Amerikas Weltherrschaft ist aus - und nun?

Norbert Nelte - 20.11.2010 - Ausland

Norbert Nelte

Es ist passiert, die USA hat ihre Vorherrschaft in der Welt verloren. Das Feuerwerk dazu wird es etwas später geben. Wenn es die fortlaufenden Kriege im Irak und in Afghanistan nicht gäbe, dann könnte man schon fast Mitleid haben mit Obamas vergeblichen Versuchen, seine Linie in der Welt durchzusetzen und sich Gehöhr zu verschaffen. Amerika haut auf den Tisch und die Merkel schaut den Obama kurz bös an, und Deutschland und China können ihre Dumpingpolitik in Ruhe weiter machen

Forbes hatte vor 2 Wochen auf der Liste der mächtigsten Männer Obama von Platz 1 auf 2 gesetzt und den chinesischen Staatschef Hu Jintao auf Nummer 1.Im Gegensatz zu seinen westlichen Amtskollegen könne Hu Flüsse umleiten, Städte bauen, Dissidenten einsperren und das Internet zensieren, ohne dass sich nervige Bürokraten und Gerichte einmischen, schreibt "Forbes" zynisch..“

Aus Indien meldete Obama Aufträge über 10 Milliarden Dollar, nur die Chinesen melden 20 Mrd. In Indonesien die gleiche Geschichte. China war schon da mit 6,6 Mrd. für Straßen, Brücken und Kanäle.
Diese Art erlebt Amerika derzeit überall in der ganzen Welt. In Afrika von Sudan bis Angola baut China Straßen, Wohnhäuser, Eisenbahnen, in Südamerika investiert es von Argentinien bis Chile. Noch 4 Billionen Dollar hat China durch die Billiglöhne auf der hohen Kante, die USA nur zehnmal soviel Schulden.

Die ärmeren Länder könnten diesen Konkurrenzkampf natürlich prächtig für sich ausnutzen, aber Amerika hat nichts mehr nachzulegen. Und China fragt die Länder nicht nach ihrem Wohlverhalten, könnte es gar nicht, es ist ja selber eine Diktatur, und zwar eine der übelsten Sorte. Der IWF hat schon die Kreditpolitik des „Good Governance“ aufgegeben, weil die Länder ohne „gute Regierungsführung“ von China das Geld bekommen.
In Europa engagieren die Chinesen sich auch schon. Nachdem Griechenland bis 14% Zinsen für seine Staatsanleihen zahlen mußte, Europa mit dem IWF ein Rettungspaket für Athen schnürte unter der Bedingung, dass die Hellenen brutalst kürzen, muss der Staat wiederum 9,5% für seine Anleihen zahlen, na, und wer sprang ein? China ... , es investiert 5 Milliarden und kauft sich so langsam nach Afrika, Südamerika und Asien auch in Europa ein.

Auch in Deutschland ist der Drachen ja der große Retter. Nachdem 2009 dass Bruttoinlandsprodukt um 5% in den Keller gerasselt ist, geht es 2010 wieder schnell bergauf und wird, wenn es so weitergeht, 2011 wieder den Stand von 2008 erreicht haben, während das BIP sonst in Europa überall weiter nach unten geht. Aber dieser sogenannte Aufschwung ist leider nicht nachhaltig. Im deutschen Binnenmarkt ging der Autoabsatz im August um fast 30% zurück und im September noch um 17.8%. Wo es aufwärts ging, war der Export nach Asien und das war alles nur dem Konjunkturprogramm der Chinesen über 500 Milliarden Dollar zu verdanken. Scheinbar läuft das aus, denn die Aufträge in der ganzen Industrie gingen sogar im Oktober um 4% zurück. Die Reedereien bauen bereits ihre Schifffahrtskapazitäten um 10-15% zurück.

Aber mal langsam. China hat an flüssigem Staatsvermögen noch 4 Billionen Euro an Staatsanleihen und Gold auf der hohen Kante, da werden sie noch ein paar mal nachlegen. Europa hat dafür 7 Billionen Euro Schulden. Deutschland ist da beim Spiegel mit 1,7 Billionen Schulden falsch angegeben.

Der aktuelle Schuldenstand ist 1,94 Billionen, da im Abrechnungszeitraum 1.1.09-31.9.10 noch 150 Milliarden dazu gekommen sind, sicher wegen der 100 Milliarden HRE Schulden. Den Vogel hat in Europa Irland mit 32% Neuverschuldung (auf der Grafik) abgeschossen. 3% sind erlaubt. Dieses Geld benötigte Irland für die Bankenrettung, nicht für die Menschen

Stand 15.11.10             Haushaltsdefizit zum BIP         Schulden zum BP in%
Griechenland                                      9,4                                    144,0

Irland                                                 32,0                                   98,5

Spanien                                              9,8                                      64,9 Portugal                                              8,5                                     85,8

Bevor Dir jetzt die Luft wegbleibt, lieber Leser, könne wir an dieser Stelle das glorreiche Wirtschaftssystem des ausgehenden Kapitalismus der Bettelphase erklären. Der Investor investiert, um möglichst viel Rendite zu bekommen. Das bekommt er in China mit bis zu 30%. Hier beherrschen aber die Chinesen und die großen amerikanischen und deutschen Firmen das Parkett, sodass für den einzelnen Investor nicht mehr viel über bleibt. Also schaut er sich auf dem amerikanischen oder europäischen Markt um. Die lukrativen Rohstoffbereiche in Afrika oder Südamerika sind auch schon vergeben, so dass nur der müde Produktionsbereich übrig bliebe, in dem die Renditen und damit auch die Devisenaussschüttung schon weit unter dem Finanzzinssatz liegen. Hier nur einige Renditenbeispiele aus der Wirtschaftswoche, die die marxistische Rechnung der niedrigen Profitrate nur bestätigen:


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Mercedes, Siemens, BMW usw. bessern sich nur ihre Renditen auf, indem sie auch auf dem Finanzmarkt spekulieren. 2002 setzten deshalb die Konzernchefs Bundeskanzler Schröder unter Druck, dass er die Heuschrecken mit Leerverkäufen und Firmenaufkäufen zwecks Teil- oder Totaloutsourcing zuließ.
Ab 2005 lief auch das nicht mehr und die Investoren verlegten sich auf die Fonds der Banken, die mit diesem Geld mit anderen Banken untereinander mit den CDS-Gegenversicherungen wetten. Das war die letzte Möglichkeit, wo die Konzerne ihre den Arbeitern abgepressten Gewinne wieder kapitalisieren konnten.

Die Deutsche Bank z.B. schließt mit der Anglo Irish Bank die CDS Gegenversicherung ab, dass Griechenland zum 31.10 nicht seine Verbindlichkeiten bezahlen kann, sonst zahlt die Anglo Irish 10 Mrd. Tritt dies ein, dann muss die Irish Bank zahlen und die Deutsche Bank kann ihren Fond-Mitgliedern von Mercedes bis Sirmens 10prozentige Gewinne auf ihre Einlage ausschütten.

Der irische Premierminister Brian Cowen erzählt nun, dass die Anglo Irish Bank systemrelevant ist, und schon ist der irische Steuerzahler 32% von seiner geschaffenen Wertschöpfung los und Siemens kommt auf seine 15% Redndite, die es ja angekündigt hat. Das Problem ist nur, dass bei 15% die Gewinne immer größer werden müssen, da diese Gewinne ja auch wiederum verzinst werden müssen, lieber Leser, Du musst den Zinsenszins bezahlen. Wenn eine Bank gewinnt bei den CDS, muss eine andere Bank bezahlen, und die wiederum holt sich das vom Kleinsparer oder Steuerzahler.

In der Vergangenheit war das mit den faulen Krediten zusammen bisher die isländische Kaupthing-Bank, die britische Northern Rock, die deutschen Landesbanken, die IKB oder die Hypo Real Estate, waren es da nicht schon 340 Mrd., die der Steuezahler abdrücken muss, blickst Du noch durch? Nicht zuletzt wolle wir noch die Commerzbank und Lehmann Brothers erwähnen und natürlich die meisten amerikanschen Banken.

Aber hier sprang der Staat mit Dollardrucken ein, wie wir ja im Foto Ben Bernanke bei seiner Lieblingbeschäftigung sehen können. So hat er die M3 Dollargeldmenge verdreifacht und damit die Banken locker die Banken wetten.

Der Sonderbeauftragte der US-Regierung für den Bankenrettungsplan TARP Neil Barofsky gibt offiziell 23,7 Billionen Dollar an, mit denen sie bis jetzt bedacht wurden (LeMondediplomatique, S 50). Spätestestens bei der nächsten platzenden Blase wird das dann zur Hyperinflation führen, da bis dahin das Geld bei den CDS-Wetten ja gebunden ist und der Arbeiter und Kleinbürger wird dann von hinten durch die kalte Küche enteignet. Das Schneeballsytem in Reinform ist also die letzte Rettung des Bettel-Kapitalismus. Wenns platzt, was dann???

Jetzt wissen wir auch, warum der Europäische Zentralbankchef Jean-Claude Trichnin so entsetzt verbittert aus der Wäsche schaut. Er erfährt gerade von seinem Kumpel Jean-Claude Junckers die Schreckensnachricht, dass Irland in der letzten Abrechnungsperiode 32% Schulden gemacht hat und die Krisen in Griechenland, Portugal und der restlichen Euro-Zone weisen seine Gedanken dahin, dass er langsam auch wie sein Spießgeselle Ben die Druckmaschine in den Turbogang umstellen muss.

Amerika hat nur noch einen Anteil von 11% Industrie (70% Finanzsektor). Die Produktion von Waschmaschinen, Kameras und Laptops wurden schon nach China ausgelagert. Nun wollen die Republikaner nach dem neuesten Senatsbeschluss die chinesischen Waren wegen des angeblich chinesischen unterbewerteten Yüans mit Strafzöllen belegen. Ja, was glauben die, was dann los ist. Dann kaufen die Chinesen gleich keine amerikanischen Staatsanleihen mehr und das Land der unbegrenzten Möglichkeiten kann dann gleich abschließen. Nur noch in der Rüstungsindustrie sind sie vorne. Werden sie wie ein angeschlagenes Tier gegen China wegen ihrer Unterlegenheit zum Berserker?

Die ganze Welt hängt am chinesischen Tropf. Von Amerika kauft es Staatsanleihen und von Deutschland die BMWs. Aber mit ihrem Brilliance BS4 werden sie bald auch BMW eingeholt haben, 2011 sind sie schon damit auf dem amerikanischen Markt. Dann wird es für uns Amerikaner und Europäer nichts mehr zu produzieren geben außer für 1 Euro Jobbern Aber wohin wollen die Chinesen dann noch exportieren??

Norbert Nelte

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