Das Minsky-Paradoxon zeigt die Unausweichlichkeit des nächsten Crashs an

Norbert Nelte - 14.6.2019 - Ökonomie

Und die Luxemburgsche „Schrank‎e der Akk‎umulationsbewegung“ zeigt die Tiefe des Crashs an, letzlich „das Ende der k‎apitalistischen Produk‎tion“.

Hyman P. Minsky (1919-1966) war ein US-amerikani-scher Ökonom und entwickelte als Anhänger von John Maynard Keynes die Theorie der „finanziellen Instabilität“.

Im Gegensatz zu den neoliberalen Milton Friedman Anhängern, die ja immer von einem ungebremsten Wachstum ausgehen, entwickelter er die These von einem zyklischen Platzen der Spekulationsblasen.

Bei Wikipedia wird Minskys Krisenvorgang erklärt.

„In Minskys Krisentheorie … betreiben die Investoren zu Beginn eines Zyklus zunächst eine abgesicherte Fi-nanzierung; die Einnahmen, die den Investitionen fol-gen, reichen aus, um die Kredite zurückzuzahlen. Er-weist sich das Wirtschaftswachstum als stabil, er-scheint eine spekulative Finanzierung rentabel. Die Einnahmen reichen jetzt nur noch aus, um die Zinsen der aufgenommenen Kredite zu bedienen; die Kredite selbst dagegen werden durch neu aufgenommene Kre-dite ersetzt. Schließlich gehen die Investoren zu einem Schneeballsystem über, einem „Ponzi scheme“ (be-nannt nach Charles Ponzi). Nun werden sogar zur Fi-nanzierung der Zinslast Kredite aufgenommen, da die Investoren immer noch darauf vertrauen, dass ganz zum Schluss die Einnahmen aus der Investition ausrei-chen, um allen aufgelaufenen Verpflichtungen genügen zu können. Insgesamt wird die Wirtschaft immer labi-ler, bis es zu einem Platzen der Spekulationsblase und dem Ausbruch einer Finanzkrise kommt.“

Besonders hat er bei der Finanzkrise 2008 viel Aufmerksamkeit erlangt.

Die hat ja eigentlich ihn besonders tragisch bestätigt. Ebenso wird er von der Wachstumsstatistik des Statistischen Bundesamtes bestätigt. Wir sehen, dass alle 8-10 Jahre zyklisch das Wachstum des BIP unter die Null fällt.

2008 war der Schrumpfungsprozess besonders dramatisch. Bei dem jetzt kommenden Crash wird er noch dramatischer. Warum dieses so ist, erklärt uns Rosa Luxemburg. Mit ihrer „Schrank‎e der Akk‎umulationsbewegung“-These.

„Der Ak‎k‎umulationsprozess hat die Bestrebung, überall an Stelle der Naturalwirtschaft die einfache Warenwirtschaft, an Stelle de einfachen Warenwirtschaft die k‎apitalistische Wirtschaft zu setzen, die Kapitalproduk‎tion als die einzige und ausschließliche Produk‎ tionsweise in sämtlichen Ländern und Zweigen zur absoluten Herrschaft zu bringen.

Hier beginnt aber die Sack‎gasse. Das Endresultat einmal erreicht – was jedoch nur theoretische Konstruk‎tion bleibt -, wird die Ak‎k‎umulation zur Unmöglichk‎eit: Die Realisierung und Kapitalisierung des Mehrwerts verwandelt sich in eine unlösbare Aufgabe. In dem Moment, wo das Marxsche Schema der erweiterten Reproduktion der Wirk‎lichk‎eit entspricht, zeigt es den Ausgang, die historische Schrank‎e der Akk‎umulationsbewegungen an, also das Ende der k‎apitalistischen Produk‎tion.“

(Rosa Luxemburg, „Die Ak‎k‎umulation des Kapitals, Neunundzwanzigstes Kapitel - Der Kampf gegen die Bauernwirtschaft)

Also dann beginne der Endprozess der Akkumulation, wenn die Kapitalisierung global erreicht ist, also jetzt.

Sie dachte der Endpunkt bliebe nur theoretisch, weil sie sich nicht vorstellen wollte, dass die Arbeiterklasse sich so lange nicht die Selbstverwaltung erkämpfen. Aber durch Stalins Diktaturkonterrevolution wurde der Endpunkt 2019/20 Praxis.

Was sie mit dem „Marxsche Schema der erweiterten Reproduktion“ meinte, ist folgendes: Marx ging aus Krankheitsgründen im 2. Band fälschlicherweise davon aus, dass die Überproduktion immer im Produktionsmittelsektor stattfindet. Luxemburg wies richtigerweise dagegen nach, dass die Überproduktion in normalen Zeiten immer im Konsummittelsektor stattfindet.

Nur, wenn die Investitionen vom mehr fallen als die Löhne, dann fällt die Überproduktion natürlich im Produktionsmittelsektor an, “in dem Moment, wo das Marxsche Schema … der Wirk‎lichk‎eit entspricht, zeigt es den Ausgang, die historische Schrank‎e der Akk‎umulationsbewegungen an, also das Ende der k‎apitalistischen Produk‎tion.“

Der Unterschied zwischen der Überproduktion im Konsum- und Produktionsmittelsektor ist der, dass die Überproduktion im Konsumsektor auf den Produktionssektor übertragen werden kann, die Lebensmittel kann man auch in der Werkskantine gebrauchen, aber umgekehrt  geht das nicht mehr. Was kann die Frau Meier mit einer Stanze schon in der Küche anfangen?


7.6.1919 Brandaktuell: Deutsche Industrieproduktion spürbar rückläufig. Die Investitionsgüter sind um 3,3% gefallen, heißt es in dem Artikel. Diesen Mangel an Investitionen gab es in Deutschland schon 2018. Aber  damit dieser Mangel auch für die Überproduktion relevant wird, muss der Mangel weltweit sein.

Chinas Industrie-Index signalisiert Abschwung 31.5.19

Also es nähert sich. Wenn 1 Arbeitsplatz im Produktionsmittelsektor verloren geht, gehen 7-9 Arbeitsplätze im Konsumsektor verloren, deshalb ist der Crash von 2008/9 und 2019/20 umso vieles stärker al die im 20. Jahrhumdert. Also, die Nichtübertragbarkeit und das Mitreißen des Konsumsektors führen zu dem tiefen Fall.

Die Verbindlichkeiten der Zentralbanken sind 5 Mal höher als 2008. Die Verschuldung doppelt so hoch. Immer mehr Kreditschuldner haben prekäre Jobs. Sie können ihre Kredite für ihr Haus überhaupt nicht abzahlen.

So geben schon viele Marktbeobachter mit der Tiefe des Crashs unwissend Luxemburg Recht:


Focus Money:+
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Von „Zerstörung des weltweiten Finanzsystems“ über „End of Western Civilization“ bis „Ende der Welt“ ist alles dabei. Die meisten von den Marktbeobachtern haben auch 2008 den -5%-Crash richtig voraus gesagt. Also wir können uns schon darauf verlassen, Der Unterschied zwischen den Marktbeobachtern und uns ist nur, dass die Marktbeobachter alle denken, dass es wieder von vorne losgeht, nur ein lieber Kapitalismus dann ohne Krieg und Geiz und so.

Wir Marxisten aber wissen, weil die durchschnittliche Profitrate in der Produktion bei 1% steht, ist der Kapitalismus fertig, den, auch wenn sie sich gegen ihr Ende so wehren sollten, die letzte Schlacht werden wir gewinnen.



Und es werden diesmal keine niedlichen -5%, sondern 30, 40, 50%, so, dass sich kein Land mehr davon erholen wird.  Rosa Luxemburg wird mit voller Brutalität Recht bekommen.

Das hat Sie vor 106 Jahren. Ihr gebührt eigentlich auch der alternative Nobelpreis dafür.
Und die Alternative zu dem morschen Kapitalismus ist auch schon aufgebaut. Die Rosa Luxemburg kommt diesmal aus  Argentinien. Myriam Bregman und die PTS

Die PTS hat schon halb so viele Mitglieder und Kontakte wie die 80.000 Köpfe großen Bolschewiki im Februar 1917 in dem riesengroßen Russland. Wie stehen schonmit einem Bein in der Zukunft.

 

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