Dein Traum ist aus, Amerika!
Die 2. Runde der Bankenkrise ist eröffnet oder das Siechtum des Imperiums.

Norbert Nelte - 12.12.2007 - Ökonomie

Viele Häuser sind vernagelt
Von den Hochhäusern starren Dich leere Fensterhöhlen an. Eine hagere Gestalt schleppt sich zur nächsten Spritze. Die Bretterverschläge neben der Ausfallstraße ist ihr letztes Zuhause. Manche Obdachlose haben sich eingerichtet in den verrammelten Häusern, deren Besitzer einfach gegangen sind, weil sie die Kreditraten nicht mehr bezahlen konnten und niemand mehr das Haus kaufen wollte. Dreißig Jahre geschuftet, und jetzt, mit einem Schlag war alles umsonst, einfach gegangen, noch nicht mal die Tür zu gemacht, der nächste Wanderer wird sowieso das Fenster für einen trockenen Schlafplatz einschlagen.

Das ist kein Zukunftsroman, Du bist schon im richtigen Film. Sie befinden sich in Detroit des Jahres 2007. Da werden die Häuser für 1.000 Dollar angeboten, ehemalige gut bürgerliche Wohngegend, jedes zweite Haus steht da leer. Es riecht muffelig, staubig und irgendwo schlägt ein Fensterladen im Abendwind den Takt zu „Spiel mir das Lied vom Tod“?

„Sie sagen, dass das hier ein blühendes Viertel gewesen sei. Die Menschen hätten zusammengehalten, damals. Kneipen hätte es gegeben und Parks, gute Schulen sowieso, und die Kinder hätten Baseball gespielt am Samstagmorgen. Die Väter hätten gegrillt, so erzählen sie es, und die Haustüren daheim hätten offen gestanden, weil es Angst ja nicht gab in diesem mutigen Land. So war das einst in Amerika, so war es in Cleveland, Ohio, alle hier sagen das … Fährt man heute durch Slavic Village [Stadtviertel], sieht man Ruinen. Viele Häuser sind vernagelt, manche niedergebrannt, andere geplündert und seltsam nackt. Vor jedem zweiten Haus steckt ein Schild im Sand, „For Sale", aber es gibt längst keine Käufer mehr, es gibt keinen Markt, 13.600 Zwangsversteigerungen gab es 2006 im Bezirk Cuyahoga. Darum lassen inzwischen viele ihre Häuser einfach zurück, sie ziehen aus und einfach fort von hier, keiner kennt die neue Adresse, weil sie ja hoffen, dass sie in der Obdachlosigkeit wenigstens den Schulden entkommen.“
(Spiegel 48/2007, „Ende eines Zeitalters“, S. 80)

Detroit, Cleveland, Gary, im ganzen Rostviertel im Nordosten der USA, überall das gleiche Bild und das ist nur der klitzekleine Anfang. Ganz Amerika hat über seine Verhältnisse gelebt, auch der Staat. Jeden Tag bekam es 2 Milliarden hauptsächlich aus Ostasien geliehen. Nun steigt alle Welt aus dem Dollar aus und die Wohltaten scheinen zu versiegen, das Geld wird knapp in dem Land der Träume. Im Oktober wurden bei 50 Millionen Bau- und Kundenkrediten mit einer Summe von 8 Billionen Dollar die Zinsen verdoppelt. In den Vereinigten Staaten gab es nur Kredite mit einem flexiblen Zinssatz, die wussten schon warum, obwohl die Inflation offiziell nur mit 6% angegeben wird, wird von Finanz-Experten die Inflation auf gut 10% geschätzt.
Auch das BIP-Wachstum wird offiziell mit 4% angegeben, aber „der Frachtindex der „The American Trucking Association“ ist um 2,7% geringer als im Vorjahr und die Beladungen der Güterwaggons sind im Jahresvergleich um 2,8% gefallen. Das Ausmaß des Frachtvolumens wird auch durch den Cass Freight Index, bestätigt, der im Juni 2006 einen Höhepunkt erreicht hat.„ (Dr. Marc Faber)
http://www.goldseiten.de/content/diverses/artikel.php?storyid=5889&seite=0

Der wirtschaftliche Niedergang

Wir haben es in Amerika eher mit einer Stagflation als mit einem Wirtschaftswachstum zu tun. Da das Ausland langsam aus dem Dollar rausgeht, werden die Kredite teurer und der Lebensstandard sinkt. Bei General Motors werden die Löhne von 70 Dollar auf – na, was meinst Du, 4% Lohnerhöhung? Nein, auf einen Schlag um 80% auf 14 Dollar gekürzt, 9,36 €uro, bald wie in Mexiko. Krankenkosten soll die Gewerkschaft zahlen. Dafür bekommt sie Aktien von GM. Das bindet die Gewerkschaftsführung noch fester an die Kapitallogik. Unter dem Titel ‚Ansturm auf Suppenküchen’ schreibt ORF-news.at „Etwa 1,3 Millionen Menschen in der 8,25 Millionen Einwohner zählenden US-Metropole, darunter rund 400.000 Kinder, lebten in Haushalten, die nicht in der Lage seien, kontinuierlich für Lebensmittelnachschub zu sorgen, heißt es in dem Bericht. Veröffentlicht wurde der Bericht - wie jedes Jahr vor Thanksgiving - von der New York City Coalition Against Hunger (NYCCAH).“
http://news.orf.at/071122-18925/index.html

16% der Amerikaner, das sind 47 Millionen Menschen, fast soviel, wie in Italien, müssen ohne Krankenversicherung leben. Bei der am weitesten in die Finanzkrise verstrickten Großbank Countrywide werden 12.000 Kollegen auf die Straße gesetzt. Bei Harley-Davidson sollen 5.400 entlassen werden. Ford, Chrysler und GM arbeiten alle mit Milliarden Verlusten, einfach, weil sie Jahrzehnte gewohnt waren, mit billigen Krediten aus aller Welt zu arbeiten, aber damit ist jetzt Schluss. Nur die Rüstungs- und die Ölindustrie brummt noch.

1,35 Millionen Häuser wurden in 2007 zwangsvollstreckt. 2008 sollen es 1,44 Millionen werden, allein sollen Subprime-Kredite über 362 Milliarden Dollar platzen. Aber aussagekräftiger ist die Zahl von Goldman Sachs, das Finanzhaus schätzt das Volumen der faulen Kredite auf zwei Billionen Dollar (2.000.000.0000.000). Aber das wird auch nicht reichen. Wenn man sieht, wie auch die Finanzsituation des Mittelstandes ist und die Zinsen verdoppelt wurden, dann wird man längerfristig mehr von den 8 Billionen Schulden als nur 2 Billionen abschreiben müssen. Die Kommunen bekommen wegen der Kreditkrise für Kommunalanleihen auch kein Geld mehr für Schulen, Straßen, Flughäfen, Reparaturen, zu viel Schulden gemacht, Washington, Länder, Kommunen, Betriebe, Private, alle zusammen haben 42 Billionen Doller. Das gesamte Bruttosozialprodukt der Welt betrug zusammen 56 Billionen Dollar. Wie will Amerika die 42 Billionen Dollar jemals zurückbezahlen? Wer will denen noch Geld leihen? Sie lassen einfach den Dollar verfallen und dann können sie das mit links bezahlen und der kleine Mann ist enteignet.

„Die US-Hypothekenkrise greift nun erstmals auch auf große staatliche Finanzgesellschaften über. Der US-Bundesstaat Florida verhängte einen Auszahlungsstopp für einen milliardenschweren Investmentfonds der Gemeinden. Aus Angst vor Verlusten des Fonds infolge der Kreditkrise hatten die Gemeinden in den vergangenen Wochen mehrere Milliarden Dollar abgezogen. Um weitere drohende Abflüsse zu vermeiden, bleibe der Fonds vorübergehend geschlossen, teilten Floridas Finanzverwalter in Tallahassee mit.“
Es sind schon Hunderte von Milliarden von der FED und der EZB zur Stützung der Banken und des Dollars in das System gepumpt worden, aber das wird sie nicht mehr retten. Jetzt hat der Dollar vor seinem Absturz noch einmal eine Atempause bekommen. Saudi-Arabien hat 11% Anteile der Citigroup-Bank gekauft. Das ist die Rettung. Ausverkauf aller Banken, Häuser und Betriebe. Wer will ein Einfamilienhaus in Detroit für 670 €uro, oder Daimler, Du darfst noch mal zulangen bei Chrysler für ein Schnäppchen, nee, ist das nichts, oder China, wie wär’s mit Apple? Na ja, das Citigroup-Geschäft wird nur wenige Nachahmer bekommen. Wer will schon in einen Rostgürtel investieren? Also steht der Dollar vor dem Abgrund, richtet noch ein Stoßgebet gegen den Himmel und …

Der stürzende Dollar wird die Weltwirtschaft mitreißen
Die europäischen Banken werden ganz schön mitgerissen. Northern Rock, IKB, West LB, Sachsen LB, die wurde von der LBBW geschluckt, aber jetzt steckt die auch drin. Die West LB sollte sie noch übernehmen, aber jetzt überlegt der Sparkassenverband NRW noch einmal. Die Deutsche Bank hatte erst 1,6 Milliarden von den Subprime-Markt-Papieren abgeschrieben, dann 2,4, aber 20 haben sie noch, davon dürften sie wahrscheinlich noch 10 Milliarden abschreiben müssen. Merrill Lynch hatte auch schon 9,6 von 20 abschreiben müssen. Bei der LBBW könnten es noch mehr werden. Die 2. Phase der Finanzkrise wird nach dem Bilanzdatum, den 31.12.2007 eingeläutet. Der spanische, englische und polnische Finanzmarkt wird dann auch zusammenbrechen. Die drei Phasen der Finanzkrise sind sehr eingängig von dem Chefredakteur der Wirtschaftswoche beschrieben worden.
http://www.wiwo.de/pswiwo/fn/ww2/sfn/bm_video/videoid/307075/SH/0/depot/0/index.html

In Britannien finden 1,5 Millionen Hausbesitzer keine Anschlussfinanzierung mehr und müssen wahrscheinlich verkaufen. Das Largo des Siechtums geht über in einen Hartchor der Höllenhunde. Nachdem die amerikanische Finanzkrise voll und ganz Europa ergriffen hat, indem hier auch das Großbankensterben eingeläutet ist, wird die Phase den Banken der Rest von den Heuschrecken gegeben, die ja auch von der Hypothekenkrise ergriffen sind und dann nicht mehr ihre Schulden zurückzahlen können, denn sie bestehen zu 70% aus Schulden, das sind noch einmal 3 Billionen. In der Folge werden die Staatsbanken die Gelddruckmaschinen anwerfen, um die Großbanken zu stützen und nun geht es über in die 4. Phase, der weltweiten Hyperinflation, vielleicht 2009. Übrig bleibt der Tauschhandel, was auch im Wallstreet-Journal von Paul Roberts so gesehen wurde.
http://infokrieg.tv/paul_roberts_dollarcrash_europa_131107.html

Glaubt jemand, Amerika würde freiwillig seine Weltmacht verlieren, ohne seinem Nachfolger eine Abreibung zu verpassen? Dafür braucht es Öl und ein Keil in das Shanghai-Bündnis Richtung „Rivale“ China. Bush hat es schon schwer. Jetzt ist Cheney im Krankenhaus und der CIA redet die Atomgefahr Irans klein. Dafür aber hat Bush seinen Wolfowitz als Vorsitzenden im International Security Advisory Board, das Beratungsgremium für internationale Sicherheit. Vielleicht ist Cheney bis Frühjahr wieder draußen, die Amis können die chinesischen U-Boote besser orten und der CIA hält sein Pappermaul, vielleicht war das bloß eine Finte, vorsorglich hatte Bush seinen Propagandaschwerpunkt auf die angebliche Terrorgefahr der Revolutionswächter und deren angeblichen Waffenlieferungen an die Taliban und an die irakischen schiitischen „Terrorgruppen“ gelegt. Die CDU und Bush hetzen ja auch vereint weiter. Waffen sind der einzige Vorsprung, dien Amerikaner noch haben, also glauben sie, dass sie die auch einsetzen müssen.

Frankfurter Rundschau zum wahrscheinlichen Kriegsanfang im Frühjahr 2008
http://www.fr-online.de/in_und_ausland/politik/aktuell/?sid=949fe50fb51ca9d70d21e89a5f6c06db&em_cnt=1251425

Säbelrasseln: Chinesisches U-Boot taucht vor US-Flugzeugträger auf
http://www.linkezeitung.de/cms/index.php?option=com_content&task=view&id=3799&Itemid=199

Die Zwischenperiode
Aber einerlei wie die Geschichte mit dem Krieg ausgeht, die Finanzkrise wird die Weltherrschaft der USA so oder so beenden. Langsam spricht sich das auch bei der herrschenden Klasse rum. Der Spiegel z.B. schreibt im November 2007:

„Jahrzehntelang waren die USA der globale Wachstumstreiber. Möglicherweise übernimmt künftig einmal China die Rolle. Das Problem ist die Zeit des Übergangs in der die eine Macht schwächelt und die andere deren Aufgabe noch nicht erfüllen kann.“ (Spiegel, 48/2007, S. 75)

Genau das ist der Punkt, was passiert in der Zwischenperiode, nachdem das amerikanische Imperium beendet ist und ein womögliches chinesisches beginnt? Wir beschäftigten uns schon im Februar 2002  mit dieser Frage:
„Wirtschaftlich würde China in 20 Jahren Amerika einholen, wenn weiter ein weltweiter Boom zu Grunde läge. Politisch und militärisch aber bräuchte auch dann China noch 50 Jahre zusätzlich, um die Weltherrschaft zu erringen. Schliesslich brauchte Amerika erst einen Weltkrieg, um die Herrschaft über Europa aufzubauen und dann noch einen, um die Weltherrschaft zu erreichen, also 2 Weltkriege, um die Weltherrschaft des Commonwealth abzulösen.“
(Kein Krieg für Öl, Vorwort zur 2. Auflage von N. Nelte, S. 5)

http://www.marktende.de/BUECHER/NORBERT20.PDF

Den Versuch einer Antwort wollen wir mit einem Leninzitat einleiten:
»Damit es zur Revolution komm t, genügt es in der Regel nicht, daß die "unteren Schichten" in der alten Weise "nicht leben wollen", es ist noch erforderlich, daß die "oberen Schichten in der alten Weise "nicht leben können"

  1. (Lenin: " Der Zusammenbruch der II. Internationale ", LW 21, S. 206)

Warum sollten die Kapitalisten sich noch groß gegen ihre Entmachtung wehren sollen, wenn ihre Profitrate schon so niedrig ist, dass sich ihre Profitproduktion sowieso nicht mehr lohnt. Als 1989 die Kasse der DDR leer war, langte ein gemeinsamer Spaziergang der Leipziger, und eine übermächtige Diktatur war weggeblasen. Nach der Hypothekenkrise und der Hyperinflation werden wir um 2020 bis 30 in das Zwischenstadium eintreten, das geprägt sein wird von einer Wirtschaft zwischen dirigistischen Wohnungszuweisungen, Brotmarken und halblegalem Tauschhandel.

Weltweit wird ein heftiges Schwanken zwischen Barbarei und authentischem Sozialismus vorherrschen. Amerika, China und Russland werden ihre Positionen auch im Untergang nicht aufgeben wollen, aber der Schritt zurück zum Kapitalismus wird nicht mehr möglich sein, weil die Maschinen schon so weit entwickelt sind, dass sie die einzige Quelle des Mehrwertes, die Arbeit fast überflüssig gemacht haben, es sei denn, man zerschlägt die Maschinen und fängt wieder bei Hammer und Amboss an.

 Die internationale Arbeiterbewegung als Gewerkschaftsopposition oder Antikriegsbewegung wird besonders die amerikanischen Kollegen unterstützen müssen. Dann wird der Mensch den Schritt aus der Zwischenperiode in die Solidarische Planwirtschaft, den authentischen Sozialismus der Arbeiterrätedemokratie schaffen können.

Norbert Nelte
www.marktende.de
Internationale Sozialisten

Home

besucherzaehler-counter