Massenpsychologie der Marktwirtschaft in der Agonie.

Norbert Nelte - 30.01.2007 - Philosophie

1. Methoden der bürgerlichen Herrschaft

Nach 1945 bis zum 11. 9. 2001 waren uns die normalen Methoden der bürgerlichen Herrschaft geläufig. Dem herrschenden Kapital ist es immer wieder gelungen, mithilfe des Staates, dem relativ unabhängigen Gesamtkapitalisten, ein basisdemokratisches Rätesystem zu verhindern. Die bürgerliche Demokratie ist der beste Mantel des Kapitals, das am besten passende System für die Marktwirtschaft in Konkurrenz, in dem die Reichen immer reicher und die Armen immer ärmer werden.

Seit 1980 blieb der Reallohn gleich, er sinkt jetzt gar seit 2001 um 2,9%. während die Gewinne sich absolut mehr als verdoppelt haben und die Arbeitslosenzahlen von 1973 an auf jetzt gut 6 Millionen (mit Dunkelziffer) gestiegen sind. Obwohl die „soziale Marktwirtschaft“ Millionen von Arbeitern trotz massenhafter offener Bedürfnisse nicht in Lohn und Brot bekommt, glaubte der weitaus größte Teil der Beschäftigten standfest an dieses System. Obwohl sie nach den Wahlen die Entscheidungen immer an das große Geld abgaben, glaubten sie, dass das System sehr demokratisch sei und 30% glauben dies noch immer noch. Wie kommt der Widerspruch zustande?

Die Medien sorgen schon dafür, dass auch die Arbeiter an das große Geld glauben, da die Medien auch die Werbeaufträge vom Kapital erhalten. Die Journaille trichtert dem kleinen Mann ein, dass es ein „Oben und unten“ schon immer gegeben hat, das sei wie in der Natur: gefressen und gefressen werden, als ob der Mensch nicht denken könne. Die Manipulation läuft wie die Werbung über das Unterbewusstsein. Oft geben uns Marxisten die KollegInnen Recht, dass ein basisdemokratisches Rätesystem viel gerechter sei, aber dann fehlt selten die abschließende Feststellung: Aber trotzdem. Der Herdentrieb ist in einer unemanzipierten Gesellschaft stärker als die Logik. Deshalb wird sich eine fundamentale Opposition nie durch logische Überzeugung entwickeln, sondern sie entsteht immer wie jetzt auch in Oaxaca spontan hier aus dem Lehrerstreik. Der Ausgangspunkt der neuen Gesellschaft liegt im Betrieb eines spontanen Streikes, wenn der Kollege sieht, dass die anderen auch die Nase gestrichen voll haben. Deshalb unterstützen die konsequenten Basisdemokraten jeden Streik, der dem Arbeiter nutzt und dem Kapital schadet, denn mit privatem Produktionskapital gibt es keine Basisdemokratie im Betrieb. Für eine Basisdemokratie in den Betrieben müssen diese erst von der Beschäftigten vergesellschaftet werden. Und der Staat gehört unter die Kontrolle der großen Mehrheit der Bevölkerung, die Arbeiter, das sind 85% in Europa, nicht unter die Kontrolle der kleinen Minderheit von 5% Kapitalisten, wie heute. Durch die Medien hämmert das Kapital tagtäglich den Ohnmächtigen die Illusion ein, dass der Staat neutral sei.

Aber als erstes Gegenargument ist da der Privatbesitz am Produktionskapital zu nennen. Über dieses wird nicht demokratisch entschieden, aber im Betrieb verbringt man gut die Hälfte des Tages. Hier wird aber über die Produktionsweise entschieden, ohne Demokratie. Das Privatkapital erpresst den Staat nach seinem Gutdünken. Als 1972 die SPD die Berufsausbildung verbessern wollte, stellten die „Unternehmer“ keine Auszubildenden mehr ein und die SPD musste ihre Verordnungen wieder zurücknehmen. Inzwischen sitzen in den Ministerien Vertreter der Industrie, die die Gesetzesvorlagen schon erstellen und aufpassen, dass solche „Fehler“ erst gar nicht passieren. Heute werden wir vom Kapital tagtäglich mit Arbeitsplatzverlagerung in die Billiglohnländer erpresst.

Die Justiz, in der Polizei und im Militär wird auch nicht gewählt. Aber gerade das Bundesverfassungsgericht entscheidet über das grundsätzliche System und auch, wenn eine Mehrheit von z.B. 60% eine direkte Basisdemokratie wollte, könnte sie dies nicht durchsetzen, da Justiz und Polizei dagegen stünden.

In der bürgerlichen repräsentativen so genannten Demokratien ist der Abgeordnete nicht wie der Delegierte in der direkten Demokratie an die Beschlüsse seiner Wähler gebunden, sondern er ist nach der Wahl nur seinem „Gewissen“ verpflichtet, was immer das auch heißen mag, und in der Regel heißt das, dem großen Geld verpflichtet, sei es für seine Partei oder für ihn persönlich.

Auf jeden Abgeordneten kommen alleine im Bundestag 60 Lobbyisten und alle haben einen prallen Koffer voller Geld. Dass die Industrieverbände über den Einfluss in der Politik verfügen, sieht man alleine daran, dass der Pharmaverband seinen Lobbyist sogar bis zum Bundeskanzler hieven konnte, bekannt unter dem Namen Dr. Helmut Kohl. Davon profitiert die Pharmaindustrie heute noch. Während die Patienten immer mehr zuzahlen müssen, verzeichnen die Pharmaumsätze jährlich zweistellige Wachstumsraten.

Auch, wenn trotz aller Schutzmaßnahmen für das Kapital eine Mehrheit von 67% wie 1946 in Deutschland für die direkte Arbeiterrätedemokratie wäre, würden genügend Sicherheitsinstrumente für das große Geld noch greifen. Als erstes stände wie 46 der Imperialismus dagegen auch mit übernationalen Verträgen wie die in der EU. Sollte das auch nicht helfen, würde das Kapital einen General mit einem Putsch beauftragen, wie 1920 den Kapp-Putsch, und wenn der sich nicht mehr findet, dann sponsert das Kapital eben wie 1932 Krupp & Co. im Düsseldorfer Industrieclub die Nazis. Daher halten sie die sich jetzt als Reservearmee, unterstützen sie mit ihrem Geheimdienst und lassen die Straße zu ihrer Organisierung frei knüppeln. Der Nachteil für das private Produktionskapital in einem diktatorischen System wäre nur, dass mit der Peitsche sich keine gute Qualität und Profitabilität erzeugen lässt. Aus diesem Grunde versucht das Kapital dann, wenn die Kontrolle der Arbeitermassen durch das Parlament nicht mehr reibungslos funktioniert, erst noch subtilere Methoden zu finden. Und genau das ist der Fall etwa seit der Jahrtausendwende.

2. Der Absturz des globalisierten Marktes

In den 1990er Jahren sank die Profirate unter dem Finanzmarktzinssatz. Gleichzeitig entwickelte sich die Globalisierung durch das Internet und den Fall der Transportkosten. Fortan konnte man einen Preisvergleich in Sekunden anstellen und durch das Containersystem schnell und preiswert Halbfertigwaren aus anderen Kontinenten bestellen. Der Umsatz in den Häfen wächst seit Jahren jährlich um 10%.

Das führt aber auch dazu, dass immer mehr Produktionsarbeitsplätze in die Billiglohnländer verlegt werden. Es gibt daher nur noch 28 Millionen tarifliche Vollarbeitsplätze in Deutschland. Die Arbeitslosen sind auf 6 Millionen gestiegen. Der Staat hat diese Zahl auf 4 Millionen runtergetrickst, aber dazu muss man noch 1,3 Millionen 1 Euro-Jobber und Weiterbildende zählen sowie die Stille Reserve der Zwangsfamilien- und Zwangs-WG-Unterstützten. Beide Gruppen sind laut Sachverständigenrat (SVR) gestiegen. (1) Weiter muss man noch die Praktikanten und sonstigen Gratisarbeiter sowie die 58er Geregelten dazu zählen. Wir haben es also mehr mit Zahlenakrobaten als mit sachlichen Statistikern zu tun.

800.000 400-€uro-Jobber sind auch mehr arbeitslos als beschäftigt. Durch die Billiglohnkonkurrenz im In- und Ausland haben die Konzerne in Deutschland schon 12 Millionen Billigarbeitsplätze mit bis 30% und mehr unter Tarif gepresst. Ein normaler Tarifvertrag mit 35- bzw. 38,5-Std-Woche kann man heute bei unter 30-jährigen mit der Lupe suchen. Und nun will der Unternehmerband im Metallbereich in Baden-Württemberg mit Hilfe der Öffnungsklausel ERA (Entgeld-Rahmenabkommen) durch niedrigere Eingruppierungen die Personalkosten um 10% kürzen.

„In der Regel »beruhen mehr als zehn Prozent der als Tarifentgelt ausgewiesenen Personalkosten auf Fehlanwendungen der Tarifverträge«, so der Verband. Die Löhne der Beschäftigten seien also zehn Prozent zu hoch. Mit ERA bestehe nun die »einmalige, geradezu historische Chance«, das tarifliche Einkommen zu senken. So könne die »verloren gegangene Personalkostenflexibilität« zurückgewinnen, verdeutlicht Südwestmetall den Arbeitgebern….“(2)

Jetzt reden sie davon, dass es gewaltig wieder aufwärts ginge. Dabei haben die Wirtschaftsweisen selber gesagt, dass das nur eine Vorziehung der kommenden Mehrwertsteuererhöhung sei. Jetzt geben sie groß damit an und meinen generös, der Arbeiter solle auch von dem „Aufschwung“ was ab bekommen, so 3%, mehr aber auch nicht, sonst ginge der „Aufschwung“ kaputt. 3%, das ist gerade mal die Mehrwertsteuererhöhung, dann fehlt noch die normale Inflationsrate von 2%, geschweige denn die Rationalisierungsrate. Sie planen einen weiteren Reallohnverlust und verkaufen den noch als „es geht wieder aufwärts“. Sie zeigen selber damit, dass sie an die Nachhaltigkeit des derzeitigen Aufschwüngchens selber nicht glauben. Die anderen Länder kürzen weiter die Löhne und dann wäre der Standortvorteil durch Sozialkürzung hier schnell wieder dahin. Deren Grenze heißt China, 1€uro, da läuft noch der Aufschwung – Noch!

Weltweit sieht es nämlich ganz anders aus. Nach dam Platzen der Immobilienblase in Amerika und der Verlangsamung des Wirtschaftswachstums auf 2,4% warnt sogar die Weltbank: „Die Besorgnis erregende Lage in den USA könnte die gesamte Weltwirtschaft gefährden“. (3) China tauscht nur noch nicht seine über 1 Billionen Dollar-Reserven in €uro um, weil der Dollar sonst steil fallen würde und es nicht mehr viel dafür bekäme und weil die Chinesen sonst weniger in die USA verkaufen könnten.

Diese Sozialkürzungen spitzen sich in einem weltweiten Wettstreit zu. Die Handelskriege verschärfen sich und verwandeln sich erst in die Ölkriege und dann in den Krieg um die Weltherrschaft.

Aber die Gegenwehr spitzt sich ebenfalls weltweit zu. In jedem Land mit überdurchschnittlichen Löhnen werden die Lohnabhängigen permanent erpresst. 80% der französischen Manager gehen davon aus, dass es zu Aufständen kommen wird. Auch schon in Deutschland entwickelte sich mit den großen Montagsdemonstrationen und mit „wilden“ Streiks wie bei Opel Bochum eine Gegenbewegung. Spätestens jetzt wussten die obersten Herrschenden, dass sie ein Gang höher mit der Manipulation und der Einschränkung den bürgerlichen Freiheiten fahren mussten, wenn sie den Protest in den Griff kriegen wollen. Oaxaca ist nicht mehr weit. Der Arbeiterrat APPO ist vorerst in Mexiko/City in den Untergrund gegangen und die Aufständischen haben die Barrikaden abgebaut, weil die Bundespolizei scharf geschossen und gefoltert hat. Die APPO will die Bewegung verbreitern, bevor sie in der alten konsequenten Radikalität weiter kämpft (4) .So weit braucht die Bourgeoisie in Deutschland doch noch gehen, dass sie schießen lässt, aber doch hat sie bei der Kontrolle der Massen einen Gang höher geschaltet, um die sich anbahnenden Poteste ins Leere laufen zu lassen. Die Zukunft, die sich das Kapital für uns ausgedacht hat, heißt nicht, Arbeiten mit 67. Nein, das ist nur der Anfang. Arbeiten mit 77? Nein Danke heißt dann der Slogan des Mini-Rest DGBs in 20 Jahren und wer dann noch  eine Arbeit mit 50 Std. in der Woche und 3 €uro Stundenverdienst hat, gehöre dann schon zu den Privilegierten. Die Arbeiterfamilien wohnen in Firmenbaracken und die Hatz 4 Empfänger auf dem städtischen Campingplatz. Die Handelskriege haben sich zunehmend in heiße Kriege verwandelt. Beirut ist nicht so weit von Berlin entfernt.

Ja, so hätten sie das gerne, aber da haben sie sich geschnitten. Es kommt alles ganz anders, wie sich ja unten zeigen wird. Aber erst wollen wir ihre Manipulationsversuche, ihre Angriffe auf unser Gehirn untersuchen.

3. Der Angriff auf die Nerven

Wie man so etwas macht, haben sie in ihren Labors der Unternehmerinstitute geprobt. Auch in Filmen und Romanen wurde dieses Thema oft behandelt.

Der Traumatherapeut Ernst Kern beschreibt, welchen Verlauf  Innformationen  in einem nicht gestörten Geiirn nehmen: „Bei der normalen Verarbeitung bis zum mittleren Stress gehen die Informationen zuerst in den Hippocampus, werden dann an die Amygdala weitergegeben, diese bewertet, wie wichtig eine Information ist und schickt dann die Botschaft ans Großhirn …

Der Hippocampus [Ammonshorn] ist ein Ordnungssystem, das den Zugriff zu räumlichen und zeitlichen Informationen herstellt. Er ist so etwas wie ein „Archiv“ des Gehirns. Er spielt für die kurz- und mittelfristige Speicherung von Informationen eine große Rolle, ist damit für rasches Lernen zuständig (im Hippocampus werden synaptische Verbindungen in Minuten gebildet). Ohne den Hippocampus ist auch die dauerhafte Speicherung weg, dafür braucht es die Kategorisierung der Wahrnehmungen und die Regelung des zeitlichen Ablaufs. Damit ist der Hippocampus die Grundlage aller Speicherungsphänomene.

Die Amygdala („Mandelkern“) ist Teil des limbischen Systems, das für die Verarbeitung von Emotionen zuständig ist. Dieses System prüft den Emotionsgehalt einer Situation und bewertet Situationen nach ihrer affektiven Wichtigkeit. Von hier können auch schnelle Überlebensreaktionen eingeleitet werden (Angstsignal-Kampf-Flucht-Bereitschaft). Die Amygdala ist so etwas wie der „Rauchmelder“ des Gehirns, seine Alarmglocke, die die Stressreaktion anwerfen kann..“ (5)

Das Ammonshorn und der Mandelkern sind evolutionär ältere Systeme, weshalb hier die Prozesse spontan und  unbewusst, nach Gefühlslage und der Erfahrung verlaufen, besonders dann, wenn eine bedrohliche Situation entsteht, die eine schnelle Entscheidung verlangt. Ist man also gewohnt, Nachrichten nach seinem Informationsgehalt zu analysieren und einzuordnen, wird die Nachricht entweder als uninteressant vergessen oder als interessant im Großgehirn abgelegt. Jetzt erst spielt sich der Vorgang im Bewussten ab. Wir kennen das, wenn man das Radio lauter stellt, um die Meldungen genau Satz für Satz zu verstehen, um sie genau einordnen zu können, wenn man bei Referaten mitschreibt, um sich den Stoff besser behalten zu können oder wenn man einen Absatz noch einmal liest, weil man gemerkt hat, dass man nicht ganz bei der Sache war. Das Ammonshorn, in dem die Informationen zuerst ankommen, ist so etwas wie die Tabelle der Daten. Wenn diese weg ist, weiß man nicht mehr, wo die Daten abgelegt sind und kann nicht mehr auf sie zugreifen.

Wird die Meldung nicht als interessant eingeordnet, verbleibt sie im Unbewussten und man ist nur in der Lage, emotional auf die Meldung zu reagieren. Dieses Phänomen wird schon immer in der Werbung benutzt. Wenn ein Mensch eine Werbung nur unbewusst wahrgenommen hat, greift er instinktiv zu einem Produkt, nur, weil es ihm vertraut erscheint.. Wir Linken arbeiten auch mit dem Unbewussten, und zwar mit den Logos. Sie helfen uns, schneller emotional eine Entscheidung zu treffen, dass dieser Artikel oder jener Aufruf für uns interessant ist. Dann wird aber gleich das Bewusstsein angesprochen, wogegen die Werbung im Unterbewusstsein verbleibt. Die Politik arbeitet auch wie die Werbung, weshalb oft das Lächeln des Kandidaten wichtiger ist als der Inhalt. 

Bis zum 11.9. haben wir es nur mit der geläufigen Politik zu tun gehabt. Der normale Mensch, egal ob Arbeiter, Kapitalist oder Mittelschichtler, lernte die Politik recht unbewusst von den Medien der Herrschenden. Die meisten Industriearbeiter  hatten zwar noch ein Bewusstsein von Oben und Unten, aber unter Kontrolle der sozialdemokratischen Gewerkschaftsführung akzeptierte sonst die Logik des Kapitals. Die so genannte (LPDS)-Linke akzeptiert diese immer noch, aber inzwischen folgt ihr kaum noch einer von den Lohnabhängigen.

Natürlich, jeder einzelne glaubte in der Vergangenheit, dass die herrschende Meinung aus seinen eigenen Überlegungen komme, die Manipulation hat eben geklappt. Diese klassische Konditionierung funktionierte deshalb so einwandfrei wie beim Pawlowschen Hund (6), weil das Kapital immer noch ein „Leckerli“ anzubieten hatte, in Form von Urlaubs- und Weihnachtsgeld oder 35-Std-Woche. Diese „Belohnungen“ sind im 3. Jahrtausend radikal weg gebrochen. Einerseits funktioniert die klassische Konditionierung bei einem hohen Anteil der ArbeiterInnen nicht mehr, so dass wahrscheinlich nur noch große Koalitionen in Deutschland funktionieren. Anderseits hat sich das Kapital Schritte der Angriffe auf unser Nervensystem ausgedacht, die bei dem anderen noch höheren Anteil das Versagen der Pawlowschen Konditionierung mit einer Totalblockade kompensieren.

Van der Kolk beschreibt das Modell der blockierten und fragmentierten Informationsverarbeitung: „Wenn in der Amygdala festgestellt wird, dass ein Ereignis zu emotional ist für normale Verarbeitung und Speicherung, so wird die ganzheitliche Information in Stücke gebrochen und in frühere Hirnteile „geschickt“. Folge davon ist, dass das Ereignis der Person nicht mehr als bewusste Erinnerung zur Verfügung steht. Der kontinuierliche Informationsfluss und die normale Verteilung der Information wird unterbrochen. Die Erinnerung wird in einzelne Sinneskanäle fragmentiert und isoliert.“(5)

Ergo brauchte die Bourgeoisie ein sehr starkes emotionales Ereignis, um die noch illusionierten Lohnabhängigen an die Wahlurne zu bekommen. Bei dem Abbau des Sozialstaates konnte sie leicht den Arbeitslosen bzw. den Kinderlosen alle Schuld zuschieben. Die andere Seite der gleichen Globalisierungs-Medaille ist der Weltkrieg, und hier haben die Drehbuchschreiber sich eine Story ausgedacht, die sich für lange Zeit in die Hirne von Abermilliarden eingebrannt hat.  Der Plan dafür kam von den Neokonservativen:

„Eine strategische Analyse, von der PNAC-Fabrik [Project for a new Amercan Century] im September 2000 kurz vor den Präsidentschaftswahlen unter dem Titel »Die Wiederherstellung der amerikanischen Verteidigung, Strategien, Streitkräfte und Ressourcen für ein Neues Amerikanisches Jahrhundert« veröffentlicht, wies auf die Gefahr hin, daß bei fortlaufendem Trend dieser laschen Haltung zu Verteidigungsfragen die weltweite amerikanische Vorherrschaft nicht mehr lange aufrechterhalten werden könnte, es sei denn: »ein katastrophales und katalysierendes Ereignis tritt ein, wie ein neues Pearl Harbor«, das die Bereitschaft der amerikanischen Gesellschaft zu Opfern wieder erhöht.” (7)

So haben sie  sich ein „katastrophales und katalysierendes Ereignis“ ausgedacht, das von Zeitgenossen zum größten Kunstwerk der Welt  erklärt wurde. Gewaltige Bilder sind auf den erschrockenen Betrachter eingestürzt und man sprach von einer Zeitenwende und von einem zehnjährigen Krieg gegen den „Terror“ dem unsichtbaren Feind und meinte doch nur die Ölprojekte des »Greater Middle East Project«   (8). Diese Bilder konnten von dem nicht mehr emotional verarbeitet werden und das Geschehen lag nur noch in Bruchstücken vor. Die Person konnte dann einzelne Informationen, beispielsweise dass die Abfangjäger erst nach einer halbe Stunde aufstiegen, um die Todesflugzeuge beispielsweise abzudrängen, nicht mehr mit dem Ereignis verknüpfen. Sehr wohl wurde aber von den Bildermachern eine Verknüpfung zu den sogenannten Terroristen  und dem Islam hergestellt. Immer, wenn die Bilder des brennenden World-Trade-Centers gezeigt werden, gerät die halbe Nation in stressartige Wallung und bekommt eine gewaltige Wut auf alle Moslems, was von der Sozialwissenschaft als „Islamophobie“ schon untersucht wird. Jetzt noch einmal zurück zu Erbst Kern:

„Auf die Bewertung einer Situation als Überlebenssituation wird die Stressreaktion ausgelöst, die von Stammhirn und Mittelhirn gesteuert wird und evolutionär der Vorbereitung auf Kampf oder Flucht dient, also rasch und effektiv Energie im Körper bereitstellen muss. Merkmale der Stressreaktion sind, dass der Blutdruck steigt, das Herz schneller schlägt, Adrenalin ausgeschüttet wird, die Atmung schneller geht, der Körper schwitzt, das Verdauungssystem abgeschaltet wird, Blut sich im Körperzentrum sammelt. Der Organismus zentriert all seine Energie zum Überleben.“ (5)

Dabei muss man sehen, dass der gestresste Beobachter einer Situation genau so involviert ist, wie der direkt Betroffene. Deshalb entzieht sich ein hoher Anteil der Bevölkerung allen Nachrichten, manche haben gar extra den Fernseher ganz abgeschafft, weil sie so glauben, dem Stress und der Angsterzeugung durch Flucht entgehen zu können. Wenn man aber bewusst keine Nachrichten wahrnimmt, um zumindest die Kriegshetze verdrängen zu können zum Aufbau einer heilen Scheinwelt aus Soaps oder der Miniatureisenbahn, werden sie über eine Bemerkung der Familie oder andere Umwege in das Unterbewusstsein gelingen. Wenn sie einmal da drin sind, sind sie mit keinen goldenen Worten wieder heraus zu bekommen. Der Idealismus wird dann erst Recht versagen.

4 Die Hetze der Bourgeoisie und ihr Zweck

Wenn der Kampf nicht geführt wird, kann sich die ständige Wiederholung der stresserzeugenden Meldung bis hin zum Trauma auswirken. Die Kampfeshaltung bei der Stressreaktion im Gehirn durch die Sozialkürzung wird von den Nazis gegen die Ausländer gewendet.  Das Kapital wendet die Aggression des 11.9. gegen alle Moslems an (9). Die ständige Hetze gegen sie hat neben der ungestörten Vorbereitung seiner Rohstoffkriege auch den großen Vorteil für das Kapital, dass die Lohnabhängigen leichter in „gute“ Christen und „böse“ Moslems gespalten werden können und schon gibt es für beide 1 €uro weniger.

Mit den ständigen „Terrorwarnungen“ und der Hetze gegen die Moslems erzeugt das Kapital eine permanente und übermäßige Angst. Übermäßige Angst führt dazu, dass nur noch mit Emotionen der Vorgang bearbeitet wird. Es blockiert das Gehirn und man ist nicht mehr in der Lage, rational zu denken. So kommen die widersprüchlichen Umfrageergebnisse zustande, dass zwar einerseits 50% gegen Bushs Krieg sind, 30% glauben gar, dass der 11.9. ein „Inside-Job“ war, aber dennoch denken 60%, dass die Moslems angeblich gewalttätiger seien.

Heute erleben wir eine permanente Angsterzeugung – das Gehirn wird in Schockstarre versetzt. Wenn man dem Angriff auf die Psyche auf Dauer nicht ausweichen kann entwickelt sich aus dem Stress sogar ein Trauma, so stark, dass gar ein Pfarrer in Thüringen Selbstmord begangen hat. In der Regel ist das politische Trauma aber lange nicht so tief greifend wie ein Missbrauchstrauma, dass in der Tat nur durch eine langjährige Therapie einer Therapeutin gelöst werden kann. Wegen der ständigen Sozialkürzungen liest man auch  immer häufiger in diesem Zusammenhang von  Selbstmorden. Leider gibt  es keine aktuelle Statistik dazu. Die Selbstmordrate bei den Irak-Veteranen steigt gewaltig. Obdachlose Irak-Veteranen gibt es schon über eine halbe Millionen, einfach, weil sie durch das Trauma mit dem Leben nicht mehr klarkommen. Und da will Bush noch weitere ausheben für noch mehr Kriege gegen den „Terror“ und die Demokraten stimmen ihm zu.

Weil sie eine Schurkerei nach der anderen vorhat, macht die Herrschaftsklasse die Terrorwarnungen am besten gleich in Permanenz Die Arbeitszeiterhöhung wechselt sich ab mit der Truppenverlegung nach Somalia, die Privatisierung der Wohnung mit gleichzeitiger Mieterhöhung mit dem Einsatzbefehl für die Kriegsflotte im Nahen Osten. Da darf es überhaupt nicht zum Nachdenken kommen.

In dem Kriegsfall sind der Schlüsselreiz die Bilder des 11.09. Immer, wenn die rauchenden Zwillingstürme gezeigt werden, wird der halbe Erdball in Schockstarre versetzt und die Mächtigen können wieder ihre nächste Schurkerei verkünden. „Terror“ ist auch ein Schlüsselwort. Deshalb kann die nette Dame bei der obigen Verkackeierung in Ruhe so herzlich lächeln, der Hirnstress ist durch das Wort „Terror“ ausgelöst.. Ein anderer Schlüsselreiz sind auch die Videos von USAma Bin Laden, wobei es eigentlich egal ist, ob der echt oder erfunden ist. Peinlich war nur, dass die religiösen Botschaften zwar in der englischen „Übersetzung“ immer richtig waren, aber im arabischen „Original“ oft nicht passten (10). Da hatten sie schnell die religiösen Botschaften weg gelassen, sonst merkt es der Feind.

Dadurch, dass sich bei vielen schon Sozialstress aus der immer härteren Arbeitshetze, der Existenzangst wegen der Lohnkürzung und das Mobbing-Trauma wegen der zunehmenden Konkurrenz am Arbeitsplatz entwickelt haben, sind diese stressigen und traumatischen Erfahrungen oft so tief greifend, dass man diese nicht mehr mit logischen Wörtern auflösen könnte, erst recht kein bürgerlicher Therapeut. Bereits 1844 in der Zeit der Romantik stellt Karl Marx fest:

„Es kommt daher zu dem Resultat, daß der Mensch (der Arbeiter) nur mehr in seinen tierischen Funktionen, Essen, Trinken und Zeugen, höchstens noch Wohnung, Schmuck etc., sich als freitätig fühlt und in seinen menschlichen Funktionen nur mehr als Tier [Da die schöpferische Arbeit ihm Mensch werden ließ, ihm aber jetzt das Produkt seiner Arbeit entfremdet wird]. Das Tierische wird das Menschliche und das Menschliche das Tierische.“ (11)

Die Herrschaftsgesellschaften und besonders der Kapitalismus brachten es fertig, den Menschen aufzuschwatzen, dass das Unmenschliche  in der Natur des Menschen liege: die  Lohnarbeit sei gerecht. oder die Konkurrenz fördere den Geist. Da war der Mensch im normalen Kapitalismus schon nicht in sich, er selbst, eben entfremdet, außerhalb seiner ursprünglichen Persönlichkeit. Die Erziehung in der Familie, der Kirche, der Schule und der Lehre haben den Anpassungsprozeß an die Bedürfnisse des Kapitalismus perfekt geleistet. Und da gab es doch tatsächlich immer „große“ Philosophen, die von einer großen Idee den entfremdeten Menschen überzeugen wollten. Aber noch unverständlicher wird dieser Gedanke heute, nachdem der entfremdete Mensch vom Chef bis zum „geht nicht mehr gehetzt, gemobbt und von den Kriegstreibern gestresst wurde. Er ist abends zu nichts mehr in der Lage, ganz bestimmt nicht zu welterrettenden Gedanken, er muss schauen, dass er sich selber errettet. Dass der Mensch sich nur noch um seine Person kümmert, ist auch das Kalkül der Bourgeoisie, nun glauben sie, dass sie ungestört ihre „Endzeitlösungen“ durchziehen können.

Die einzige und beste Therapie bei dem ganzen Stress, die hier hilft, ist der gemeinsame kollektive Streik. Jetzt kann das gestresste Hirn den „Kampf“, der nach Kern der Stressreaktion folgen muss, durchführen, die Informationen emotionslos und sachlich nacharbeiten. Somit wird das Hirn entlastet und alle „aufgestauten“ und zerstückelten Informationen werden wieder defragmentiert, zusammengesetzt und in das Großhirn gesendet. Der emanzipierte Streik heilt nicht nur unseren Geldbeutel, sondern auch unsere Nerven und man trifft im Kampf auch den Richtigen, den Verursacher. Im Streik stellt man die permanenten Angriffe auf die Psyche ein und kann sie dann verarbeiten. Das Kollektiv übernimmt die Rolle des Therapeuten mit einer „Schnelltherapie“. Natürlich muss bei einem schweren Trauma noch eine Fachkraft ran, aber auch das wird in Bewegungen leichter lösbar sein.  In der Solidarität der Kollegen liegt die Waffe gegen die fortgesetzte Erniedrigung. Besonders deshalb beschreiben die Marxisten die Streiktage als die Festtage der Arbeiter.

Die Lohnabhängigen ohne Kampf besonders in Kleinbetrieben laufen wie hinter einer Nebelwand herum, wie Zombies. Die Angst vor den Moslems und der Hass auf sie, legen sich wie Mehltau auf die Hirne der Menschen. Wie der Pawlow’sche Hund reagieren sie auf das Reizwort „Islam“ und zeigen reflexartig ihren Hass. Bei Reizwörtern wie „Arbeitszeitverlängerung ohne Lohnausgleich“ reagieren sie nur sehr selten, die wurden ihnen leider nicht als Reiz einprogrammiert.

Eine Kollegin aus einem Kleinbetrieb ließ sich bei der TV-Nachricht über die Proteste in Istanbul gegen den Papst-Besuch und die Aussage der türkischen Protestanten, dass der Papst den Islam beleidigt habe, aber der Islam die einzig wahre Religion sei, zu der Bemerkung hinreißen: „Die sollen doch dort bleiben, wo der Pfeffer wächst“. Da halfen auch keine Hineise, dass die von Istanbul seien und nur die Fundamentalisten so dächten, nein, alle Moslems seien schlecht und sollten zum Pfeffer. Die ständige Konditionierung war bei ihr schon voll erfolgreich. Da hilft nur noch die „Schnelltherapie“ zu Fuß. In England gab es einen rassistischen Betriebsrat. Eines Tages streikte sein Betrieb für eine Lohnerhöhung. Der Nachbarbetrieb sammelte Geld für ihren Streik und die Kollegen übergaben es ihm; nur, das waren alles pakistanische Kollegen. Da hat er gesehen, dass die Ausländer doch die gleichen Interessen haben, wie er selber. Nun sah er, dass die Grenzen zwischen Oben und Unten verlaufen, nicht zwischen den Ethnien. Im Kampf laufen die meisten Lernprozesse und nicht durchs Totlabern. Sicher, Sein und Bewusstsein beeinflussen sich gegenseitig, aber die Grenzen der Beeinflussungsmöglichkeiten werden durch das Sein vorgegeben. Daher kann sich in der Regel nur mit einer Kollegin, die bereits im Kampf gestanden hat, ein Marxist verständlich machen, obwohl wir nichts anderes wollen als objektiv alle Arbeiter, er will unter sich keine Sklaven sehen, und über sich keinen Herrn. Im emanzipierten Kampf kommt dann alles zusammen.

Jetzt planen sie weitere Kriege im Größeren Nahen Osten Oder warum sind sie mit ihrer Marne da? Sie sagen, um den „Waffenschmuggel“ an die Hisbollah zu bekämpfen. Der ARD-Korrespondent Patrick Leclercq von Kairo berichte aber, dass die Waffen direkt über die Landesgrenze Syrien/Libanon gehen und nicht über das Meer. So erwischten die Westmächte bisher auch nur einen Zigarettenschmuggler. Und deshalb patrollieren dort mehrere Marineverbände. Die haben doch etwas anderes vor, etwas Ungeheuerliches, sonst würden sie es nicht verheimlichen und so eine Show machen.

Neben der Ausschaltung des Bewusstseins durch den Stress und manche schweren Traumas für ihre weitgehend ungehinderte Kriegsführung kann das Kapital mit der Erzeugung der Islamophobie noch außerdem die Vorbereitung für die Überwachung der künftigen aufständischen Lohnabhängigen treffen, mit dem die Elite sehr wohl rechnet, ohne dass die Arbeiter merken, dass die Überwachungskameras eigentlich gegen sie selber gerichtet sind. Das betrifft auch die biometrischen Daten wie die Fingerabdrücke im Ausweis oder die Computer-Schnüffelei (12).

Bei den so genannten Kofferbombern von Koblenz schwärmte Oberpolizist Schäuble von den Kameras, die zur schnellen Ergreifung der Täter geführt hätte. Bei den „Tätern“ fand man in der Wohnung die Quittung der Gasbombe und ließ sie nach einem Tag wieder frei, so die erste Meldung,. „Mmh, verarschen kann ich mich auch selber, da brauch ich den Oberschnüffler nicht dazu“. Obwohl es in Deutschland noch nie einen so genannten erfolgreichen Terroranschlag gab, tickern wöchentlich nach diesem Schema Warnungen ein und man fragt sich, welcher schlechte triviale Film denn heute wieder läuft.

4. Das ganze Hokus-Pokus nutzt ihnen nichts

Bei all den beklemmenden Nachrichten die letztlich gute Nachricht. Der ganze Budenzauber, der von den Manipulatoren hier veranstaltet wird, funktioniert bei all jenen nicht,  die die Nachricht von vornherein skeptisch aufnehmen. Da wird die Information gleich bewusst aufgenommen und gleich bewusst verarbeitet. Das kann auch erst positiv sein, aber weil das gleich bewusst wahrgenommen wird, wird sich die Person auch leicht von Fakten überzeugen lassen, es sei denn, sie verleugnet bewusst die Wahrheit des Kapitalismus. Man kann die Angriffe auf die Psyche abwehren und ist somit einem Trauma nicht ausgesetzt.

Das ist besonders bei den Kollegen der Fall, die schon in irgendeinem Kampf gestanden haben, meistens in Großbetrieben. Bei allen politisch Aktiven versagt die Angsterzeugung mit den Terrorwarnungen. Im Internet sind diese eine Lachnummer. Ebenso sind sie in politischen Kabarettprogrammen eine oft zitierte Nummer. Wie viele Filme gibt es schon über den Inside-Job und Hompages, dass alle Inszenierungen Lüge sind. Immer mehr Leute machen sich lustig über den Quatsch. Der Quatsch  entlarvt nur die Herrschenden, zu was für  einer perfiden Schurkerei  sie in der Lage  sind. Sie verführen kleine Buben, bei ihren Gauklerspielen mitzumachen, hetzen die Kulturen aufeinander, waten in Hektoliter Blut der eigenen und fremder Leute. Sie foltern, entführen und halten Unschuldige jahrelang in Haft wie El Mazsi und  den Bremer Kurnus. Alle westlichen Staaten mischen da mit, und der deutsche Staat mitten drin. Sie wundern sich noch heuchlerisch bei dem ganzen Massaker noch, dass ihnen die Schulkinder das nachmachen. Ja, wo haben die das dann gelernt. Sie treiben Arbeitslose in den Selbstmord und treiben abertausende Kinder in den Hunger.

Wir denken, keine Geheimnisse zu verraten, dass es massenhaft Kollegen gibt, die sich von dem Gesülze der Herrschenden der Welt nicht mehr einlullen lassen und sich ebenfalls auf die Endzeitkämpfe des Kapitals vorbereiten, reihenweise versaget auch die Intelligenz ihre Mitarbeit bei den Volksverdummungspläne (13) und 70% der US-Bürger sind inzwischen gegen die Bush-Politik.. Die Demokraten wollen aber die gleiche Politik weiter machen, nur mit dem kleinen Unterschied, dass sie die Europäer und die UNO mehr mit einbeziehen. Dann darf auch die PDS+ sich endlich staatsmännisch präsentieren und ihre Wähler an die Front schicken.

Die Pläne der Mächtigen kennen und diskutieren wir. Dadurch können wir mit unseren Plänen immer einen Schritt voraus sein. Deshalb werden den Herrschaften die ganzen Tricks nichts nutzen. In Oaxaca hat die Basis jetzt den ersten Schritt unternommen. Ihr Rat, die APPO ist vorerst abgetaucht, um erst einmal weitere Kräfte zu sammeln Es wurden in anderen Bundesstaaten Mexikos bereits Räte gegründet. In ganz Mexiko brodelt es. In ganz Südamerika brodelt es und da wird sich eine Basisbewegung schnell ausbreiten.

Und in Europa und Afrika wird die Basisbewegung auch nicht lange auf sich warten lassen. In Frankreich gab es schon einen halben Aufstand. In Spanien wird schon 15mal mehr gestreikt als in Deutschland. Und Deutschland selber? Na ja, die werden eher nach rechts gehen, denken sic die meisten Leser. Trotzki schätzte das anders ein. Er sagte, dass die deutschen Arbeiter zwar länger bräuchte, bis sie in Bewegung kommen, aber wenn sie es kapiert habe, dann haben sie es richtig kapiert. Hier ist die sozialdemokratische Gewerkschaftsführung mit ihren ständigen Austricksereien noch sehr stark und sie ketten die Basis mit den Streikgeldzahlungen an ihre Logik. Wir sind ebenfalls wie Trotzki zutiefst von dem rechtzeitigen Handeln der deutschen Arbeiterklasse überzeugt. Sie hat immer ihre historische Mission erfüllt, 1919, 1934, 1945 oder 1953. Wer immer versagt hat, waren ihre Parteien mit ihrem Reformismus oder der Einparteien-Diktatur.

Jetzt schon wieder. Auf Grund der Montagsdemonstrationen gründeten Ex-SPD Gewerkschaftssekretäre quasi von oben die WASG. Sofort waren auch 16 Genossen von Opel Bochum dort eingetreten. Aber der der Vortand wollte den Opel BR-Vorsitzende und Oberaustrickser R. Einenkel zum Spitzenkandidat in NRW küren (14). Nun verweigerte der WASG-Vorstand eine von den Opel-Kollegen geforderte WASG-Betriebsgruppe und die Kollegen haben dann natürlich die WASG wieder verlassen. Der WASG-Vorstand hat ein Horror vor emanzipierten Kollegen. Ein Kollege dieser Gruppe, Norbert Spitka schreibt an die Linke Zeitung

„Wir waren uns Ende 2004 sicher, wenn man uns den Status einer Betriebsgruppe in Wuppertal genehmigt hätte, dann wären aus 16 Opelanern in kurzer Zeit um die 400 WASG-Mitglieder geworden, das hatten wir anhand von Erfahrenswerten festgemacht.

Uns war auch klar, dass dieses Aydin und der frühere LaVo wußten, und das diese Erkenntnis mitunter auch ein Grund gewesen sein konnte, uns den BG-Status zu verweigern.

Möglicherweise hatten Aydin & Co. Angst, daß wir Opelaner ihnen zu machtig geworden wären. Es ging ihnen also in erster Linie um die Macht und um nichts anderes.
Als man uns den BG-Status verweigerte, sind wir geschlossen mit Peter Jaszczyk aus der WASG ausgetreten.

Fazit: Für uns hatte die WASG schon am Tag der Vereins-Gründung in Duisburg jämmerlich versagt, denn so verhält sich kein Verein, der auf dem Weg war, eine Arbeiterpartei zu werden.“

Also auch hier wieder hat die Partei versagt, die Arbeiter wollten ihre historische Rolle übernommen. Wir sehen, die Kollegen in den Betrieben sind bereit. Wenn dann noch die Parteiorganisation mit der richtigen Theorie und Praxis kommt, gibt es kein Halten mehr, daraus kann sich ein Flächenbrand entwickeln. Und das geht ja so weiter. Bei Bosch/Siemenshaushaltsgeräte streikten die Kollegen gegen die Betriebsschließung. Bei einer Urabstimmung hatten mehr als 2/3 der Kollegen bei BSH für weiter streiken gestimmt. Die Gewerkschaftsführung verlangt aber mindestens 75% und zahlt sonst kein Streikgeld. (Siehe Linke Zeitung)  Womit aber sollen die Streikwilligen ihre Kinder satt kriegen? Da wäre eine Geldsammelaktion genau das Richtige gewesen, damit die Streikwilligen auch von ihrer finanziellen Abhängigkeit von der Gewerkschaftsführung sich losketten hätten können. Auf die Sonntagsreden eines Lafontaines können sie gut verzichten. Aber eine Geldsammelaktion hätte die WASG den Kollegen anbieten müsse. Wieder hat die Partei versagt, nicht die Arbeiter.

Wo sind die Aufrufe zur Unterstützung der Streiks in den Parlamenten? Wo ist die Information für die Kollegen über die wahren Inhalte der Gewerkschaftsverträge, die Hilfe der Vernetzung der aktiven Gewerkschaftsbasis? Zur Zeit protestieren hunderte Kollegen bei Bayer Leverkusen gegen das Kostensenkungsprogramm, über 25 Mio. Euro, organisiert von den Basisbetriebsräten, und blockieren die Bundesstraße B8 (Siehe Linke Zeitung). Schon 450 Kollegen, unterstützt von 150 Beschäftigten des Leverkusener Klinikums protestierten unter dem Motto »Gemeinsam gegen Niedriglöhne und Kündigungen in Leverkusen« mit der Montagsdemo, die größte wieder seit 2004, aber bei der WASG hat man schon Angst, wenn man das Wort Basis hört.

Damit ist jetzt Schluss. Die Basis von der WASG formiert sich jetzt praktisch „von unten“ zu dem Netzwerk Linke Opposition, basisorientiert und gegen jeglichen Sozialklau. Wir sehen die Sitze in den bürgerlichen Parlamenten nur als ein Hilfsmittel zur Unterstützung all dieser Kämpfe in den Betrieben, nicht umgekehrt wie bei der WASG/LPDS und – lang ist’s her – bei der SPD, die die Betriebskämpfe zum Hilfsmittel ihrer Parlamentssitze degradiert haben. Die Parlamente gilt es als Tribüne des Klassenkampfes zu nutzen. Dann kann es auch hier in  Deutschland die Basisbewgung mächtig werden.

In Oaxaca sind sie schon vorangeschritten und haben von der Basisbewegung einen Rat gewählt, der, wie die Basisbetriebsräte bei Bayer  Leverkusen, an die Willensbildung der Basis gebunden ist. Schau, unsere Oma dort, sie zeigt der gewaltigen Kapitalkampfmaschinerie, wo es lang geht und lässt sich nicht von der Knüppelgarde einschüchtern.. Sie ist mit der Basisbewegung bei sich selber angekommen, ihre Entäußerung ist aufgehoben. Körper und Geist werden wieder eine Einheit und können sich endlich in Harmonie vertragen. Der Mensch ist zu Hause angekommen.

Willi Arm und Norbert Nelte
Internationale Sozialisten im Netzwerk Linke Opposition

Fußnpten:
1 Wirtschaftswoche Nr. 49, 4.12.06, S. 54
2 Tarifpolitische Debatte: ERA
http://www.labournet.de/diskussion/gewerkschaft/tarifpolitik/era.html
3 http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,454191,00.html
4 Siehe auch: Die Lehren des Oktobers 2006 in Oaxaca
http://www.linkezeitung.de/cms/content/view/1303/35/
5 Ernst Kern: “Die neurobiologische Perspektive der Gedächtnisverarbeitung als neues Paradigma für Traumatherapie“, S. 7
http://www.gfk-institut.ch/pdf/pub_traumatage.pdf
6 http://www.pflegewiki.de/wiki/1.6_Lernen_und_Lernstrategien
7 junge welt vom 29.03.2003 - http://www.jungewelt.de/2003/03-29/004.php
8 junge welt vom 18.12.2006 - http://www.jungewelt.de/2006/12-18/022.php
9 „Muslime in der Europäischen Union: Diskriminierung und Islamophobie "
http://eumc.europa.eu/eumc/index.php?fuseaction=content.dsp_cat_content&contentid=4582ddc822d41&catid=
43d8bc25bc89d&lang=DE

10 Warum es Al-Quaida nicht gibt.
http://f25.parsimony.net/cgi-bin/topic-flat.cgi?Nummer=63498&Phase=Phase1&ThreadNummer=43667
11 Karl Marx „Ökonomisch philosophische Manuskripte“, 1844
 http://www.marxists.org/deutsch/archiv/marx-engels/1844/oek-phil/index.htm
12 BKA - Computer-Hacker
http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,453161,00.html
13 Daniel Ellsberg: Höchst Zeit, Verrat zu begehen
http://www.f-r.de/in_und_ausland/dokumentation/?sid=7389d51189fd4074ddf2ea825f8ab3b5&em_cnt=1030520
14 http://www.linkezeitung.de/cms/content/view/1421/135/

Norbert Nelte
Internationale Sozialisten

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