Die Angst der Superreichen vor der Rache der Armen

Norbert Nelte - 25.07.2014 - Klassenkampf

Noch in diesem Jahr wird die erste Blase mit einem nervzerfetzenden Getöse platzen und wie eine Apokalypse alle anderen Blasen mit einem schrillen Platzkonzert mit sich reißen. Der Baltic Dry Index, der den Weltseehandel misst, ist so tief eingebrochen wie 2008 vor dem Lehman-Crash.

Die Zentralbank der Zentralbanken BIZ schrieb in ihrem Jahresbericht vom 1.4.2013 – 31.3.2014 „Nur wenige sind bereit, Finanzbooms zu zügeln, die allen die Illusion vermitteln, sie seien reicher. Oder auf  die schnellen Rezepte zur Ankurbelung der Wirtschaft zu verzichten, selbst wenn untragbare  Finanzbooms  dadurch  noch  angeheizt  werden  könnten.  Oder  die Bilanzprobleme  inmitten  des  Abschwungs  ernsthaft  anzugehen,  wenn  scheinbar einfachere Maßnahmen zur Verfügung stehen. Die Versuchung, eine Abkürzung zu nehmen, ist einfach zu groß, obwohl die Gefahr besteht, dass sie ins Leere führt. Der Weg vor uns kann lang sein. Ein Grund mehr also, die Reise lieber früher als später anzutreten“ S. 25. Auf deutsch „Die Menschen machen lieber Blasen, die eine heile Welt vorgaukeln. Aber je größer diese Blasen werden, umso verheerender wird das Platzen. Lasst die Blasen besser jetzt ‚kontrolliert’ platzen.

Janet Yellen, Chefin von der Zentralbank der USA, Fed, antwortete daraufhin in einer Rede vor der IWF in dem Wissen, dass man jetzt, 2014, keine Blase mehr kontrolliert platzen lassen könnte: „es sei nicht Aufgabe der Fed, Blasen zum Platzen zu bringen.“ Also wird kräftig weiter aufgeblasen.

Rechtzeitig vor dem großen Blasen platzen hat Lynn Forster de Rothschild die 250 reichsten der Reichen in das Londoner Manson’s Haus zu einer Konferenz  über „inklusiven Kapitalismus“ geladen. IWF-Chefin Christine Lagarde hielt den versammelten 30 Billionen Dollar einen Vortrag über „Den Ruf zu den Waffen“
Dahinter stand die Frage, welche Investments sollte man tätigen, um die Folgen der Kluft zwischen Arm und Reich nicht in einem für die Finanz-Eliten fürchterlichen Aufstand enden zu lassen.
Wir möchten den Geldsäcken bestätigen, dass sie mit ihrer Einschätzung des „für die Finanz-Eliten fürchterlichen Aufstand“ richtig liegen, aber das erst zum Ende des Jahrzehnts.

Die Massen werden fürchterliche Rache nehmen wollen. In der ungarischen Revolution 1956 hatte das aufgebrachte Volk die ungarischen Stasis, die Avo-leute verbrannt und an dem nächsten Baum aufgehangen. In Russland dagegen im Juli 1917 hatten die Demonstranten auch einen Minister der Kerenski Kriegsregierung erwischt und wollten ihn  gerade aufknüpfen, da kam zufällig Leo Trotzki vorbei, stieg auf ein Auto, und überzeuge die Leute, keine unüberlegte spontanen Dummheiten zu machen, letztlich gehörte der Mann vor ein von allen gewählten revolutionäres Richter, der besonnen alle Seiten abwägt. Der Unterschied zwischen der russischen und ungarischen Revolution war einfach der, dass es in Russland 1917 eine erfahrene revolutionäre Partei gab, und in Ungarn 1956 eben noch gar keine, sie konnte sich nicht unter der stalinistischen Diktatur auch nicht im Untergrund entwickeln.
Unter Lenin gab es nur halb so viel Gefangene wie beim Zar. Wir revolutionäre organisierte Marxisten sind nicht so rachsüchtig wie die Regierungen der Reichen. Wir gehen vielmehr von der Resozialisierung aus. Warum sollte man groß Geld ausgeben für Gefängnisse, wenn man die Täter umschulen kann und sie dann ein produktives Mitglied der Gesellschaft werden können.

Heute sind die Superreichen nur destruktiv. In der Vergangenheit waren sie aber auch konstruktiv. Um das zu erklären, wollen wir ein wenig ausholen.

Der Mensch hat schon vor 40.000 Jahren in Australien Kunst gemacht, das Ulmer Museum zeigt ein 36.000 Jahre alte kleine Stierplastik. Der Mensch hatte also schon damals ein Mehrprodukt produziert, dennoch benötigte er unwahrscheinlich lange, um die Produktivkräfte auch weiter zu entwickeln. Erst vor 8.000 Jahren war die größte Siedlung der Welt Çatal Hüyük 5.000-6.000 Einwohner groß, ohne Stadtmauer. Der einzige Schutz war, dass die Häuser wie bei den Pueblo-Indianern aneinander gebaut wurden und man nur über die Dächer in die Häuser gelangen konnte. Das hätte als Schutz vielleicht bei den Nachbarstämmen gelangt, aber nicht bei den hoch organisierten Kriegern der sich jetzt entwickelnden Herrschaftsgesellschaften mit Königen und Pharaos.
Bis zur Jungsteinzeit waren die Menschen Jäger und Sammler. Sie brauchten in tierreichen Gegenden nur 2  Stunden am Tag arbeiten. Der ganze Stamm lebte gemeinsam in Langhäusern. Die Küchenarbeit und die Kindererziehung der Frauen hatte vor der Öffentlichkeit des gesamten Stammes stattgefunden. Sie waren noch anerkannt und waren die Hauptgöttin und Priesterin. Man ging nach dem Mutterrecht vor. Hier wurde der Name der Mutter vererbt, die Töchter wurden nach der Mutter Familienoberhaupt wie heute noch bei den Mosuo oder auch teilweise bei den liberalen Tuaregs, deshalb heißen sie ja auch bei den strengen Moslems , die „von Gott Verstoßenen“, arabisch Tarqi, natürlich von einer männlichen Gottheit Verstoßene.

Die Jägerstämme waren aber so erfolgreich, dass die Stämme immer größer wurden und die vorhandenen wilden Tiere nicht mehr ausreichten. Die Stämme gingen über zur Viehzucht und den auch dann notwendigen Ackerbau. Nun mussten sie 10 Stunden am Tag arbeiten. Die Menschen damals erklärten sich das mit der von ihrer Gottheit Vertreibung aus dem Paradies, dem Garten Eden. Eden ist arabisch und heißt ‚unbebautes Land’.

Am Anfang dieser vor 7.000 Jahren neolithischen Revolution handelten die Häuptlinge noch im Namen der Stämme und für deren Rechnung, die gemeinsam noch den Dorfacker bearbeiteten. Der Handelsgewinn ging an die Kommune, die Dorfgemeinschaft. Als die Äcker aber bald privatisiert und das Patriarchat eingeführt wurde, handelten sie aber die Ackerprodukte nur noch im eigenen Namen und behielten den Handelsgewinn für sich. Wegen des Diebstahls begleite sie eine Security-Truppe (policia). Die Polizei war also die erste Verbrecherorganisation.

Damit fing die Sonderrolle der Könige und der Reichen an, zusammen mit der Einführung des Patriarchats. Das Patriarchat hatten die Männer durchgesetzt, weil sie als der Stärkere den Acker umpflügten. Sie wollten nur ihren leiblichen Kindern den Hof und die Äcker vererben und kontrollierten deshalb die Frauen und schränkten deren Freiheit ein. Ab nun wurden die Hauptgötter auch die Männer. Da nun alle Männer die Frauen unterdrückt hatten und sich über sie stellten, darf man sich auch nicht wundern, dass sich die Könige über das Volk gestellt haben.
Die haben im Nu aber auch Architekten, Kanalisationsbauer und andere Ingeniere, Schreiberlinge, Priester, Soldaten und Polizisten um sich geschart und große Städte Paläste, Pyramiden und Tempel gebaut, die Schrift entwickelt und die Mathematik.

Uruk war vor 6.000 Jahren schon 100.000 Einwohner groß. Ihre Dynamik entwickelten  die Herrschaftsgesellschaften durch das Misstrauen und den Wettlauf. Die Schrift entwickelte sich aus den Lieferscheinen/Tonbullen. Durch den Wettlauf bei der Menge der Leibeigenen unternahmen sie Kriege, was den Schiffbau, die Metallurgie und andere Wissenschaften voranbrachte. Kriege waren ab jetzt regelmäßig. In der Jungsteinzeit waren sie nur Ausnahme, bei einer Dürre beispielsweise. Die Bauern bei den Griechen arbeiteten im Sommer auf dem Acker und im Winter zogen sie jedes Jahr in den Krieg.

Eine Unterteilung in zwei Hauptklassen war historisch notwendig. Natürlich entwickelten die Reichen nicht die Produktivkräfte und die Arbeiterklasse aus Liebe zur Menschheit, sondern dies nur für ihren Gewinn und ihre Macht, die Entwicklung der Produktivkräfte war nur das notwendige Abfallprodukt dieser Entwicklung.
Im Kapitalismus explodierten die Produktivkräfte förmlich durch die Konkurrenz und es wurde die revolutionäre Klasse der Arbeiter als Lohnabhängige überhaupt erst einmal entwickelt. Nun wechselte man von der einfachen Warengesellschaft zur kapitalistischen Warengesellschaft. Wenn  er nun am Jahresanfang 100 Mark investierte, wollte er am Jahresende 100 Mark + Delta x, sagen wir 100% + 5% = 105 wieder zurückbekommen.

Wegen der Konkurrenz rationalisiert er und muss dadurch ständig wachsen, will er keine Arbeiter entlassen. Wenn nicht, dann sinkt die Profitrate. Genau vor diesem Problem stehen jetzt die Superreichen.

Die wichtigsten Bedürfnisse sind jetzt bei den Verbrauchern befriedigt und alle Wirtschaften wachsen nicht mehr. Heute sind die Reichen nur noch destruktiv. In fast alle Waren werden Chips zur Verkürzung der Lebensdauer oder schlechtes Material eingebaut. Regenerative Energien werden boykottiert, weil damit nichts zu verdienen gibt. Seit dem Vietnam Krieg sind 99% aller Getöteten in Kriegen die Zivilisten. Die Regierungen der Reichen betrügen und belügen die Massen und gehen über Leichen.

Nichts wächst mehr, keine Profitrate, die schrumpft. Das Kapital der Reichen wächst nicht mehr durch den Produktionsprofit, also quetscht sie den Steuerzahler aus, indem sie die Banken für sich wetten lassen und die Verliererbanken zahlt eben der Steuerzahler. Der Staat ist aber blank und druckt einfach das Geld ohne entsprechende Wertschöpfung. Also wird es eine Hyperinflation geben. Das Geld der Reichen wird nichts mehr wert sein und dann werden auch noch die Betriebe besetzt und die Haziendas.

Ob so oder so, die Welt der Reichen ist am Absaufen. Der beste Schutz für die Super reichen wäre jetzt, die revolutionären Organisationen zumindest nicht mehr behindern zu lassen, auf alle Fälle die Kluft zwischen Arm und Reich nicht mehr größer werden zu lassen, sonst sieht es nicht gut aus für sie, aber das wissen sie alles selber, sonst hätten sie nicht die Krösus Veranstaltung gemacht.

Sie können gar nichts daran ändern, dass die Kluft immer größer wird, deshalb sind Aufrufe von Mahnern schon vergebens und idealistisch. Wenn sich die 100 Reichsten zusammentun sollten, und ihre Zinsen den Armen schenken würden, würden sofort die nächsten 100 Reichen kommen und ihre Lücke ausfüllen.
In Amerika gehört schon 1% aller Menschen 42% aller Vermögen. Da kann die Menschheit nur aus dem Gleichgewicht geraten. Was haben die Reichen noch vor mit ihrer Raffgier.

Nein, es müssen erst die grundsätzlichen Gesetze geändert werden. Das können aber auch nur wir Arbeiter. Nachdem wir unsere Betriebe besetz haben, werden wir eine Welt bauen, in der alle Menschen gleiches Geld haben und in der es keinen Hass, keine Gier und keinen Neid mehr gibt. Jetzt sagen schon wieder viele Reiche, das wären aber ihre Betriebe. Falsch. Die sind schon von unseren produzierten Waren und deren Erlöse bezahlt und zigmal abgeschrieben worden. Die Betriebe gehören uns Arbeitern, sie wurden ja auch von uns Arbeitern gebaut.
Die Verachtung und den Hass der Reichen auf uns Arbeiter werden wir einfach in Liebe umwandeln, wie z.B. in Südafrika. Da hat ein ehemaliger weißer Polizeioffizier 10 schwarzen Müttern, deren Kinder von seinen Polizisten erschossen wurden, die Füße gewaschen und alle haben gemeinsam geweint. Nicht aus Idealismus, das ist einfach nur historischer Materialismus.

Nur ohne Hass kann eine Gesellschaft überleben. Aber ihren Superreichtum sind die Geldleute auf alle Fälle los. Lenin schrieb, dass es lange, die Bankdirektoren für 2 Wochen ins Gefängnis zu werfen, dann hätten sie schon genug Angst. Juristisch können wir ihre Leichen sowieso nicht sühnen, von ihrem Gewissen und ihrer Angst werden sie schon genug gequält.

Wir werden eine Welt bauen ohne Grenzen und Kriege. Alle Arbeiterstaaten werden sich zusammenschließen wie Lenin das 1922 mit 15 Arbeiterstaaten gemacht hat, die sich zur Sowjetunion (Union der Arbeiterrätestaaten) zusammenschlossen. Leider waren nur 4,5% der Bevölkerung Arbeiter, nach dem Bürgerkrieg sogar nur 2,5% und die revolutionäre Arbeiterpartei musste diese vorübergehend ersetzen.

Dies nutzte Stalin nach dem Tode Lenins 1924 aus, vergrößerte die Partei mit den Karrieristen mit dem „Leninaufgebot“ um das 10fache, obwohl Lenin noch 1924 forderte, die Türen vorerst zu zu machen, verkehrte den Marxismus mit der Staatsdoktrin der Theorie des Sozialismus in einem Land von Bucherin in sein Gegenteil, löste 1928 die Arbeiterräte auf, schmiss alle Revolutionäre aus der Partei, tötete sie spätestens 1936, und führte so seine schleichende politische und soziale Konterrevolution durch.

Die Superreichen sollten aber wissen, dass wir 2014 in Europa und Nordamerika eine Arbeiterklasse von 85% haben. In Asien und Lateinamerika auch nicht viel weniger. Ihre Welt löst sich gewaltig auf, da können sie überhaupt nichts ändern, ihre durchschnittliche Profitrate in der Produktion ist schon in allen alten Industrieländern unterhalb des Finanzmarktzinssatzes. Aber statt dem sich zu ergeben, versuchen sie ihre Welt noch mit Kriegen zu retten. Ein US-Ökonom kommt zu dem Schluss: „Wirtschafts-Wachstum ist nur mit Kriegen möglich“. Also, Elend und Krieg für 99% ist die einzige Lösung der herrschenden 1%. Sie präsentieren nur noch die Vergangenheit. Sie müffeln nach Mottenkugeln. Sie müssen weg. Für ewig und immer.

Den selbstverwalteten Betrieben gehört die Zukunft!


Norbert Nelte
Krisenticker mit Fahrplan für die Krise (An- und Abfahrt + evtl. Bahnsteig)

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