Mit der Verschwörungstheorie-Paranoia läuft man in die Falle der Monopole!

Zu Sepp Aigners Artikel  -  Was kreist der Bilderberg? - Mäuse! 

Norbert Nelte - 25.06.10 - Philosophie

Sepp Aigner, der Autor scheint nicht mitbekommen zu haben, dass es den normalen, von Marx beschriebenen Kapitalismus gar nicht mehr gibt. "Konkurrenz belebt das Geschäft" schreibt er in Ablehnung der Weltregierung. Den Konkurrenzkapitalismus aber gibt es seit 2002 nicht mehr.

In Spanien wird der Kündigungsschutz abgeschafft und hier ist er schon bei jedem 2. Jugendlichen weg. Die durchschnittliche Profitrate ist im produzierenden Bereich schon 1993 lt. Robert Brenner auf 3,5% gefallen. Die großen Produktions-Konzerne erreichen seitdem ihre Gewinne lt. Lafontaine nur zu 90% mit Finanzaktien aus dem Finanz- und Rohstoffbereich, Hedgefonds und Private-Equitis usw., nicht mehr aus der Produktion, denn da ist die durchschnittliche Profitrate schon unter den Finanzmarkt gefallen.

Sie kann nur noch und wird momentan erhöht durch die massive Steigerung der Ausbeutungsrate. Während der Durchschnittsreallohnlohn in Deutschland seit 2004 um 6,2% gefallen ist, wurden die Gewinne um bald 50% erhöht. Aber diese Art der Gewinnsteigerung findet ihre Grenze spätestens bei dem physischen Lohnminimum.

Das wissen die Herrschenden auch, das wird gerade bewiesen durch die ständigen Krämpfe der Finanzkrise. Es muss also auch aus der Sicht des Kapitals ein anderes Wirtschaftssytem her, eine „neue Weltordnung“. So ging durch die Weltpresse  Ex-„Premier Brown plädiert für G20-Weltregierung“ (netzeitung)
http://www.netzeitung.de/politik/ausland/1469439.html)

Auch ein Verschwörungstheoretiker?

Dem Autor empfehle ich die Lektüre von Bernt Engelmann „Hotel Bilderberg“, Tatsachenroman. Alles Verschwörungstheoretiker?

Zu der Frage, dass es bei den Bilderbergern nicht nur um Fressen, Saufen und Huren geht, ein Zitat des Cheftheoretikers der Bilderberger Henry Kissinger. Er sagte 1993 bei einem Treffen im Haus der Weltkulturen in Berlin und zeigt damit, wie viel Einfluss die Bilderberger Geheimniskrämer letztlich haben: "Die vier Botschafter (der Siegermächte des zweiten Weltkrieges) brauchten über das Berlin-Abkommen nicht viel zu verhandeln. Sie brauchten nur den Text zu unterzeichnen, den die Bilderberger ausgearbeitet hatten." Und Deutschlandradio Berlin kommt zu dem Schluss „Eine der exklusivsten Runden, die großen Einfluss auf die Strategien der westlichen Allianz hatte, ist die Bilderberger Konferenz mit prominenten Diplomaten, Ökonomen und Politikern“.
http://www.dradio.de/dlr/sendungen/kalender/266508/

Wer hat den europäischen Präsidenten Herman Van Rompuy und die Außenministerin Catherine Ashton gewählt? Niemand, sie wurden ausgegsuckt von den beiden Bilderberg-Cheftheoriker Kissinger und Zbigniew Brzezinski, die haben sich lt. guardian vor ihrer Ernennung durch den EU-Rat eine Woche vorher im Londoner Restaurant getroffen.

David Rockefeller, der Gründer der Bilderberg-Konferenzen äußerte sich 1991 zu den Welt-Regierungsplänen „Es wäre unmöglich gewesen, dass wir unseren Plan für die Weltherrschaft hätten entwickeln können, wenn wir Gegenstand der öffentlichen Beobachtung gewesen wären. Aber die Welt ist jetzt weiter entwickelt und darauf vorbereitet, in Richtung einer Weltregierung zu marschieren. Die supranationale Souveränität einer intellektuellen Elite und der Weltbanker ist sicher der nationalen Souveränität, wie sie in der Vergangenheit praktiziert wurde, vorzuziehen".

In der Regel springt bei einem Dilemma der Bourgeoisie die Bertelsmann-Stiftung ein, aber damit diese Weltherrschaftspläne auch im Geheimen entwickelt werden konnten, arbeitet David Rockefeller bei den Bilderberg-Konferenzen mit.

Der Mitbegründer und erste Vorsitzende der Bilderberger, Prinz Bernhard der Niederlande bekannte: "Es ist schwierig, die im Nationalismus aufgewachsenen Völker umzuerziehen und sie an die Idee zu gewöhnen, ihre Souveränität an übernationale Organisationen abzutreten"
http://www.heise.de/tp/r4/artikel/4/4258/1.html

Den Verlust der nationalen Souveränität erleben wir doch schon konkret wegen der Schulden mit Griechenland, Spanien usw. durch Brüssel. Glaubt der Autor im Ernst, dass sich das wieder normalisieren werde? Natürlich wird das weiter gehen.

Verschwörungen gibt es zuhauf. Jedes Frühstückskartell ist eine, auf jedem Golfplatz werden Intrigen gegen die Konkurrenz gespinnt, jede Bestechung ist eine und natürlich gibt es auch nationale, wie die geheime Unterstützung der Banken und internationale wie die Bertelsmann-Stiftung oder die Bilderberger eben.
Die Theorien über Verschwörungen gliedern sich in zwei Teile,

  1. die Info-Fakten und
  2. die Gesetzmäßigkeiten dahinter.

Die Fakten werden von den innovativen Verschwörungs-Redakteuren oft schon richtig wiedergegeben (Wozu ich z.B. auch Radio Utopie, die manchmal auch in der Linkenzeitung schreiben, oder Schall und Rauch zähle, jedenfalls verfälschen sie bewußt keine Infos), aber viele dichten auch noch etwas bewusst dazu, die oft aus den Nazi-Ecken kommen.

Die Gesetzmäßigkeiten dainter kann man nur historisch-materialistisch wissenschaftlich erklären, und da mangelt es den Verschwörungs-Redakteuren. Sie kommen zu dem Schluss, dass die Verschwörungen stattfinden entweder, weil die Akteure böse seien, oder konservativ, oder auch das Gedsystem bzw. die Zinsen oder ähnliches. Immerhin sind die letzten beiden Argumente noch der Versuch einer Erklärung. Aber bei Sepp Aigner hört sich alles wie der Stammtisch an, „Fressen, Saufen und Huren“ ist Aigners Résumée und „da sind die Faschisten nicht weit“.

Die Aufgabe für uns Marxisten sollte doch sein, wenn die „Verschwörungstheoretiker“ die Erklärung für die Verschwörung nicht richtig hinbekommen, die Verschwörung dann zu erklären und nicht zu verharmlosen.

Also, die Aufgabe der Bilderbertger Konferenz war nach dem Krieg die privatkapitalistische Entwicklung Europas und bis 1990 den Westen zu stärken. Immerhin wurden die ersten Treffen auch vom CIA mitfinanziert, ist also sein verlängerter Arm in der westlichen Welt. Nach 1990 war die Aufgabe die privatkapitalistische Entwicklung der ehemaligen staatskapitalistischen Staaten und seit 2000 die Entwicklung eines nachkapitalistischen Wirtschaftssystems, da die „freien Marktkräfte augenscheinlich nicht mehr funktionieren.

Aber in der „Neuen Marktordnung“ müssten nach den Bilderberberger der Geldadel weiter seine Privilegien behalten und dies geht nur in einem vom internationalen Großkapital gesteuerten Monopol, wo die Pfründe nach ihrem Vermögen festgelegt werden, also ein großbürgerlicher Staatskapitalismus.

Diese Feststellung fällt natürlich einem Anhänger eines kleinbürgerlichen Staatskapitalismus sehr schwierig, wenn nicht gerade unmöglich, wenn seine Organisation, secarts heute noch behauptet, dass Tibet 1953 von China befreit wurde, also eine feudalistische Diktatur wurde von einer kleinbürgerlich staatskapitalistischen Diktatur befreit, die Arbeiter haben dabei natürlich keine Rolle gespielt, alle klar?

Wir als Marxisten wissen, dass eine kleinbürgerliche Monopolgesellschaft genau so wenig geht wie eine großbürgerliche Monopolgesellschaft, die auch von Anfang an nicht, denn da wird es gleich einen kriegerischen Streit geben, unter wessen Führung das ganze läuft. Konkret lief dieser Streit zwischen Amerika und China, deshalb werden die Bildersteiner auch auf die westlichen beschränkt, warum sind da keine Russen, Inder und Chinesen, die Teilnehmerliste wird veröffentlicht, bis auf wenige Ausnahmen. Krieg aber hieße im Atomzeitalter Atomkrieg und das hieße, Ende der Menschheit. Mit der Verschwörungstheorie-Paranoia haben uns die Monopole zu wiligen und ängstlichen Untertanen verformt und sie können handeln, dass es auch zu diesem Ende kommen wird.

Deshalb können alle Menschen, egal ob Arbeiter, Klein- oder Großbürger froh und dankbar sein, dass die griechischen Arbeiter schon ein Generalstreik nach dem anderen durchführen, die spanischen Kollegen auch mit dem ersten Generalstreik angefangen haben und die französischen Kollegen gegen die Rente mit 67 mit Millionen demonstriert haben. Sie werden uns letztlich in eine Welt führen mit planvoller Wirtschaft und wirklicher Demokratie von unten.

Norbert Nelte

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