Was ist die Ursache für den kommenden Crash: Die Leitzinsen, das Geldsystem oder das fiktive Kapital?

Norbert Nelte - 07.07.2017 - Okonomie

Der Artikel Fed: Cui bono? Zinserhöhung(en) trotz sich weiter verschlechternder Fundamentaldaten von konjunktion.info beschäftigt sich damit, ob die amerikanische Federal Reserve die Zinsen niedrig halten soll oder erhöhen soll, und kommt zu dem Schluss, dass eine Zinserhöhung nur weine Depression herbeiführen wird.

Das ist zwar richtig, aber ein Zinsstopp bei 0% würde andererseits die Hyperinflation wie 1923 bringen, wo auch der Leitzins bei 0% gestanden hat. Eine andere Möglichkeit gibt es nicht. Die Zentralbank hat eben nur die Möglichkeit zwischen Pest und Cholera zu entscheiden.

Die Einschätzung von konjunktion.info geht davon aus, dass die Zentralbankchefs das aus Dummheit oder willentlich herbeiführen würden. Man bräuchte das nur so zu machen, wie der Autor das vorschlägt. Also Greenspan gibt zu, sie haben in Amerika 1931 die große Depression herbeigeführt. Aber andererseits hätten sie mit einer Nullprozentpolitik wie in Deutschland 1923 die Hyperinflation herbeiführen können.

Nein, die Ursache liegt in dem System selbst. Die durchschnittliche Profitrate, die zu Marx` Zeiten noch bei 50% stand, ist schon in allen Bereichen (Produktion, Dienstleistung und Rohstoffe) unter den Finanzmarktzinssatz gefallen. Das heißt, dass mit Geld nur noch Geld zu verdienen ist mit Wetten oder Märchenerzählerei. Die Zeiten des so genannten Schaffenden Kapitals sind schon lange vorbei.


Bis 2008 wurde der Profit mit der Produktion von stofflichen Waren produziert. Seither wurde das von der Produktion von Fiktivem Kapital kompensiert. Fiktives Kapital ist einfach zukünftiges Kapital, das der Staat, der Konzern oder die Bank verspricht, zu produzier. Diese Eigentumstitel werden zusammengefasst, verbrieft und mit einem Schleifchen darum gehandelt.


Schon bei Karl Marx hatte das fiktive Kapital eine große Bedeutung:

“Der größte Teil des Bankierkapitals ist daher rein fiktiv und besteht aus Schuldforderungen (Wechseln), Staatspapieren (die vergangnes Kapital repräsentieren) und Aktien (Anweisungen auf künftigen Ertrag).“ Karl Marx, Das Kapital, Dietz Verlag, Berlin/DDR 1983, 3. Band, 5. Abschnitt, 29. Kapitel: Bestandteile des Bankkapitals, S. 487

Heute aber hat fiktives Kapital den größten Anteil in der Profitproduktion, also nur Luft. Wir haben praktisch eine Geldakkumulation ohne Produktion. Die Marktwirtschaft wurde von einer Scheinwirtschaft abgelöst. Die Produktion von Autos und Waschmaschinen wird nur noch zum Schein aufrechterhalten.
(Vgl. Norbert Trenkle: Norbert Trenkle - Die große Entwertung. Über die fundamentalen Ursachen der Wirtschaftskrise, 19:30)

Genau so, wie bei den Leitzinsen die Wirtschaft von hinten kritisiert wird, wird das meistens mit der Geldform im Internet diskutiert. Da wackelt auch der Schwanz mit dem Hund. Als ob man die Geldform gerechter machen können, und dann wäre das Gesellschaftssystem auch gerecht. Nein, die Geldform ist Ausdruck des kapitalistischen Unrechtssystem. Nur, wenn wir den Profit abschaffen, stirbt automatisch die übrige Scheiße auch ab.


Norbert Nelte
Für basisdemokratische Arbeiterräterepublik

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