinne auf dem Finanzmarkt u.a.. mit Aktienhandel zu kompensieren, dem Shareholder-Value oder Kasino-Kapitalismus. Nach dem letzten Crash 2000 ist auch das nicht mehr viel versprechend und man verlegte sich auf die Papiere der Private-Equitis- und Hedgefonds, die nur noch mit der Zerstörung von Produktionsmittel Riesen-Profite machen, sie leben von der Substanz.. 90% aller Gewinne stammen aus dem oft kriminellen Finanzbereich der weißgewaschenen Waffen- oder Drogengeschäfte oder der. In Amerika haben die Heuschrecken weitgehend alles abgegrast, so dass im beginnenden 3. Jahrtausend die Zentren des alten Kapitals sich wie die alten Raubritter und Wegelagerer von dem Rohstoffklau in den ärmeren Ländern leben. Ab 2008 sind sie nun übergegangen zum Bettekapitalismus. Über 1.000 Firmen wollen schon Geld vom Steuerzahler, sogar so renommierte Firmen wie Porsche und BMW betteln uns an. Bei Karmann gab es schon ein Bossnapping, die Ärmsten. Jetzt fehlt nur noch, dass die Massen mitkriegen, dass die Kassen leer sind, dann gibt es ein neues Leipzig 89. 312 Mrd. fehlen im Haushalt allein bis 2013, dann wird den Bossen bald niemand mehr helfen, keine Polizei, keine Armee und kein Richter.

Wir Arbeiter werden eine Welt bauen, in der nicht mehr in Konkurrenz für einen blinden Markt oder für den Rüstungswettlauf wie in der DDR produziert wird, sondern nur noch planvoll für uns selber, weltweit koordiniert und weltweit verdienen wir alle das gleiche weil auch alles Wissen und alle Lizenzen allen zugänglich ist, und das können nur basisdemokratisch die Lohnabhängigen, niemand anderes. That’s all.

In der Wildheit und der Barbarei herrschte die Natur über den Menschen und in den Klassengesellschaften das Gespenst der Gier der herrschenden Klassen über ihn. Diese Epoche der Vorgeschichte der Menschheit, in der die Menschen über ihre Geschicke nicht selber entscheiden, klingt nun aus in einem riesigen blutgetränkten Feuerwerk.

Die historische Aufgabe der Klassengesellschaften, die Produktionskräfte für einen Überfluss zu entwickeln ist nun erledigt und jetzt entwickelt der Kapitalismus die Produktionskräfte nur noch gegen sich. Für die Menschheit dauerte das Leid der Klassengesellschaften historisch nur ein Augenzwinkern lang.

Wie ein gewaltiges Erdbeben schüttelt es die Menschen noch gehörig durcheinander. Das Inferno verwandelt sich in Geburtswehen und der neue Mensch entsteigt inmitten aus der glühenden, kotzenden Lava. Vor ihm liegt das Reich der Vernunft, jungfräulich und transparent, keine Gespenster können sich hinter dunklen Ecken verbergen. Lasst die Festtage der Arbeitermassen beginnen. Nun wird der Mensch nach der Vernunft produzieren, solidarisch nach dem Bedarf aller Menschen der Welt.

Flieg doch einfach mit.

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